Kommentar: Ackermanns schwieriges Erbe

Kommentar
Ackermanns schwieriges Erbe

Josef Ackermann hat seine letzte Bilanz als Chef der Deutschen Bank vorgelegt. Sie fällt bestenfalls befriedigend aus. Dennoch treten seine Nachfolger ein schweres Erbe an. Vor allem Anshu Jain muss viele Probleme lösen.
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Heute wird im Hermann-Josef-Abs-Saal in der Frankfurter City ein neues Kapitel in der Geschichte der Deutschen Bank aufgeschlagen - und dieses Mal geht es um alles oder nichts. Denn in den nächsten Jahren muss sich zeigen, ob der heimische Branchenprimus auch international in der Champions League der Großbanken mitspielt.

Vorstandschef Josef Ackermann  präsentiert zum letzten Mal die Bilanz - sie ist nur befriedigend, aber keinesfalls goldgerändert. Zehn Milliarden Euro wollte er für 2011 vor Steuern abliefern, jetzt sind es nur magere 5,4 Milliarden geworden. Das ist enttäuschend und weit weniger, als die Analysten gedacht hatten. Aber was ist schon eine Zielverfehlung um mehrere Milliarden Euro, wenn man das Schicksal der früheren Wettbewerber anschaut.

Die Commerzbank muss vom Staat gestützt werden, die Dresdner ist verschwunden und die HVB wurde nach Italien verkauft. Vor zehn Jahren, zum Amtsantritt des Schweizers, war sogar die WestLB noch ein Konkurrent - heute ist sie zerlegt und dem Untergang geweiht.

Ackermann hat die Deutsche Bank durch die schlimmste Finanzkrise seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gesteuert - deswegen ist es kein Wunder, wenn er ein schwieriges Erbe  hinterlässt: Das Band zwischen der Politik und den Banken ist zerrissen - das zeigte sich zuletzt bei der Bankenabgabe und der Transaktionssteuer.  

Die Aufseher legen die Messlatte für die Kapitalanforderungen immer höher, gleichzeitig droht weltweit ein Wirtschaftsabschwung. Außerdem holt das Privatkundengeschäft zwar dank der Postbank auf, aber es kann noch nicht den Absturz des Investmentbankings kompensieren.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen müssen nun als neue Doppelspitze in dieser  bankenrenditefeindlichen Umwelt dafür sorgen, dass  der Konzern überlebt. Und sie müssen eine neue Vision vorgeben. Die wurde schon jüngst in Davos formuliert: Weltweit wird vielleicht nur eine Hand voll Banken mit globaler Reichweite das Inferno  überleben - und die Deutsche Bank will dazu gehören.

Damit nicht genug: Jain muss noch eine zweite Aufgabe meistern, eine, die mit Zahlen weniger zu tun hat. Er muss die Spitzenpolitiker, Industriekapitäne und Meinungsmacher davon überzeugen, dass er es ernst meint mit seinem Bekenntnis zu Deutschland. Dabei sollten die Kritiker fair bleiben und nicht in Deutschtümelei verfallen:  Der gebürtige Inder, der die prägendsten Jahre seines Lebens in New York und London verbracht hat, muss nicht unsere Sprache beherrschen.

Wenn er die Endscheider und Kunden auf Englisch überzeugt - auch gut, Hauptsache die Zwillingstürme in Frankfurt bleiben trotz des Bebens an den Märkten stehen.

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  • Joe Ackermannn hat trotzdem über seine zurückliegende Zeit in der Deutschen hervorragende Arbeit geleistet. Die Verfehlung der 10 Milliarden Marke kann Ihm in keinster Weise angelastet werden. Ich verstehe wirklich nicht das immer noch vorherrschende Bild de Bad-Mans in Deutschland.
    Nochmals herzlichen Glückwunsch für die hervorrragende Arbeit an Joe.
    mfg
    Franz Heigel

  • Selbstverständlich muß Herr Jain die Deutsche Sprache lernen. Das hat nichts mit Deutschtümelei zu tun, die mir ausgesprochen fern liegt, sondern einfach mit Gleichbehandlung. Ständig wird gefordert, dass Menschen mit "Migrationshintergrund" zunächst mal unsere Sprache lernen sollen. Dann sollte dies auch für Herrn Jain gelten, egal auf welcher Position er hier bei uns arbeitet.

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