Kommentar
Altmaiers Fantasie-Zahlen schüren Angst

Der Umweltminister beziffert die Kosten der Energiewende mit einer Billion Euro bis 2040. Diese Zahl ist aus der Luft gegriffen. Die Angst der Bürger wird sie trotzdem vergrößern und von dem eigentlichen Problem ablenken.
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Mehr als eine Billion Euro könnte die Energiewende bis Ende der 30er Jahre kosten, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Unser Umweltminister ist offenbar ein Meister der Zahlen. Er schafft es, den Investitionsbedarf des Umbaus der Energieversorgung eines Industrielandes zu beziffern, der einzigartig in der Geschichte der Welt ist – und dann auch noch über die nächsten 30 Jahre. Solch ein Kunststück trauen sich nicht einmal Unternehmen, deren Kostenkalkulation weit weniger komplex sein dürfte als die für den Umbau der Stromversorgung der größten Industrienation Europas.

Die Intention des Umweltministers dahinter ist klar – er will für seine „Strompreisbremse“ trommeln. Mit solchen Fantasie-Zahlen macht er den Bürgern, die sich gerade einmal von der Erhöhung der EEG-Umlage erholt haben, wieder Angst. Was kommt da noch alles auf uns zu, werden sich viele fragen. Doch der Umweltminister hat ja bereits eine Lösung: Einfach die Vergütung für die erneuerbaren Energien kappen.

Der Vorschlag von Altmaier ist so populistisch wie durchschaubar. Er will damit auf Stimmenfang für die anstehende Bundestagswahl gehen und sich als Kostenbremser profilieren. Er beruhigt damit vielleicht die Gemüter all jener, die Angst haben, dass sie ihren Strom bald nicht mehr bezahlen können. Doch was die Energiewende wirklich braucht, ist eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Die Anschubfinanzierung war erfolgreich, es wurden so viele Solaranlagen gebaut, dass die erhoffte Lernkurve beschritten wurde. Heute kosten Solarmodule nur ein Bruchteil dessen, was sie noch vor zehn Jahren gekostet haben, auch im Bereich der Windparks gibt es bereits Fortschritte in der Technik.

Doch der Ausbau von Wind- und Solarkraft erfolgte nicht danach, was künftig für einen sicheren Energiemix gebraucht wird. Das wäre an sich noch nicht schlimm, jedoch hinkt der Ausbau der Speichertechnologien hinterher. Den Strom ins Ausland oder in andere Regionen zu transportieren ist ebenfalls knifflig, denn die Netze sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausreichend aufgerüstet.

Und so haben wir heute oft den Fall, dass zu bestimmten Zeiten Strom produziert wird, den niemand nutzen will. Das ist das eigentliche Problem mit dem derzeitigen Gesetz zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Anlagenbetreiber müssen sich nicht darum scheren, ob ihr Strom auch benötigt wird – er wird ihnen im jeden Fall abgekauft.

Das muss sich ändern. Es muss Anreize geben, damit sich Anlagenbetreiber auch Gedanken darum machen, was mit ihrem Strom geschieht. Doch jetzt aus dem EEG ein Flickwerk zu machen, indem man die garantierte Vergütung einfach einfriert, wie es Altmaier vorschlägt, ist falsch. Sein populistischer Vorstoß wird seiner CDU bestimmt ein paar mehr Stimmen bringen. Die Unsicherheit unter den Investoren und Anlagenbetreibern wird er jedoch massiv erhöhen.   

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Das EEG ist mit Abstand das unsozialste Gesetz, das je erschafen wurde - eine Umverteilung von unten nach oben mit gigantischen Ausmaßen. Deswegen gehört das EEG ganz einfach abgeschafft.
    Und warum soll beim EEG Unrecht sein, was beim Abschalten der Kernkraftwerke per defintionem rechtmäßig war.

  • Das EEG ist mit Abstand das unsozialste Gesetz, das je erschafen wurde - eine Umverteilung von unten nach oben mit gigantischen Ausmaßen. Deswegen gehört das EEG ganz einfach abgeschafft.
    Und warum soll beim EEG Unrecht sein, was beim Abschalten der Kernkraftwerke per defintionem rechtmäßig war.

  • Eine Frage an all die Anti-Erneuerbare-Energien Kommentatoren: glauben Sie denn wirklich ernsthaft, dass die Beendigung der Energiewende die Strompreise stabilisieren wird? Genau das Gegenteil wird passieren!
    Wo sind die Gegenvorschläge, wie wollen Sie verhindern, dass die Verknappung von Öl, Gas und übrigens auch Uran die Erzeugungspreise nach oben treiben wird?
    Warum wehren Sie sich so dagegen, dass die Energieerzeugung immer dezentraler und damit weniger abhängig von einigen wenigen Großkonzernen wird?

    Die Energiewende muss und wird kommen, denn sie ist vor allem eine ökonomische Notwendigkeit.

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