Kommentar: Altersteilzeit
Theaterdonner

Eine sachliche Lösung scheint unwahrscheinlich in den Gesprächen über die neue Altersteilzeit in der Metallindustrie. Die IG Metall will vor der nächsten Lohnrunde Stärke zeigen. Doch der Gewerkschaft droht ein Problem.
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Die Gespräche über eine neue Altersteilzeit in der Metallindustrie sind inzwischen derart mit Erwartungen befrachtet, dass eine sachliche Lösung immer schwerer fällt. Es geht dabei längst nicht mehr nur um das ohnehin fragwürdige Argument der IG Metall, ein vorzeitiger Ausstieg der Älteren sei nötig, um Arbeitsplätze für Jüngere frei zu machen.

Die bevorstehende Lohnrunde wirft längst ihre Schatten voraus. Offensichtlich will die IG Metall vorsorglich Stärke zeigen. Die Erklärung drängt sich auf, nachdem sie im Frühjahr vorzeitig die Tarifverträge zur Altersteilzeit gekündigt und erstaunlich früh zu Warnstreiks aufgerufen hat - bei einem Thema, dessen Komplexität die von Lohnverhandlungen weit übersteigt. Das Platzen der jüngsten Gespräche im Südwesten fügt sich da ins Bild.

Tatsächlich droht der IG Metall in der Lohnpolitik ein Problem: Mit dem Tarifabschluss des vergangenen Jahres hat sie den Metallern für 2008 bisher nur eine moderate Erhöhung um 1,7 Prozent verschafft. Damit liegt sie weit hinter den hohen Lohnzahlen etwa des öffentlichen Dienstes zurück. Bis aber im Herbst die neue Lohnrunde startet, könnte sich das Konjunkturbild derart eintrüben, dass Nachschläge nicht mehr vermittelbar sein werden.

Das Problem ist freilich: Auch wenn die IG Metall ein Überdruckventil benötigen sollte, die Altersteilzeit taugt nicht dafür. Wie es besser geht, haben im April die Chemie-Tarifparteien mit ihrem neuen Demografie-Pakt gezeigt: Sie haben auf einen pauschalen individuellen Anspruch auf vorzeitigen Ruhestand verzichtet und ein umfassendes Paket geschnürt, das Antworten auf Herausforderungen durch älter werdende Belegschaften gibt. So ein Ansatz ist zukunftsweisend - er funktioniert aber nur ohne den Theaterdonner eines Tarifkrachs.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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