Kommentar
Abwärts mit der Mitte

Die Krise des Handelsriesen Karstadt-Quelle hat viele Ursachen. Die Flaute der deutschen Binnenkonjunktur hat ebenso zum Niedergang des Essener Konzerns beigetragen wie gesellschaftliche Veränderungen.

Die Krise des Handelsriesen Karstadt-Quelle hat viele Ursachen. Die Flaute der deutschen Binnenkonjunktur hat ebenso zum Niedergang des Essener Konzerns beigetragen wie gesellschaftliche Veränderungen.

Die Kaufhäuser teilen mit vielen Fachhändlern das Schicksal, in der Mitte des Marktes angesiedelt zu sein. Und dort ist es momentan besonders unbequem: Luxus auf der einen und Discount auf der anderen Seite laufen gut, doch mit der Kaufkraftschwäche des unteren Mittelstands schrumpft die Kundschaft für die mittleren Preislagen.

Die traditionellen Kaufhäuser leiden deshalb seit Jahren besonders stark unter dem stagnierenden Konsum. Aber neben die gesellschaftliche Entwicklung tritt ein zweiter Faktor: Das Geschäftsmodell „Alles unter einem Dach“ ist überholt, ein überzeugendes Konzept für das Warenhaus der Zukunft fehlt.

Das Umfeld ist also ungünstig genug für ein Unternehmen mit den Hauptvertriebskanälen Karstadt, Quelle und Neckermann. Doch das Unternehmen ist auch ein Lehrstück für schlechtes Management und mangelnde Kontrolle. Darum greift zu kurz, wer die Probleme von Karstadt allein mit der allgemeinen Krise erklärt.

Hinzu kommt, dass es die Konzernführung allzu lange versäumt hat, neue Märkte zu erschließen. Während Konkurrent Metro ins Ausland auswich und erfolgreiche Billigketten aufbaute, verzettelte sich Karstadt- Quelle mit Randgeschäften wie der Kaffeekette Starbucks und dem Sportsender DSF.

Doch der größte Managementfehler ist, dass die Fusion von Karstadt und Quelle 1999 nie zu einer gemeinsamen Strategie und Identität geführt hat. Der Vorstand war dafür zu schwach, und der Aufsichtsrat versagte als Kontrolleur auf ganzer Linie. Die Einzelteile des Konzerns arbeiteten weiter nebeneinanderher.

Nun steht eine Radikalkur an. Es darf nicht beim Gesundschrumpfen bleiben, der Vorstand muss eine überzeugende Strategie vorlegen. Vielleicht kann das Modell „Kaufhaus“ gerettet werden. Verlierer sind aber schon jetzt Tausende Beschäftigte, die gehen müssen. Und einige mittelgroße Städte müssen befürchten, dass nach der Schließung von Kaufhäusern ihre Einkaufsstraßen veröden.

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