Kommentar
Angst vor der Gewalt treibt Platinpreis

Nach dem blutigen Streik in einer Platinmine in Südafrika leidet das Image der Mienenbranche. Die Furcht vor weiteren Streiks steigt. Die Spannungen gefährden Unternehmen und das ganze Land.
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Das Blutbad letzte Woche in der Mine des Platinförderers Lonmin hat nicht nur die südafrikanische Öffentlichkeit, sondern auch die internationalen Rohstoffmärkte aufgeschreckt. Die Bilder der von der Polizei erschossenen 34 Bergarbeiter haben dem Image der südafrikanischen Minenbranche, die rund ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt des Landes beisteuert, schweren Schaden zugefügt. Die Sorge, dass sich der illegale Streik bei Lonmin auch auf andere Platinminen und womöglich die Goldbergwerke am Kap ausweiten könnte, hat dem Preis der beiden Edelmetalle Auftrieb verliehen.

Schließlich kommen rund 75 Prozent der weltweiten Platinförderung aus einem kleinen Gebiet westlich von Johannesburg. Geschürt werden die Sorgen noch dadurch, dass Anglo American Platinum (Amplats), eine 80-Prozent-Tochter des Minenhauses Anglo American, zur Wochenmitte von ähnlich drastischen Lohnforderungen berichtete, wie sie letzte Woche zur Eskalation der Lage beim Konkurrenten Lonmin geführt hatten.

Amplats steuert als größter Anbieter rund 45 Prozent zur weltweiten Platinproduktion bei. Die Unruhen treffen die Unternehmen in einer schwierigen Situation. Monatelang lag der Platinpreis mit niedrigen 1400 Dollar pro Unze leicht unter den gegenwärtigen Förderkosten - so dass viele der Produzenten inzwischen rote Zahlen schreiben und eine Reihe unrentabler Schächte schließen mussten.

Ein Überschuss an Platin von rund 500.000 Unzen (in einem Gesamtmarkt von sechs Millionen Unzen pro Jahr) und die anhaltend unsichere Lage in der Autoindustrie, die rund 50 Prozent des Edelmetalls für den Bau von Katalysatoren abnimmt, sind die Hauptgründe für den langen Preisverfall und den massiven Einbruch der Aktienkurse in der Branche.

Schon wegen dieses Überhangs dürfte sich der Anstieg des Platinpreises zunächst in Grenzen halten. Lonmin hat in den letzten Tagen durch die Schließung seiner Mine rund 25.000 Unzen verloren, also kaum mehr als fünf Prozent der gegenwärtigen Überproduktion am Markt.

Und wenig deutet trotz der anhaltenden Spannungen derzeit darauf hin, dass die Lage in den südafrikanischen Minen komplett aus dem Ruder läuft. Nach Angaben der Bergbaukammer in Johannesburg arbeiten 95 Prozent der südafrikanischen Minenindustrie derzeit normal. Noch beschränken sich die Unruhen auf die für ihre gewalttätigen Arbeitskämpfe bekannte Platinbranche. Ähnlich ist die Lage im Goldsektor, wo Südafrika inzwischen auf den fünften Rang der Förderer zurückgefallen ist. Gerade der Goldbergbau am Kap hat in den letzten 40 Jahren einen dramatischen Niedergang erlebt.

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