Kommentar
Aufruhr in China

Ein Mordfall hat China in einen tiefgreifenden politischen Skandal gestürzt. Die Frau des ehemaligen Parteisekretärs Bo Xilai soll an der Tötung eines Briten beteiligt gewesen sein.
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Nun ist es auch dem Letzten klar: Es geht im Fall des ehemaligen Chongqinger Parteichefs Bo Xilai nicht um die große Richtung Chinas im Vorfeld des Führungswechsels. Auch nicht um das „Chongqing-Modell“, mit dem China mit Mao-Liedern und Zucht und Ordnung wieder auf den rechten Weg gebracht werden sollte. Es geht schon gar nicht um einen Putsch.

Es geht um ein Verbrechen. Um den Vorwurf eines Mordes an einem Briten, in den Gu Kailai, die Frau des abgesetzten Parteisekretärs Bo Xilai, verwickelt sein soll. Einen Mord allerdings, der das Land in einen tiefgreifenden politischen Skandal gestürzt hat, weil er die Abgründe in der chinesischen Führung sichtbar werden lässt.

Mag sein, dass in der Familie Bo Eitelkeit, Machtgier und Skrupellosigkeit besonders ausgeprägt sind. Doch alle wissen, Nepotismus ist unter den chinesischen Spitzenpolitikern weit verbreitet. Vom engsten Führungszirkel abwärts machen die Frauen und Kinder der Kader zum Teil dubiose Geschäfte und nutzen dabei die Positionen ihrer Väter und Ehemänner, meist mit deren ausdrücklicher Billigung.

Die Ehefrauen sind oft noch verbissener als die verwöhnten Kinder. Die Partei kann ein Lied von Ehefrauen singen, die ihre eigenen Machtgelüste entwickelt haben.

Maos letzte Ehefrau Jiang Qing, die gerissene Anführerin der sogenannten Viererbande, war dabei herausragend. Aber einen Mord an einem Ausländer, in den die Frau eines Spitzenpolitikers verwickelt ist, das hat es in der chinesischen Führung noch nicht gegeben.

Eines Spitzenpolitikers zudem, dessen Vater einer der „Acht Unsterblichen“ der Kommunistischen Partei war und zu den charismatischsten Führungspersönlichkeiten Chinas gehörte. Und Bo war gerade dabei, in den Ständigen Ausschuss des Politbüros, das höchste aller Parteigremien, einzuziehen.

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