Kommentar Athens Retter betrügen sich selbst

Noch immer ist unklar, wie die europäischen Finanzministern die Griechenland-Rettung finanzieren wollen. Aber eine Lösung zum Nulltarif wird es nicht geben. Auch nicht für Deutschland.
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Wie soll die EU mit Griechenland umgehen? Die Finanzminister konnten sich bislang nicht auf eine gemeinsame Linie einigen. Quelle: dapd

Wie soll die EU mit Griechenland umgehen? Die Finanzminister konnten sich bislang nicht auf eine gemeinsame Linie einigen.

(Foto: dapd)

Griechenland und immer wieder Griechenland. Bereits am 19. November sprachen die Finanzminister "nur" sieben Stunden über den Pleitestaat, tags darauf waren es fast zwölf Stunden, und heute treffen sie sich schon wieder zu einer Brüsseler Sonderschicht. Dabei üben sich die politischen Führungskräfte der Währungsunion in einer Tätigkeit, die in der EU eine lange Tradition hat: Sie feilschen um jeden Cent.

Natürlich wollen alle Griechenland retten. Doch ausgerechnet die wirtschaftlich leistungsfähigsten Länder - Deutschland, Finnland und die Niederlande - weigern sich, dafür auch nur das kleinste finanzielle Opfer zu bringen. Man war zwar bereit dazu, Griechenland viel Geld zu leihen. Doch schenken will man Hellas nichts - jedenfalls nicht jetzt. Die Regierung in Athen soll alle Schulden tilgen und auch weiter Zinsen zahlen - jedenfalls den niedrigen Satz, zudem sich Deutschland und der Euro-Rettungsfonds selbst an den Märkten refinanzieren.

Wir sanieren Griechenland also zum Nulltarif? Wer das behauptet bei einer griechischen Schuldenquote von bald 190 Prozent der Wirtschaftsleistung, belügt sich selbst, die eigenen Bürger und die ganze Welt. Trotzdem wäre Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble damit am Dienstag wohl durchgekommen. Die anderen Euro-Finanzminister verspüren nämlich auch wenig Lust, für Griechenland in ihre klamme Haushaltskasse zu greifen. Nur der IWF wollte bei dem Selbstbetrug nicht mitmachen. Die Chefin des Fonds, Christine Lagarde, weigerte sich erneut, Griechenlands Lage wider besseres Wissen schönzureden - und damit hat sie im Prinzip absolut recht.

Griechenland

Bruttoinlandsprodukt von 2008 bis 2014

%-Veränderung zum Vorjahr


Es mag ja noch nachvollziehbar sein, dass die Bundesregierung den Griechen jetzt nicht im großen Stil Schulden erlassen will. Man stelle sich nur vor, Bundeskanzlerin Angela Merkel müsste die Regierungsfraktionen im Bundestag von einem Schuldenschnitt überzeugen, der ein riesiges Milliardenloch in den Bundeshaushalt reißt. Die schwarz-gelbe Mehrheit im Parlament wäre dann wohl dahin. Man kann nicht ernsthaft erwarten, dass eine Bundesregierung ihre Macht auf dem griechischen Altar opfert, solange es andere Möglichkeiten gibt. Kein Kanzler täte das, egal welcher Partei er angehört.

Es sind im Übrigen nicht die Deutschen allein, die mit dem Schuldenschnitt ein großes Problem hätten. Für Spanien, Frankreich oder Italien wäre es noch viel härter, zum jetzigen Zeitpunkt auf derart viel Geld zu verzichten. Schließlich sehen die Staatsfinanzen dieser Länder alles andere als rosig aus. Das wird in der selbstbezogenen Debatte in Berlin gerne vergessen.

Zinserlass für Griechenland kostet die Steuerzahler viel
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21 Kommentare zu "Kommentar: Athens Retter betrügen sich selbst"

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  • es ist ein frechheit, wie kriminell sich die europäischen regierungen gegenüber ihren wählern verhalten! und ein ausweg ist nicht in sicht. da wird unser steuergeld unserer zukunft an einen betrügerstaat verschleudert und wir idioten schauen zu. jeder normale bürger macht sich strafbar und geht in den knast, wenn er die bilanzen frisiert und die insolvenz verschleppt oder verschleiert.
    was aber tun unsere regierungen? gelten für die unsere gesetze nicht mehr?

  • berschens@handelsblatt.com

    Sehr geehrte Frau Berschens,

    die Quelle ist falsch. Machen Sie sich bitte nicht unglaubwürdig

  • Frau Berschens, Griechenland sind Peanuts. Schauen Sie in die Bundesbank-Bilanz. Unser Geld wurde bereits in Spanien und Italien ausgegeben. Zum Totlachen, wenn Sie immer schreiben, dass jetzt auf den Steuerzahler Kosten zukämen. Der Super-Gau ist bereits durch, nur die Rückkopplung ist noch nicht angekommen. Wir sind schon lange vom Hochhausdach abgesprungen, noch ein paar Etagen bis zur Ankunft !

  • in Stuttgart hat die CDU die Macht für einen lausigen Bahnhof verloren. Wenn das so weitergeht, verliert sie 2013 die Bundestagswahl. Wegen Griechenland, das man schon längst aus dem Euro hätte werfen müssen.

  • >> ausgerechnet die wirtschaftlich leistungsfähigsten Länder - Deutschland, Finnland und die Niederlande - weigern sich, dafür auch nur das kleinste finanzielle Opfer zu bringen <<
    WIE BITTE??

  • Nach meinen Informationen hat GR eine money-burn-rate von 80 Mrd jährlich. Nach unseren rettungsgeilen, eurowahnsinnigen Politikern soll das ja noch bis 2022 so weitergehen. Nachdem auf D 27% entfallen, reden wir von 217 Mrd (das ist 2/3 eines ganzen Bundeshaushaltes!), die der deutsche Michel latzen müßte. Das ist die Wahrheit vor der die Blockparteien so furchtbar Angst haben.Die haben uns im wahrsten Sinn des Wortes in die Schxxxx geritten. Deshalb unwählbar.

  • Selten einen so inkompetenten Bericht gelesen. Soll doch das Brüsseler Büro seine Gehälter spenden. Ich möchte kein Land unterstützen, ja ich gehe soweit, unsere Politiker gehören auf die Anklagebank, und Sie Frau Berschens wohl gleich mit

  • Zitat "Doch ausgerechnet die wirtschaftlich leistungsfähigsten Länder - Deutschland ... - weigern sich, dafür auch nur das kleinste finanzielle Opfer zu bringen".

    Werte Frau Berschgens, wenn Deutschland den Griechen Geld schenkt dann nimmt er IHNEN und MIR das verschenkte Geld vorher ab. Sie können mit IHREM Geld machen was sie wollen aber nicht mit MEINEM Geld. Und ich bin auch nicht bereit für Griechenland länger zu arbeiten oder höhere Steuern zu bezahlen. Das alles können Sie gerne machen - vielleicht bekommen Sie dann sogar ein Fleiss-Kärtchen von Frau Merkel. Und vielleicht sollten Sie heute schon mal überlegen was sie IHREN Kindern erklären wollen warum SIE das Anhäufen von zusätzlichen Schulden befürworten. Aus Solidarität? Das Schei.. ich drauf!

  • pleite gehen lassen heisst: Schuldenschnitt 100%...

    Untern Strich auch das Gleiche...

  • Mag ja vieles richtig sein aus Ihrer Sicht Frau Berschens, Sie vergessen alledings, wie haben wir Irland und Portugal behandelt. Die sparen wie die Weltmeister und bekamen von uns nichts erlassen. Der einzige Weg ist, Griechenland kein Geld zu geben und pleite gehen zu lassen. Dann können die sich total sanieren, wir haben den Schwarzen Peter, ist auch gut so, denn dann werden unsere Politiker endlich aufwachen und unsere Rente nicht einfach weiter verfrühstücken. Griechenland hat dann 10 Jahre Zeit, die gesamte Verwaltung einschließlich ihres nicht existierendes Steuersystems aufzubauen, alles andere ist Schwachsinn, es klappt eh nicht.

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