Kommentar
Banken als Komplizen

Wenn auch nur die Hälfte dessen stimmt, was der Pleitekonzern Parmalat seinen beratenden Banken vorwirft, wird für Citigroup, Deutsche Bank und Co. die Luft dünn.´In einer ersten Klageschrift, die der streitbare Insolvenzverwalter Enrico Bondi bei einem US-Gericht eingereicht hat, zeichnet er ein schockierendes Bild: Demnach hat sich mit der Citigroup der größte Finanzkonzern der Welt zum Mitwisser und Komplizen des bislang größten Finanzskandals der Geschichte gemacht. Die US-Bank soll den korrupten Parmalat- Managern geholfen haben, die tatsächliche Lage des Milchriesen zu verschleiern, die Anleger auf die falsche Fährte zu locken und Lug und Trug zu verbreiten.

Ähnliche Vorwürfe werden in den kommenden Monaten voraussichtlich gegen andere Top-Institute wie die Deutsche Bank, die UBS und die Bank of America erhoben. Für sie alle steht mehr auf dem Spiel als milliardenschwere Schadensersatzforderungen. Viel wichtiger sind der Imageschaden und der Verlust an Glaubwürdigkeit, den die Finanzmärkte durch derlei Skandale erleiden. Das Thema wird von den Banken nicht ernst genug genommen. Statt nach eigenen Verantwortlichkeiten zu suchen, erklären sie gebetsmühlenhaft, mit der Justiz zusammenzuarbeiten.

Auch werden die in den Skandal involvierten Mitarbeiter nicht zur Rechenschaft gezogen. Stattdessen versuchen die Banken, einfach nur Zeit zu gewinnen. Ebenso wenig werden interne Mechanismen beseitigt, die den Investmentbankern möglicherweise Anreize für Fehlverhalten setzen. Doch „Weiter so“ kann nicht das richtige Motto sein. Parmalat ist ein Testfall dafür, ob die Elite der internationalen Hochfinanz die Fähigkeit zur Selbstreinigung besitzt.

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