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Kommentar: Anachronismus Basel II

Lange hat der Berg gekreißt. Am Ende hat er tatsächlich mehr als eine Maus geboren. Die neuen Regeln aus Basel werden das Risikomanagement stärken und das Bonitätsdenken in Banken und Unternehmen stützen. Aber werden sie tatsächlich, wie EZB-Präsident Trichet voraussagt, das internationale Bankensystem stabilisieren?

Zweifel sind angebracht. Auch das neue Regelwerk verwendet mit der willkürlichen Forderung nach einer Eigenmittelquote von acht Prozent grundsätzlich dasselbe Instrument wie die bereits geltenden Vorschriften aus dem Jahr 1988. Damals stand noch der Schutz der Sparer im Vordergrund, deren Einlagen durch Eigenmittel abgesichert werden sollten. Inzwischen aber sind immer mehr Sparer bereit, Risiken zu tragen. Traditionelle Spareinlagen werden durch Investitionen in Wertpapiere ersetzt. Insofern ist es ein Anachronismus, den Schutz der Sparer mittels Eigenkapitalunterlegung weiter in den Mittelpunkt der Vorschriften zu stellen. Dies gilt umso mehr, als die Krisen in Asien und Argentinien gezeigt haben, dass die damals schon existierenden Eigenkapitalregeln die Verluste innerhalb des jeweiligen Systems in keiner Weise verhindern konnten.

Viel entscheidender als ausgeklügelte Systeme zur Eigenkapitalunterlegung ist jedoch die Fähigkeit der Banken, Gewinne zu machen und Risiken so einzuschätzen, dass sie auch in der Krise noch flüssig bleiben. Dazu bedarf es einer verantwortungsbewussten Unternehmensführung. So etwas lässt sich erreichen, wenn den Marktteilnehmern tiefe Einblicke ins Management gewährt werden. Sie müssen in der Lage sein, die bessere Bank der schlechteren vorzuziehen. Mehr Transparenz müsste deswegen der Hauptansatz heißen – eine Forderung, die wohl Basel III vorbehalten bleibt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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