Kommentar
Assads Täuschungsmanöver

Syriens Diktator Assad führt die Beobachter aus arabischen Staaten in die Irre. Sie sollten sich nicht irritieren lassen.
  • 4

Dass die Beobachter der Arabischen Liga ein ungeschminktes Bild der Lage in Syrien erhalten, ist wohl eine Illusion. Pünktlich zum Beginn der heiklen Mission demonstriert Assad, dass er sich mit Tarnen, Tricks und Täuschen an der Macht halten will. Panzer werden aus der umkämpften Stadt Homs zurückgezogen, politische Häftlinge in Militärgefängnisse verlegt, zu denen die Beobachter keinen Zutritt haben, andere sollen freigelassen worden sein.

Die Welt hat immer noch kein Mittel gefunden, um dem Tyrannen Assad Einhalt zu gebieten. Nach wie vor lässt das Regime foltern und morden, das Land steht am Abgrund eines Bürgerkriegs. Den dürfte allerdings auch die Drohung aus Washington nicht verhindern, man werde „andere Schritte“ einleiten, sollte das Regime die Friedensmission der Arabischen Liga missachten. Denn das Dumme ist: Die Weltgemeinschaft steht nicht geschlossen hinter den USA. Da Russland und China neben Iran ihre schützenden Hände über Assad halten, helfen alle kritischen Appelle nichts. Der Diktator kann sein zynisches Treiben fortsetzen, ohne eine Intervention fürchten zu müssen.

Solange die arabischen Beobachter in Syrien weilen, werden sie wahrscheinlich nur das zu sehen bekommen, was das Regime zulässt. Währenddessen mögen die blutigen Auseinandersetzungen zwar etwas abebben, aber ausgestanden ist der Konflikt deshalb noch lange nicht. Noch gibt es keine Anzeichen für eine wirkliche Bereitschaft Assads zu einem ehrlichen Dialog mit der Opposition. Und die wird sich nicht mit irgendwelchen faulen Kompromissen zufriedengeben.

Das Regime wird nur dann kollabieren, wenn der Druck von innen weitaus größer wird, wenn die Mehrheit des Militärs sich vom Despoten abwendet und wenn Assad den Rückhalt derer verliert, sie sich mehr vor einer schiitischen Machtübernahme fürchten als vor seinem Terrorregime. Man kann nicht davon ausgehen, dass eine solche Entwicklung schnell zum Erfolg führt.

Die Arabische Liga braucht daher einen langen Atem. Sie muss ihre Mission solange fortsetzen, bis sich das Blatt wendet. In der Zwischenzeit muss die Opposition Überzeugungsarbeit leisten, so kompliziert das angesichts der Machtverhältnisse auch ist. Sie muss die Mehrheit der Bevölkerung davon überzeugen, dass Syrien nach einem Sturz von Assad nicht ein ähnliches Schicksal wie dem Irak droht. Bei dieser Aufgabe kann die Arabische Liga unterstützend wirken. Sie hat als einzige Kraft eine geringe Chance, den Regimewechsel zu befördern – es sei denn, China und Russland besinnen sich eines Besseren.

Der Autor ist Kolumnist. Sie erreichen ihn unter: rabe@handelsblatt.com

Kommentare zu " Kommentar: Assads Täuschungsmanöver"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Assad hat noch niemals jemanden getäuscht.
    Ein Problem haben lediglich jene, die sich selbst getäuscht haben über die Lage im Nahen Osten.

    Wie lecker die "Befreiung" Nordafrikas (bis hin zur Pfählung eines Diktators) sein kann hat uns allen die islamistische Befreiung zur Befreiung zum Islam und zur Befreiung vom Christentum aufs Eindrücklichste bewiesen.

    Würde es da nicht um so höllisch viel Geld gehen, könnte man den Brandstiftern ihr vorgetragenes Engagement für "die Menschen" fast sogar abnehmen.

  • Sehr geehrter Herr Rabe,

    ich gehe stark davon aus, dass Sie in Ihrem Leben weder einmal in Syrien waren, noch auch nur die leiseste Ahnung vom nahen Osten, desses Strukturen und kulturellen Eigenarten haben. Ihr Kommentar stortzt vor Fehlern, ist ein zusammenplagiiertes Sammelsurium an Reuters, dpa und Al Jazeera Meldungen. Übrigens diskreditiert dieser lächerliche Kommentar auch das Handelsblatt als seriöses Printmedium. Wie Sie auf die Idee kommen, dass in Syrien eine shiitische Machtübernahme zur Debatte steht ist in keinster Weise nachzuvollziehen. Die Große Bedrohung für das Land sind nämlich die sunnitischen Islamisten. Die Shiiten stellen in Syrien eine Minderheit dar, denen übrigens auch die Alawiten zugerechnet werden können, die religiöse Gruppe der Präsidnet Assad angehört. Wenn Sie sich anmaßen, einen Kommentar oder eine Kolumne über Syrien zu schreiben, dann kann man ein wenig mehr Sachkenntnis erwarten.

  • Geschulte Beobachter lassen sich nicht so leicht täuschen - z.B. wären Spuren der Kämpfe durchaus im Straßenbild zu erkennen. Woher nimmt der Kommentator seine Gewißheit, daß sich alles so ereignet, wie die (unabhängigen?) Menschenrechtsorganisationen es schildern? Warten wir den Bericht der Beobachtermission einfach einmal ab. Des weiteren wünsche ich mir eine vorurteilsfreie Darstellung der Reformvorschläge Herrn Assads.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%