Körperscanner
Herr Holzhäuser, sind Ihre Taschen so tief?

Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, macht sich Gedanken um die Sicherheit in Deutschlands Stadien. Sein Lösungsvorschlag: Ganzkörperscanner. Muss sich die Werkself keine Sorgen ums Geld machen?
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DüsseldorfIn Niedersachsen sollen Spürhunde ins Stadion geschmuggelte Bengalos erschnuppern. In Leverkusen outet sich derweil Bayer 04-Geschäftsführer Holzhäuser als Fan von Körperscannern in Fußballarenen: ein Hirngespinst.
Ums Geld muss sich Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, selten sorgen. Ein Transferangebot für Offensivspieler André Schürrle über 25 Millionen Euro von Chelsea schlug er aus. Den millionenteuren Austausch des Stadiondachs zahlt schön brav der Bayer-Konzern. Und nur deshalb kann er wohl auch auf die Idee gekommen sein, das illegale Mitbringen von Feuerwerkskörpern durch Körperscanner unterbinden zu wollen. „Vielleicht muss man auch Wege beschreiten, die nicht so populär sind. Ich bin durchaus ein Anhänger des Körper-Scannens“, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Da bietet sich eine kleine Musterrechnung an. Bescheidene 30120 Plätze hat die Bayarena in Leverkusen. Geht man davon aus, dass diese gleichmäßig verteilt in den anderthalb Stunden vor dem Spiel eintrudeln, müssten pro Stunde 20140 Fans in einen Körperscanner treten und untersucht werden. Durchschnittlich zehn Sekunden benötigt aber eine ausgebildete Crew an einem solchen Gerät, um eine Person zu scannen und das Bild auszuwerten – und diese Zahl entstammt der wahrscheinlich positiv gefärbten Selbstdarstellung eines Scanner-Anbieters.

An einem einzelnen Körperscanner könnten demnach etwa 360 Personen pro Stunde geprüft werden. In der Bayarena wären demnach 56 Körperscanner (20140/360) mitsamt ausgebildeter Sicherheitskräften nötig, um alle Fans zu untersuchen. Dass nicht alle Gäste gescannt werden müssen, könnte man einwenden. Doch in Leverkusen spricht man im Zusammenhang mit eingeschleusten Feuerwerkskörpern gerne von „Cashmere-Hooligans“, die „unkontrolliert in die Tiefgarage [fahren], weil keiner sich vorstellen kann, dass sie so etwas mitbringen.“

Mit 56 Körperscannern , die je nach Quelle zwischen 125.000 Euro und 300.000 Euro kosten, käme auf Bayer 04 eine Rechnung von 7 bis 16,8 Millionen Euro zu – und das wären nur die Sachkosten für Geräte, die alle zwei Wochen wenige Stunden zum Einsatz kämen. Für Vereine mit doppelt so großen Stadien würden doppelt so hohe Summen fällig. Dass diese Beträge von den Vereinen geschultert würden, ist unrealistisch. Kann Holzhäuser diesen Vorschlag wirklich ernst gemeint haben?

 
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Körperscanner: Herr Holzhäuser, sind Ihre Taschen so tief?"

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  • das ist doch ganz einfach: wenn jemand einen Bengalo zündet wird er per Videoüberwachung beim verlassen des Blocks rausgefischt und verliert seine Jahreskarte. Dann ist das Thema nach zwei Samstagnachmittagen erledigt.

  • Das Stadiondach hat weder Bayer gezahlt, noch sind die hier angesetzten Zahlen realistisch.

  • Vielleicht steigt der Konzern demnächst in das Geschäft mit Ganzkörperscanner ein, wer weiß ...

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