Kommentar
Aufatmen in Stuttgart

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Die Hängepartie ist endlich vorüber, der Stuttgarter Daimler-Konzern trennt sich fast vollständig von seiner verlustträchtigen Tochter Chrysler. Es gab für Vorstandschef Dieter Zetsche keine Alternative, er konnte nicht mehr zurück. Mit seiner Ankündigung von Jahresbeginn, Daimler prüfe auch den Verkauf von Chrysler, hatte er sich selbst in eine Ecke hineinmanövriert, aus der er nicht mehr herauskam. Börsen und Anleger haben seitdem auf die Trennung von Chrysler gesetzt und den Kurs der Daimler-Aktie nach oben getrieben. Wenn die Stuttgarter Chrysler jetzt doch behalten hätten, wäre die Daimler-Aktie im freien Fall abgestürzt.

In Stuttgart beginnt jetzt das große Aufatmen – zehn Jahre strategisches Hin und Her gehen endlich zu Ende. Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp träumte von der Welt AG, die alle großen Märkte rund um den Globus mit der gesamten Produktpalette aus der Autowelt bedient. Chrysler war dabei der Mosaikstein in den USA, mit dem an erster Stelle Kunden auf dem Massenmarkt bedient werden sollten. Doch dieses Konzept ist gescheitert, es hat den Stuttgarter nur noch Milliardenverluste beschert.

Zetsche beendet nun diesen Ausflug und bringt den Konzern auf seinen Ausgangspunkt zurück. Daimler besinnt sich auf seine bekannten Stärken: Premiumautos und LKWs, mehr nicht.

Die Zeche für die fehlgeleitete Strategie mussten in den vergangenen zehn Jahren die Aktionäre zahlen. Jetzt gibt es zumindest eine kleine Hoffnung dafür, dass es bei Daimler wieder aufwärts geht. Ohne Chrysler, aber dafür mit der vollen Konzentration auf Mercedes und das Geschäft mit lukrativen Premiumautos.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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