Kommentar: Aus der Kurve geflogen

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Aus der Kurve geflogen

Mit seiner Entscheidung gegen den Kaufhof-Verkauf hat der neue Metro-Chef Olaf Koch seinen Vorgänger Eckhard Cordes blamiert. Für Kaufhof brechen harte Zeiten an.
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Die erste Entscheidung des neuen Metro-Chefmanagers Olaf Koch ist eine Entscheidung gegen seinen Vorgänger: Eckhard Cordes hatte den Verkauf von Kaufhof mit voller Kraft vorangetrieben. An sich wollte er noch vor dem Jahreswechsel einen unterschriftsreifen Vertrag vorlegen. Sein Wunschpartner war der österreichische Investor René Benko. Und es war fast schon abenteuerlich, mit welcher an Hast grenzenden Geschwindigkeit Cordes Richtung Verkauf steuerte.

Jetzt ist Metro mit dieser Strategie aus der Kurve geflogen. Je mehr Benko und seine Geldgeber, zu denen beispielsweise Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und ein griechischer Reeder mit Sitz auf den Marshall-Inseln gehören, zu schillernden Figuren wurden, und je weniger Geld sie aus eigener Tasche für das Objekt der Begierde zahlen konnten, um so größer wurden im Aufsichtsrat und unter den Aktionären der Metro die Vorbehalte gegen diese Investorengruppe. Am Ende war bei Metro keine Mehrheit mehr für den Plan zu finden, Benko den Kauf mit einem Verkäufer-Darlehen teilweise vorzufinanzieren.

Benko wiederum konnte und wollte nicht mehr bezahlen. Für seine Sicht der Dinge spricht das miese Geschäft, das Kaufhof im vierten Quartal bilanzieren muss. Die Erlöse sanken um 4,6 Prozent und damit steht die Handelskette voraussichtlich deutlich schlechter da als der Konkurrent Karstadt, der sich gerade erst aus der Insolvenz befreit hat. Sich dazu durchzuringen, an den Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen und damit an den ärgsten Wettbewerber zu verkaufen – auch das war keine Option für die Metro-Führung.

Deswegen blieb dem neuen Konzernlenker Koch nur die Flucht nach vorne: Er musste den Verkauf absagen und selbst sehen, was noch zu machen ist. Der jetzt angekündigte Versuch, Kaufhof auf eigene Faust wieder nach vorn zu bringen, ist erstmal der vielversprechendere im Vergleich zu einem verlustreichen Verkauf. Die Folge wird aber sein, dass sich nach Karstadt nun auch Kaufhof weiter von Standorten verabschieden wird, die den steigenden Anforderungen an die Rentabilität nicht mehr genügen. Das hätte nicht sein müssen. Denn die Idee aus Karstadt und Kaufhof zwei Marken zu machen, die unter einem Dach agieren, die sich beim Einkauf ergänzen und die sich im Wettbewerb abstimmen, hatte ihren Charme. Jetzt liegt sie bis auf weiteres auf Eis.

 

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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