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Kommentar: Banken vor der Feuerprobe

Die Realwirtschaft steht unter Druck - und damit die angeschlagene Bankenbranche vor neuen, bedrohlichen Herausforderungen, wenn ihnen Kundenkredite wegbrechen. Und dieses Mal wird es vor allem die traditionellen Geschäftsbanken treffen.

Die Banken treten im zweiten Halbjahr in Phase III der Finanzkrise ein. Die erste Phase war der akute Einbruch, der beinahe in einem Absturz des Systems geendet hätte. Die zweite Phase war die Stabilisierung der Branche durch die Politik seit vergangenem Herbst. Die dritte Phase wird die Feuerprobe für die Branche: Jetzt muss sich zeigen, wie gut sie mit den Problemen der Realwirtschaft klarkommt. Es spricht viel dafür, dass sie einen erneuten Einbruch erlebt. Der wird aber hoffentlich nicht so tief sein wie im bisherigen Verlauf der Krise.

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Seit Anfang des Jahres haben sich die Banken aus mehreren Gründen besser entwickelt, als der drastische Absturz ihrer Börsenkurse im Januar hätte vermuten lassen. Der wichtigste Punkt war die Stabilisierung des Systems durch die Politik. Weil klar ist, dass es einen zweiten Fall Lehman nicht geben wird, haben sich vor allem für das Investment-Banking die Rahmenbedingungen drastisch geändert.

Nachdem die US-Regierung Lehman nicht gerettet hatte, stand zunächst das Problem "Funding" im Vordergrund: Plötzlich waren diejenigen Banken Könige, die sich über Kundeneinlagen weitgehend selbst finanzieren konnten. Die klassischen Investmentbanken, die sich am Kapitalmarkt refinanzieren, schienen vor dem Aus zu stehen. Seit dank der staatlichen Rettungspläne wieder ein Minimum an Vertrauen zurückgekehrt ist, können sich aber zumindest Geldhäuser mit guter Bonität auch wieder Geld am Kapitalmarkt besorgen. Das Geschäft läuft weiter.

Der zweite Grund für die Erholung hängt mit den Notenbanken zusammen: Sie fluten das System mit Geld und sorgen dafür, dass es sehr billig geworden ist, sich zu refinanzieren. Dadurch sind die Zinsmargen gestiegen. Der dritte Grund für die Erholung ist die Tatsache, dass die Banken, die noch stark sind, jetzt bessere Konditionen bei ihren Kunden durchsetzen können als bisher. Der vierte Grund ist die Erholung der Kapitalmärkte, die ihre Tiefpunkte im vierten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009 hatten. Und der fünfte Grund sind die Bemühungen, Probleme mit vergifteten Wertpapieren so zu handhaben, dass sie zumindest kurz- bis mittelfristig in den Bilanzen nicht mehr sichtbar sind.

Diese fünf Faktoren hängen untereinander eng zusammen und bedingen sich zum Teil gegenseitig. Die Frage ist, wie weit sie die Banken im zweiten Halbjahr noch tragen. Und damit auch, wie sehr sie zu den in der gesamten Branche erwarteten Kreditausfällen ein Gegengewicht bilden können.

Klar ist, dass gerade die traditionellen Geschäftsbanken, die vor einem Jahr wegen ihrer breiten Kunden- und damit Refinanzierungsbasis noch als Gewinner galten, von den drohenden Kreditausfällen am stärksten bedroht sind. Denn sie gehen ja mehr als Investmentbanken Risiken außerhalb der - letztlich staatlich gestützten - Finanzbranche ein: in der sogenannten Realwirtschaft. Wie hoch diese Belastungen sein werden, ist kaum absehbar. In Deutschland erleben wir die seltsame Situation, dass ein Rekordeinbruch des Sozialprodukts bisher mit relativ wenigen Unternehmenspleiten und immer noch vergleichsweise stabilem Arbeitsmarkt einhergeht.

Beinahe alle Experten erwarten, dass zumindest auf dem Arbeitsmarkt trotz der ersten positiven Signale noch Einbrüche erfolgen. Denn selbst wenn die Produktion sich stabilisiert oder sogar leicht erholt, werden einige Unternehmen ihre Planungen revidieren und auf ein niedrigeres Niveau absenken, bei dem sie weniger Beschäftigte brauchen.

Steigende Arbeitslosigkeit führt direkt zu Problemen mit Konsumentenkrediten. Die spielen zwar für viele Banken eine wichtige Rolle, sind aber in den meisten Häusern nicht das zentrale Geschäftsfeld. Zusätzlich kann es zwar auch Ausfälle bei privaten Baukrediten geben. Aber die sind in Deutschland solider vergeben worden als in vielen anderen Ländern. Auch hat es hier keine Blase auf dem Immobilienmarkt gegeben.

Sicher leiden auch die Unternehmen, wenn mit einer steigenden Arbeitslosigkeit der Konsum zurückgeht. Außerdem werden einige erst richtig in ein wirtschaftliches Loch fallen, wenn sie bestehende Aufträge abgearbeitet haben und kein Anschlussgeschäft finden. Trotzdem kann es aber gut sein, dass viele Unternehmen die "reale" Krise durch Einsparungen abfangen und deswegen nicht so sehr unter Druck geraten, wie die volkswirtschaftliche Statistik dies vermuten lassen könnte.

Es kommen also Probleme aus der "realen" Wirtschaft, aber vielleicht weniger stark als befürchtet. Auf der anderen Seite ist offen, wie lange die Erholungsfaktoren des ersten Halbjahres noch wirken. Die künstlich erhöhten Margen werden sich zum Teil wieder zurückbilden. Die Kapitalmärkte werden wieder Rückschläge erleben. Und hier und da werden verdrängte Probleme mit vergifteten Wertpapieren erneut unangenehm an die Oberfläche kommen. Dazu könnten überraschend schlechte Nachrichten aus dem Ausland die Krise wieder anheizen. Die ertragsstarken spanischen Banken zum Beispiel haben teilweise selbst Immobilien in großem Stil gekauft, um den Markt zu stützen. Wenn sich dieses Verfahren totläuft, dürfte es dort noch einmal sehr unangenehm werden.

Letztlich hängt alles davon ab, ob ein negativer Rückkopplungseffekt eintritt. Eine solche Abwärtsspirale würde bedeuten: schwache Unternehmen, Kreditausfälle, Kreditklemme, noch mehr schwache Unternehmen. Wenn es der Finanzbranche - auch mit Hilfe der staatlichen Förderbanken -, gelingt, diesen Teufelskreis zu vermeiden, dann könnte Phase III glimpflich verlaufen.

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