Kommentar
Ab an den Galgen

Dem Großteil der Staatsanwälte und Richter am Nil ist jedes Mittel recht, um die Post-Mursi-Staatsgewalt gegen die Muslimbruderschaft durchzusetzen. Doch auch die Täter haben ein Recht auf einen fairen Prozess.
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Kurzer Prozess und alle ab an den Galgen – noch ist das bizarre Massenurteil von Minia nicht rechtskräftig, und vielleicht wird es das auch nie werden. Trotzdem offenbart es eine Mentalität und Gesinnung in Ägyptens Rechtsbranche, die immer mehr um sich greift und längst einen Tiefpunkt in der nationalen Justizgeschichte markiert.

Dem Großteil der Staatsanwälte und Richter am Nil ist mittlerweile jedes Mittel recht, wenn es gilt, die Post-Mursi-Staatsgewalt von Armee und Polizei gegen Muslimbruderschaft und sämtliche Andersdenkende durchzusetzen.

Nicht nur in Minia, auch in Kairo oder Alexandria sind die meisten Prozesse zu absurden Spektakeln degeneriert, die das internationale Ansehen Ägyptens ruinieren und bei der Bevölkerung Angst, Willkür und Ohnmacht verbreiten.

Dabei steht außer Zweifel, dass die Totschläger und Brandstifter von Minia zur Verantwortung gezogen gehören. Die islamistischen Ausschreitungen in der ärmsten Provinz Ägyptens gehörten zu den übelsten zivilisatorischen Tabubrüchen, die das Land am Nil im letzten August erlitten hat. Doch auch diese Täter haben ein Recht auf einen fairen Prozess – und nicht nur auf einen Fußtritt in Richtung Henker.

Martin  Gehlen
Martin  Gehlen
/ Freier Journalist

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