Kohlestiftung
Außenseiter Merz

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Das Gerangel um die Leitung der geplanten Kohlestiftung nimmt allmählich absurde Züge an. Fast täglich tauchen neue Namen auf. Doch keiner der bisher ins Spiel gebrachten Topmanager will den Job machen. Das Salär ist vergleichsweise bescheiden, das Arbeitsplatzrisiko hoch und der Gestaltungsspielraum gering. Die Politik hat sich einen Bärendienst erwiesen, als sie RAG-Chef Werner Müller endgültig als Stiftungschef verhinderte. Es ist eine Sache, den gewiss nicht unumstrittenen Kandidaten, der sich schon als neuer Ruhrbaron neben der Legende Berthold Beitz sah, über Wochen regelrecht zu demontieren. Eine andere Sache ist es, anschließend keine personelle Alternative bieten zu können. Siemens lässt grüßen. Auch dort wurde ein Konzernlenker vom Aufsichtsrat vorzeitig kalt gestellt, ohne dass die Nachfolge geregelt war. Die Folge war eine schwere Führungskrise bei Europas führendem Technologiekonzern.

Es ist nachvollziehbar, dass führende Unionspolitiker wie NRW-Ministerpräsident Rüttgers und Bundeswirtschaftsminister Glos den SPD-nahen Manager und Ex-Politiker Müller als Stiftungschef nicht wollten. Mit dem Milliardenerlös aus dem Börsengang hätte Müller aus dem Vollen schöpfen und kräftig Stimmung machen können. Wie schon einmal, bei der letzten Wahl in NRW, als er öffentlich mit dem damaligen Ministerpräsidenten Steinbrück (SPD) sympathisierte. Diese Gefahr besteht bei Friedrich Merz gewiss nicht. Aber ist der kantige Neoliberale damit gleich die Idealbesetzung für die Kohlestiftung? Für ihn sprechen Durchsetzungsvermögen, juristischen Kenntnisse und sein Parteibuch. Gegen ihn sprechen sein angespanntes Verhältnis zur Kanzlerin und zu Rüttgers. Auch der Umstand, dass ausgerechnet Müller Merz vorgeschlagen haben soll, macht ihn zum Außenseiter.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport

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