Kommentar
Ackermann auf Deutschlandtour

Die Deutsche Bank hat offenbar Deutschland wieder für sich entdeckt. Zuerst kauft das eigentlich von ihren Londoner Investmentbankern dominierte Institut die Berliner Bank, jetzt die Norisbank. Auch wenn der Gesamtpreis für beide Akquisitionen von 1,1 Mrd. Euro für den von der Krise 2003 wieder genesenen Weltkonzern keinen Kraftakt darstellt - allein im ersten Halbjahr wurden immerhin fast drei Mrd. Euro verdient - sind beide Zukäufe keine Schnäppchen. Je Norisbankkunde legte Ackermann immerhin rund 1300 Euro hin, bei der Berliner Bank waren es sogar 2100 Euro. Zum Vergleich: Als die Commerzbank-Tochter Comdirect zuletzt ein Kundenportfolio von American Express kaufte, legte sie rund 300 Euro je Kunden hin. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt, er illustriert: Im deutschen Filialbankenmarkt werden derzeit "Apothekenpreise" gezahlt, weil es weitaus mehr Nachfrage als Angebot gibt.

Die Botschaft ist offensichtlich. Ackermann lässt seinem seit langem gepflegten Credo, dass Deutschland für den Branchenprimus mehr ist als nur der Ort an dem das Hauptquartier steht, endlich Taten folgen. Dafür gibt es auch andere Anzeichen.

Der Einstieg beim der Deutschen Börse mit einem symbolischen Anteil von einem Prozent zum Beispiel. Oder auch der jüngste öffentlichkeitswirksame Auftritt des Schweizer mit der designierten Chefin der staatlichen KfW Bankengruppe Ingrid Matthäus-Maier, in dem Rolle der Bank für den Mittelstand hervorgehoben werden sollte. Die Signale sind unmissverständlich. In Richtung Politik lautet die Botschaft: Deutschland ist uns wichtig. Und für die Branche muss vernehmen, dass die "neue Deutsche Bank" den Heimatmarkt nicht der Commerzbank und schon gar nicht der aus Italien gesteuerten Hypo-Vereinsbank überlassen. Beide müssen sich warm anziehen.

Jetzt allerdings davon auszugehen, die Deutsche Bank werde oder wolle in Zukunft den Löwenanteil ihres Gewinns in der Bundesrepublik machen, wäre verfehlt. Dafür ist das Investmentbanking, das zuletzt 75 Prozent zum Ergebnis beisteuerte zu profitabel und die Manager dort zu mächtig.

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