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An Gütersloh kommt demnächst niemand mehr vorbei

Mit der Fusion der Buchsparten von Bertelsmann und Penguin entsteht ein ernst zu nehmender Gegenspieler für die E-Book-Riesen Amazon und Apple. Doch der Erfolg des Zusammenschlusses hängt an mehr als schierer Größe.
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DüsseldorfZwei Niederlagen musste Bertelsmann-Chef Thomas Rabe schon einstecken. Der Aufsichtsrat des ostwestfälischen Familienunternehmens verwarf im Spätsommer seine Börsenpläne und vor kurzem scheiterte die geplante Komplettübernahme des Verlagshauses Gruner + Jahr . Nun ist dem 47-Jährigen ein Jahr nach Amtsantritt endlich sein erster großer Coup gelungen. Bertelsmann und Pearson legen ihre Buchgeschäfte zusammen und schaffen damit den weltgrößten Verlag mit einem Umsatz von rund drei Milliarden Euro.

Das Schöne für Rabe: Die Gütersloher werden den neuen Buchgiganten durch die Zusammenlegung von Random House und Penguin Group dominieren. Denn sie haben die Mehrheit bei den Anteilen und somit im Aufsichtsrat. Für Bertelsmann mit seiner 177-jährigen Buchtradition ist diese Transaktion endgültig der Aufstieg in den Bücherolymp. An den Güterslohern kommt künftig niemand mehr im weltweiten Buchbusiness vorbei. Rabe hat mit diesem Zusammenschluss eines seiner strategischen Versprechen erfüllt, nicht nur in neue Wachstumsmärkte wie Indien und China vorstoßen zu wollen, sondern auch die Kerngeschäfte nachhaltig zu stärken und die digitale Transformation voranzutreiben.

Größe ist im Buchmarkt auf dem Weg von analogen zum digitalen Zeitalter wichtig geworden. Bislang konnten Onlinehändler wie Apple mit seinem digitalen Medienkaufhaus iTunes und Amazon mit seinem elektronischen Lesegerät Kindle die Verlage regelrecht in den Schwitzkasten nehmen, wenn es um die Bedingungen für den Handel mit E-Books ging. Diese Zeiten gehen mit dieser Fusion zu Ende. Der Buchkonzern von Bertelsmann mit dem Juniorpartner Pearson hat ein Marktvolumen, das auch Giganten der Unterhaltung und des Handels sehr ernst nehmen müssen. Die neu entstandene Machtbalance nützt nicht nur den beiden Gesellschaftern des neuen Buchriesens, sondern der gesamten Branche.

Für die kulturelle Vielfalt muss die Fusion nicht unbedingt eine Gefahr darstellen, wenn beide Partner an ihrer bisherigen Politik festhalten. Denn Bertelsmann hat seine Buchverlage unter dem Dach von Random House stets dezentral geführt. Das heißt, jeder Verleger macht sein eigenes Programm mit seinen Autoren. Nur bei Verwaltung, Marketing und Vertrieb arbeiteten die Verlage eng zusammen, um Kosten zu senken. In Deutschland können sich die Kulturpessimisten ohnehin entspannt zurücklehnen. Denn Random House Deutschland mit Sitz in München ist mit Labels wie Siedler, DVA, Heyne oder C. Bertelsmann nicht Bestandteil des fusionierten Buchriesens.

In der Bücherwelt bleibt derzeit kein Stein auf den anderen. Das Zeitalter von Johannes Gutenberg geht nach mehr als einem halben Jahrtausend zu Ende. Im Zeitalter des elektronischen Publizierens müssen Verlage Antworten auf viele Fragen finden: Zu was brauchen Autoren noch einen klassischen Buchverlag? Reicht das Herstellen und Vertreiben von Manuskripten als Geschäftsmodell aus? Übernehmen zunehmend die Händler wie Amazon selbst die Rolle des Verlegers? Die von Bertelsmann initiierte Fusion seiner Buchsparte mit Penguin ist nichts anderes als eine Wette, dass im Geschäft mit Inhalten auch in Zukunft niemand um die Verlage herumkommt. Die Wette kann aber nur gewonnen werden, wenn die Kreativität in einem fusionierten Megakonzern nicht unter die Räder kommt. Denn Kreativität ist das Röhol der Branche.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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