Kommentar Altmaiers Pseudolösung

Der Wahlkampf wirft seine Schatten: Umweltminister Peter Altmaier friert die Ökostrom-Umlage ein. Das freut den Stromkunden, aber berechenbare, glaubwürdige Energiepolitik sieht anders aus. Das schadet am Ende allen.
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Peter Altmaier besucht Windparks in der Nordsee. Quelle: dapd

Peter Altmaier besucht Windparks in der Nordsee.

(Foto: dapd)

Deshalb heißt es „Energiewende“ – weil die deutsche Politik beim Thema Energie eine Wende nach der anderen hinlegt. Planbarkeit: Fehlanzeige. Sicherheit bei Investitionen: ein schöner Traum. Seit Jahren verunsichert die Regierung Unternehmen, die durchaus bereit wären, die Zukunft unserer Energieproduktion umweltgerecht mitzugestalten. Der nächste Streich kam jetzt von Peter Altmaier.

Der Bundesumweltminister will zur Begrenzung der Stromkosten die Ökostrom-Umlage für zwei Jahre auf ihrem heutigen Niveau einfrieren. Dazu sollen die bisherigen Regeln für neue Wind- und Solarparks notfalls beschnitten werden. Altmaier nennt das „Strompreis-Sicherung“ und will die neue Regelung schon zum 1. August in Kraft treten lassen.

Grundsätzlich ist ja richtig, das System der Ökostrom-Umlage zu verändern. Sie hat zu Fehlanreizen geführt, ist miserabel konstruiert und verteuert den Strompreis weit mehr als nötig. Aber so eine Hauruck-Aktion ist Gift für das Image der deutschen Energiewende. Investoren sind ohnehin schon verunsichert, wohin die Reise geht. Solche Großvorhaben ziehen sich über Jahre hin. Unternehmen brauchen eine gewisse Planungssicherheit. Was will die Regierung? Wie werden die Rahmenbedingungen in fünf oder zehn Jahren lauten?

Thorsten Giersch

Thorsten Giersch leitet die Redaktion von Handelsblatt Live.

Je unklarer die Antworten auf solche Fragen sind, desto geringer fallen die dringend notwendigen Investitionen aus. Und mit solchen Entscheidungen unterminiert Altmaier seine eigene Glaubwürdigkeit. Seine Botschaft lautet: Im Zweifel geht es nicht um die Sache, sondern um Wählerstimmen.

Dabei gibt es einen sinnvollen Mittelweg: Viel schlauer wäre es gewesen, die umfangreichen Ausnahmeregelungen bei der Ökostrom-Abgabe auf den Prüfstand zu stellen. Da werden Unternehmen von der Zahlung befreit, die nun wahrlich nicht dazu berechtigt wären. Aber offenbar ist Altmaier dieses Vorgehen nicht wahlkampftauglich genug.

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17 Kommentare zu "Kommentar: Altmaiers Pseudolösung"

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  • "Zeitdauer von ca. 1500 Jahren für den Bau der insgesamt 30 Anlagen dieser Art, damit die Vollversorgung Deutschlands mit „grünem“ Strom möglich wird."

    Das ist ja noch eine relativ überschaubare Zeitspanne im Gegensatz zu den 200.000 Jahren Halbwertzeit für hochgiftigen Atommüll oder gar den 30.000 Jahren Wartezeit bis zum endgültigen Gelingen der Kernfusion ;-)

  • "Das ist grüne Investitionsrechnung, lieber Heinrich Ernst. Die Kosten für den Speicher vergessen, keine Wartung, keine Versicherung der Module, kein Rückbau und Entsorgung der Anlage und kein Zins für die Investitions angesetzt. Ein kaufmännische Grundausbildung hilft da vielleicht. Un dann rechnen Sie vielleicht auch nochmal Ihre Zeit, die in das Projekt und dessen betreuen geht."

    Sorry, aber das klingt ja eher so, als hätte es den AKW-Betreibern an einer kaufmännischen Grundausbildung gemangelt: keine vernünftige Planung der Endlager-Kosten, die Kosten für Rückbau und Wartung über Jahrhunderte nicht einkalkuliert, eine völlig unzureichende Versicherung im Schadenfall etc. pp.

  • Sie (und viele die das behaupten) haben nicht recht, wenn sie schreiben, man müsse nur die Ausnahmen abschaffen und alles wird gut. Die gigantischen Kosten landen sowieso beim Endverbraucher, und die EE-Lobby will das kleinrechnen damit, dass man das hübsch auf die Preise verteilt und unter den Teppich kehrt. Das machen die seit Jahren so.
    Gerade das Handelsblatt sollte den Trick durchschauen.

  • Sie haben recht!
    =============
    Die heute denkbaren Speicher (Strom zu Gas, Gas zu Strom) sind noch nicht entwickelt, abber dank EEG können sie ja mit min. 1€/kWh "gefördert" werden.
    Für die Speicherung von PV eignen sich natürlich "Lithium-Ionen-Akkus", die haben sich ja beim "Boeing 787 nightmareliner" bestens bewährt.

    Und übrigens ist das Speicherproblem für die EE schon gelöst!
    "“Erneuerbare” Speicherprobleme gelöst? Ist der Ringwallspeicher eine neue intelligente Form der Stromspeicherung?"
    ----------------
    "Endlich! So wird Strom aus SONNE und WIND intelligent gespeichert“ so titelte die Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ in seiner Ausgabe 10/2010 auf der ersten Seite.

    Als Ausweg verschiedener unzureichender Speichermöglichkeiten für überschüssigen Wind- und Solarstrom wurde etwas ganz neues vorgestellt, ein Ringwallspeicher – eine Idee von Matthias Popp – die er als Dissertation einreichte [1], die angenommen wurde, so dass er heute mit Dr.-Ing. unterzeichnet."

    "3) Zeitdauer von ca. 1500 Jahren für den Bau der insgesamt 30 Anlagen dieser Art, damit die Vollversorgung Deutschlands mit „grünem“ Strom möglich wird.

    4) Woher soll das erforderliche Wasser kommen?

    5) Wie soll das alles bezahlt werden? Abschätzung zu den Kosten des Stroms: Bei 8% Zins und 20 Jahren Laufzeit folgt die Annuität von 10,2%, also 10 Mrd. EURO pro Jahr. Dieses verteilt auf 5 Mrd. kWh (10 Füllungen des Speichers im Jahr) ergibt Kapitalkosten von 2,- EURO pro gespeicherter kWh Strom, ohne Berücksichtigung von Betriebskosten."

    http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2010/12/01/erneuerbare-speicherprobleme-gelost-ist-der-ringwallspeicher-eine-neue-intelligente-form-der-stromspeicherung/

  • Herr Altmaier hat völlig recht, ist aber noch viel zu zögerlich, denn bei dem weiteren, ungebremsten Ausbau der neuen Energien, wird sich der Strompreis in den nächsten 6-8 Jahren verdoppeln. Diese Zahlen beinhalten jedoch noch nicht die Kosten für die in 4-5 Jahren zwingende Stromspeicherung. Die heute denkbaren Speicher (Strom zu Gas, Gas zu Strom) sind technisch noch völlig in den Kinderschuhen und die ersten Kosten-Kalkulationen ergeben einen Stromerzeugungspreis von über einem Euro! Das sind 20 mal höhere Kosten, als wir heutigen Kraftwerken (Braunkohle, Steinkohle, Kernenergie) produzieren, das ist unbezahlbar. Kein Mensch spricht dieses Zahlen an. Speicher mit Batterien sind noch viel teurer als "Power to Gas" Wir hatten in Deutschland von Anfang November bis Mitte Dezember 2012 praktisch kein Wind- und Sonnenstrom, da wird der Speicherbedarf sichtbar. Der volkswirtschaftlich, unvernünftige, massive, weitere Ausbau der erneuerbaren Energien muß gestoppt werden.

  • Das ist grüne Investitionsrechnung, lieber Heinrich Ernst. Die Kosten für den Speicher vergessen, keine Wartung, keine Versicherung der Module, kein Rückbau und Entsorgung der Anlage und kein Zins für die Investitions angesetzt. Ein kaufmännische Grundausbildung hilft da vielleicht. Un dann rechnen Sie vielleicht auch nochmal Ihre Zeit, die in das Projekt und dessen betreuen geht.

    Wenn Sie sich dann vom Stromnetzt kappen, bin ich zufrieden, wenn nicht dann sollten Sie einen höheren Strompreis zahlen, für die geringere Abnahmemenge. Den Kosten für Netz und Versorgungssicherheit bleiben.

    Die Module auf dem Dach sind m.E. ein Verschandelung von Stadt- und Ortbilder. Einfach nur häßlich. Es gibt einen guten Grund, dass auf dem Kölner Dom keine sind.

    Die Grünen sollten wiedr Socken stricken, aber bitte ohne SEG (Socheneinspeisegesetz)

  • @Pandora0611

    Was bringt den Bürgern eigentlich dieses ständige Gehacke zwischen unseren Einheitsparteien? Legen Sie doch lieber einmal Zahlen vor, wie teuer die Entsorgung und Überwachung des hochgiftigen Atommülls für die nächsten 1000 Jahre noch werden wird.

    Schon vor vielen Jahren haben die Betreiber der AKW-Anlagen hoch und heilig versprochen, die maroden Netze auszubauen und zu investieren. Weil diese jedoch die sprudelnden Gewinne lieber selbst eingesackt haben, sollen die Bürger nun bluten. Ich bin dafür, für den Netzausbau diejenigen zur Kasse zu bitten, die alle Zusagen und Vereinbarungen gebrochen haben - und schon sind die Bürger wieder ein wenig entlastet.

    Hinsichtlich der Speichermöglichkeiten plappern Sie auch einfach nur die veralteten Thesen der Atomlobby nach. Schon einmal von Wasserstoff-Erzeugung und Umwandlung in Gas-Derivate gehört? Nein? Ihre 3% Stromanteil aus Solartechnik sind auch keineswegs stimmig, da gerade um die Mittagszeit zur Haupt-Verbrauchszeit sehr viel Strom verkauft wird.

    An vielen Tagen wird durch Wind und Sonne bereits mehr Strom erzeugt, als jemals vorher durch AKW's. Das ist ein toller Erfolg. Leute wie Sie müssen unbedingt immer alles klein reden - meist aus total eigennützigen Gründen, z.B. wegen den eigenen beruflichen Perspektiven als Atom-Physiker.

    Es sieht ganz danach aus, als wäre Herr Altmaier beauftragt, die Energiewende regelrecht zu verhindern - er ist eindeutig der falsche Mann für diese anspruchsvolle Aufgabe.

    Die Befreiung von der EEG-Umlage für jeden Brötchenbäcker ist es, welche den Strompreis für die Normal-Verbraucher verteuert - da muss umgesteuert werden. Die Investoren zu verunsichern, ist so ziemlich das Blödeste, was dem Projekt "Energiewende" passieren konnte.

    Mit seinem Populismus macht sich Altmaier selbst unglaubwürdig - er will die Energiewende offensichtlich überhaupt nicht. Stattdessen sollen die Gewinne wohl wieder den 4 Oligarchen zugeschanzt werden. Nothing has changed!

  • Ich würde die ganze Energiewende, so ich könnte, zum Teufel schicken. Woher nehmen nur die Ökoclaqeure ihre Rechenkünste her. "Grüner Strom" wird uns unter Einbeziehung aller Fördermittel und Ökosteuern und Milliarden teuren Zusatzinvestitionen noch teurer als bisher abzusehen zu stehen kommen. Warum kann ich als Verbraucher nicht auf dem EU- Markt z.B. billigen tschechischen Strom (auch Atom) einkaufen? Ich denke wir haben einen freien gemeinsamen Markt und sind freie Bürger.
    Wer Ökostrom haben will, soll dann auch der Zahlemann sein!

  • Richtig ist: Strom aus deutschen PV Modulen, Kabeln, und Wechselrichtern ist heute schon billiger als Netzstrom. Kleine Rechnung: 10kWp kosten 15.000EUR mit dt. Technik und liefern in 20 Jahren pi x Daumen 200.000kWh - ergo 7,5ct/kWh - und das OHNE EEG! Dazu von mir aus noch einen kleinen 5kWh Speicher fürs Häuschen (ich habe ein billiges gebrauchtes E-Auto mit neuen 23kWh aus Li) und fertig ist die Laube-zumindest schon einen schönen Schritt weiter. So müßte das mal kommuniziert werden - aber der deutsche Neid-Michel schreit immer nur "teuer, teuer" und zahlt lieber 79Mrd. per anno (Quelle:BMWI) für ausländische Primärenergie: allahu-akbar!

  • Planungssicherheit bei Unternehmen. Schön und gut. Aber an die Verbraucher wird hier scheinbar nicht gedacht. Die Strompreise explodieren. Dem Verbraucher wird regelrecht das Geld aus der Tasche gezogen!

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