Kommentar Auch die Blockchain bietet keine absolute Sicherheit

Die Blockchain-Technologie löst viele Probleme der digitalen Welt. Die Euphorie darüber darf die nüchterne Analyse aber nicht ersetzen.
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Die Blockchain hat das Potenzial, ganze Branchen zu verändern. Quelle: X90033
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Die Blockchain hat das Potenzial, ganze Branchen zu verändern.

(Foto: X90033)

DüsseldorfWenn Manager heute über Blockchain reden, spricht aus ihren Worten oftmals Neugier und Sorge zugleich. Diese neue Technologie – die digitale Prozesse nicht nur deutlich vereinfachen, sondern auch sicherer machen wird –, hat das Potenzial, ganze Geschäftsmodelle zu ersetzen.

Weil elektronische Informationen, sprich Daten, damit gleichzeitig dezentral auf mehreren Geräten gespeichert und mit einer Art Siegel versehen werden, sind sie nicht manipulierbar, sobald sie in der Blockchain stehen. Eine ernsthafte Bedrohung für traditionelle Umschlagstellen wie Banken im Geldtransfer. Sie könnten wegfallen.

Wegen dieses Potenzials ist die Technologie nicht nur auf der Digitalmesse Cebit, die noch bis Freitag in Hannover stattfindet, eines der größten Trendthemen in nahezu allen Branchen. Allerorten besprechen Berater und Manager auf Konferenzen und Workshops, was sie alles mit Blockchains anfangen – oder wie sie davon bedroht sein könnten.

Dabei bleibt jedoch häufig ein wichtiges Thema außen vor: Auch die Blockchain macht digitale Geschäftsabläufe nicht völlig sicher.

Zwar sind die Informationen in der Datenkette vor Manipulation geschützt: Sobald jemand versucht, sie nachträglich zu ändern, fällt das auf, weil alle Datensätze wie Kettenglieder – daher der Name – aufeinander aufbauen. Ändert sich etwas in dieser Kette, hält diese, vereinfacht gesagt, nicht mehr zusammen, weil die Bindung nicht mehr passt.

Das bedeutet aber nicht, dass die Informationen, die in eine Blockchain eingebracht werden, richtig sind. Diese können genauso falsch oder richtig sein, wie sie es bisher auch bei jeglicher Transaktion sein können. Blockchain mag einige Geschäftsbereiche revolutionieren, aber sie ist nicht der heilige Gral der Digitalisierung.

Damit bleibt auch das grundsätzliche Problem der Informationsasymmetrie bei Vertragsabschluss, die Volkswirte seit Jahrzehnten als Prinzipal-Agent-Theorie beschäftigt, bestehen: Wenn zwei Parteien sich dazu entscheiden, zusammenzuarbeiten, weiß die eine nicht, welche Intention die andere hat.

Um das Risiko, dass der Vertragspartner wissentlich oder unwissentlich falsche Informationen in die Blockchain einspeist, zu minimieren, braucht es also auch dabei Parteien, die die Daten bestmöglich verifizieren – wobei auch wieder etablierte Unternehmen wie Banken eine wichtige Rolle spielen können.

Die Blockchain-Technologie bringt zweifellos große Veränderungen für viele Geschäftsmodelle. Allerdings sollte – wie bei allen technologischen Entwicklungen – gelten: Euphorie über das revolutionäre Neue darf die nüchterne Analyse nicht ersetzen.

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