Kommentar

Alles auf Merkel

Die rot-rot-grüne Regierung in Thüringen hat die CDU aufgeschreckt. Aus Angst vor dem Machtverlust eröffnet die Union schon jetzt den Bundestagswahlkampf – und macht sich dafür völlig abhängig von ihrer Spitzenfrau. 
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Stefan Kaufmann ist Politikredakteur bei Handelsblatt Online.

Stefan Kaufmann ist Politikredakteur bei Handelsblatt Online.

KölnWer folgt 2017 auf Angela Merkel als Kanzlerkandidatin der CDU? Ursula von der Leyen oder Thomas de Maizière? Die Antwort lautet höchstwahrscheinlich: Angela Merkel. Die CDU hat auf ihrem Parteitag in Köln den Bundestagswahlkampf eröffnet und Merkel soll sie führen. Ist das eine gute Nachricht für die CDU? Ja und Nein.

Ja, weil der Partei ihr Erfolgsgarant erhalten bleibt. Nein, weil die Partei den Zeitpunkt für eine Erneuerung zu verpassen droht.

Mit überragender Mehrheit haben die Delegierten Merkel als CDU-Vorsitzende bestätigt. Und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, voll des Lobes für die Kanzlerin, sagt auf der Bühne, wie sehr er sich auf den nächsten Bundestagswahlkampf mit Merkel freue. Die große Koalition ist gerade einmal ein Jahr alt – doch die CDU fokussiert sich schon auf das Wahljahr 2017.

Der Grund ist in Erfurt zu suchen. Die „Tragödie von Thüringen“, wie die CDU das Regierungsbündnis von Linkspartei, SPD und Grünen nennt, schreckt die Christdemokraten auf. Plötzlich ist Rot-Rot-Grün politische Realität und nicht mehr nur rechnerisch eine Alternative zu einer Union-geführten Koalition. Gegen das Linksbündnis hilft nur eine starke CDU, sagt Merkel in Köln. Was mitschwingt: Für eine starke CDU braucht ihr mich.

Und sie hat Recht. Die große Koalition hat den Mindestlohn beschlossen, die Rente mit 63 eingeführt – und die SPD-Minister wie Parteichef Sigmar Gabriel dadurch gut aussehen lassen. Dennoch sind die Zustimmungswerte der Sozialdemokraten bei rund 25 Prozent zementiert, der Abstand auf die Merkel-CDU ist unverändert hoch. Für die SPD dürfte es eine Horrorvorstellung sein, bei der Wahl 2017 ein weiteres Mal gegen Merkel anzutreten.

Das Problem: Der Erfolg könnte für die CDU teuer erkauft sein. Denn je länger Merkel die Partei dominiert, je mächtiger sie als Kanzlerin agiert, desto schwieriger wird es, die Nachfolger aufzubauen. Auch die inhaltliche Auseinandersetzung leidet, wenn stets die gleichen Männer und Frauen das Sagen haben. Auch dafür steht der konfliktarme Parteitag in Köln. Um sich klar zu machen, wie sehr eine Partei an den Folgen einer Endlosführung leiden kann, muss Merkel nur an ihren Mentor denken: Altkanzler Helmut Kohl.

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7 Kommentare zu "Kommentar: Alles auf Merkel"

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  • frau merkel ist die teuerste und umverteilungsstärkste kanzlerin deutschlands: 3% mehrwertsteuererhöhung ca. 60 Mrd. €, Energiewende ca 30 Mrd. € kalte progression nach schätzung der welt 55 Mrd. €.gleichzeitig verfall der Infrastruktur und investitionen.
    erkläre mir jemand warum frau dr. agiprop M. so beliebt ist

  • Sie macht den gleichen Fehler wie Kohl:
    Sie hat alle auch nur annähernd für einen weiteren Wahlsieg erfolgversprechende mögliche Nachfolger weggebissen, verärgert, wegintrigiert und/oder aus der Partei geekelt und umgibt sich stattdessen nur noch mit linken Ja-Sagern, willigen Hofnarren und gewohnheitsmäßigen Kopfnickern.
    Mit der AfD hat sie bereits jetzt den einzigen möglichen Koalitionspartner und Mehrheitsbeschaffer nach dem Ende der FDP ausgeschlossen.
    Das wird sich rächen! Nicht nur für die CDU, DAS wäre nicht so tragisch... Aber für das ganze Land!

  • Hochmut kommt vor dem Fall.
    Explodierende Strompreise wegen Trittins "Energiewende", immer mehr teure und bevormundende "Klima"bürokratie, exponentiell steigende Armutszuwanderung in unsere Sozialsysteme, die angestrebten "Vereinigten Staaten von Europa", ESM, Schuldenunion, TTIP, Enteignung der Sparer durch Nullzinsen und drohende Inflation - dies sind alles sehr konkrete Zeitbomben.
    Frau Merkels Selbstzufriedenheit wird schneller enden, als sie denkt.
    DieTatsache, daß der mäßig begabte Parteifunktionär Gabriel kein überzeugender Gegner ist, braucht Frau Merkel nicht in Sicherheit zu wiegen.

  • @C. Falk: Ein Merkmal von Despoten - sie lassen keinen Nachwuchs zu, weil dieser mit Fachwissen konkurrieren könnte. Es geht Merkel eben nicht um den Mehrwert für die Regierten, sondern um Machterhalt, auf Kosten aller anderen Mitmenschen.

  • Im Grunde ist Merkel jetzt nicht anderes als Kohl im Endstadium: Verbohrt, engstirnig, überheblich, dekadent, abgehoben, von Lobbyisten korrumpiert, weltfremd.

  • Da habe ich inhaltlich ja gerade fast identisch kommentiert im Artikel http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/cdu-parteitag-in-koeln-die-angela-merkel-show/v_detail_tab_comments/11095862.html?ajaxelementid=%23hcf-add-comment-id&pageNumber=0
    Von einem etablierten Medium wie dem Handelsblatt wurde ich mir dann auch noch den konsequenten nächsten Schritt wünschen. Das wäre das Eintreten für eine Änderung des deutschen Wahlrechts, die *unendliche* Kanzlerschaften verhindert, wie es in den allermeisten entwickelten Demokratien Gesetz ist:
    Maximal zwei Mal in Folge im mächtigsten Amt des Staates.

  • Wenn sich Frau Merkel nur einen Fehler erlaubt, etwa wie Helmut Kohl am Ende seiner pol. Laufbahn oder wenn die ökonomische Entwicklung in Deutschland eine bedeutende Delle erleidet, ist die Union am Ende.

    Warum ? Nach Merkel herrscht in der Union gähnende Leere
    und "gähnend" kann hier durchaus im doppelten Wortsinn genommen werden.

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