Kommentar Altmaier muss Lösungsvorschläge liefern

Bundesumweltminister Peter Altmaier hat mit gebotener Ehrlichkeit auf die Konstruktionsfehler des aktuellen Energiewendekonzepts hingewiesen. Doch in Zukunft wird er selbst einen besseren Fahrplan entwickeln müssen.
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Klaus Stratmann ist stellvertretender Leiter des Parlamentsbüros. Quelle: Pablo Castagnola

Klaus Stratmann ist stellvertretender Leiter des Parlamentsbüros.

(Foto: Pablo Castagnola)

Peter Altmaier hat es nicht leicht. Der Bundesumweltminister ist seit ein paar Wochen für wesentliche Bausteine der Energiewende zuständig und musste schnell erkennen, dass vieles nicht zusammenpasst und manche Ziele schlicht illusorisch sind. Altmaier tut nun das, was jeder Manager und jeder Politiker tun muss, der ein neues Spitzenamt übernimmt und viele unerledigte Aufgaben vorfindet: Er rechnet sich arm und weist auf die Probleme hin, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hat. Seine Analyse ist schonungslos und in vielerlei Hinsicht zutreffend.

Doch damit ist es nicht getan. Der CDU-Politiker muss einen neuen Kurs einschlagen. Bislang ist dieser neue Kurs nicht klar zu erkennen. Das muss sich schnell ändern. Wer heute die Eckpunkte der vor gut einem Jahr beschlossenen Energiewende liest, bemerkt schnell: Hier wurden sehr ehrgeizige Ziele formuliert, der Weg zur Zielerreichung dagegen wird nur angedeutet.

Viele Akteure der betroffenen Branchen sind mittlerweile ratlos. Sie sollen handeln und milliardenschwere Investitionen tätigen, doch die Rahmenbedingungen sind unklar. Ein Beispiel aus der Praxis: Integraler Bestandteil des Regierungskonzeptes für die Energiewende sind Gaskraftwerke.

Sie sind optimal geeignet, um immer dann einzuspringen, wenn die erneuerbaren Energien kurzfristig ausfallen, weil der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint. Wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter schnell voranschreitet und die Atomkraftwerke wie von der Bundesregierung geplant schrittweise vom Netz gehen, müssen neue Gaskraftwerke her.

Doch für potenzielle Investoren fehlt im Moment der Anreiz, diese neuen Gaskraftwerke zu bauen. Selbst bestehende Gaskraftwerke werden vom Netz genommen, weil sich ihr Betrieb nicht mehr lohnt. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die erneuerbaren Energien genießen Einspeisevorrang: Erst wird der Strom, den Windräder, Photovoltaikanlagen oder Biomasse-Kraftwerke produzieren, in die Netze geleitet.

Konventionelle Kraftwerke füllen die Lücken, die übrig bleiben. Da der Anteil der Erneuerbaren stark steigt, kommen die konventionellen Kraftwerke immer seltener zum Einsatz. Es lohnt sich aber nicht, ein Kraftwerk zu bauen, das jährlich nur wenige Hundert Stunden im Einsatz ist. Wie lässt sich der Bau von Gaskraftwerken anreizen, ohne den Ausbau der erneuerbaren Energien zu gefährden?

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7 Kommentare zu "Kommentar: Altmaier muss Lösungsvorschläge liefern"

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  • Wo nichts ist, da läßt sich auch nichts finden.

    Suchet se doch oimol inne ihre oigene Pardei, hanoi des muss ma doch noch sage dürfet oder?

  • Altmaier ist wohltuend ehrlich in diesem Becken voller Lügenhechte. Er weiss, dass Deutschland mehr als ein Jahr in die Irre gelaufen ist. Er weiss, dass unter den hyste-rischen Vorgaben der Energiewende viel kostbare Zeit verstrichen ist. Ohne eine ehrliche Bestandsaufnahme gibt es keine Lösung. Dass es die Lösung jetzt vor den Wahlen nicht gibt, ist nun wahrhaftig nicht die Schuld von Alt-maier. Energiewirtschaft ist eine Leistung von Jahrzehnte für Jahrzehnte. Wenn das panische Herumfuhrwerken seit Oktober 2010 mit 2 Rundumschwenks in nur 6 Monaten jetzt mal ein Ende nimmt, wäre ich es doch schon zufrieden. Die Energiewirtschaft und die Verbraucher brauchen eine klare Linie. Und es schaut danach aus, dass sich jetzt überhaupt mal jemand findet, der in der Lage ist, die zu liefern, nach all dem Grauen der letzten 18 Monate.

  • Altmaier muss Lösungsvorschläge liefern"

    So war das von Mutti nicht gedacht. Roettgen hatte ihr die Energiewende abgetrotzt und sie in der NRW-Wahl geärgert. Dies hat sie mit seinem "Rausschmiss" korrigiert und Altmaier macht nichts anderes als zu ihrer Politik zurückzukehren.

    Mir scheint das ganze Kasperletheater, bis zur Besetzung des Umweltministeriums mit Altmaier, Atomlobby getrieben. Ein ernsthaftes Umdenken war bei Merkel jedenfalls nie vorhanden. Sie hätte den Posten nie unfähiger besetzen können als mit der Person Altmaier.

    Altmaier geht es ausschließlich um die Pension und nicht um die Aufgabe, von der er ohnehin keine Ahnung hatte und hat. Das hatte er offen gesagt und die Kanzlerin hat ihn wissentlich mit dieser Unfähigkeit mit dem Posten belohnt.

    Auch das hat sie gemacht und keine BILD-Zeitung hat sich darüber aufgeregt.

  • „Niemand will die Energiewende insgesamt infrage stellen“ – wirklich?

    Zur Erinnerung: Die Energiewende basiert auf einer schlecht geschlafenen Nacht von Frau Merkel nach Fukushima und den Empfehlungen der sogenannten Ethik-Kommission, in der Vertreter mit relevanter technischer Kompetenz offensichtlich unerwünscht waren. Seitdem werden wir mit tollen Konzepten überschüttet, von Offhore-Windparks bis zu Elektroauto-Flotten, denen eins gemeinsam ist: Sie sind unbrauchbar, weil technisch nicht beherrschbar, ineffizient und/oder extrem teuer. Nun, da klar wird, dass es mit dem Herumdrehen an statistischen Schräubchen nicht getan ist, ist die Verwirrung groß. Aus technischer Sicht – und das ist in diesem Fall das Hauptkriterium – ist das ganze Unternehmen an Dilettantismus nicht zu überbieten. Genau so gut hätte man beschließen können, die Sonne im Westen aufgehen zu lassen. Solange eine Technik zur effizienten und massenhaften Speicherung und Übertragung elektrischer Energie fehlt, ist das Ganze Makulatur. Hierfür zig Milliarden an Steuergeldern und Gebühren einzufordern, setzt diesem verantwortungslosen Blödsinn die Krone auf.

    Dass nun schon ernst zu nehmende Warnungen vor Stromausfällen auftauchen, sollte bei jedem von uns die Alarmglocken schrillen lassen. So ein Ereignis, z.B. im Winter bei -10 Grad könnte sich in unserer heutigen Welt zu einer epochalen Katastrophe auswachsen. Dagegen erschiene Fukushima (keine Tote, wenige Verletzte) wie ein kleiner Betriebunfall.

    Richtig ist, dass unsere Energieversorgung auf neue Grundlagen gestellt werden muss. Dazu gehört jedoch zunächst einmal eine objektive Analyse vorhandener Technologien, deren Risken und Potentiale. Auf dieser Basis kann man dann geeignete Konzepte entwickeln und ohne haarsträubende Risiken umsetzen. Dies ist ein übliches und erprobtes Vorgehen in der Industrie – warum kann die Politik so etwas nicht?

  • Die merkelsche Planwirtschaft hat sich verplant. Welch ein Wunder, bedenkt man doch, wie "gut" die Planwirtschaft in der DDR funktioniert hat.

  • Es gerht nicht einfach nur um Geld. Die neuen Energieerzeugungsarten sind zu ineffizient, sie erzeugen nicht genug Energie und die Energiegewinnung ist schlicht zu teuer. Desweiteren rechnet sicht der Einsatz neuer Gastkraftwerke als Lückenbüßer kaum.
    Das Ergebnis ist eine Katastrophe: Strom wird für die Bürger teurer und auch die Industrie wird den erhöhten Preis auf ihre erzeugten Güter umschlagen müssen.
    Da wegen der eingschränkten Speicherbarkeit von Energie und der unzureichenden Erzeugung speziell in Spitzenzeiten die Lieferbarkeit nicht garantiert werden kann gehört das Ganze auf den Prüfstand und noch ehrlichere Worte: die "Energiewende" ist mit den heute möglich Technologien schlicht auszuschließen, das Projekt ist in dieser Form gescheitert. Kein noch so geniales "Konzept" wird die Widersprüche ohne Rolle rückwärts auflösen können.

  • Er wird sich wohl bis zur Wahl durchwursteln müssen. Denn er kann ja auch nicht sagen, dass die Entscheidung seiner Kanzlerin falsch war. Weil einfach zu teuer!

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