Kommentar
Bei der Deutschen Bank könnte sich Geduld lohnen

Die Deutsche Bank steckt im Umbruch: Das Investmentbanking schwächelt, der Quartalsgewinn sinkt und auch der Aktienkurs gab zuletzt deutlich nach. Doch langfristig könnten auch die Aktionäre vom Umbruch profitieren.
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Als Aktionär ist man gut beraten, nicht die Geduld zu verlieren. Auch wenn man schon nervös werden kann, wenn die eigenen Anteile binnen weniger Monate um ein Fünftel an Wert verlieren. Genau das erleben derzeit die Anleger der Deutschen Bank. Viele fürchten bereits einen Rückfall auf die Kursstände im Krisenjahr 2009. Doch es könnte sich lohnen, trotzdem ruhig zu bleiben.

Natürlich: Deutschlands größtes Geldinstitut steckt im Umbruch und das Jahr startet mit einem Gewinneinbruch um 34 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro eher bescheiden. Die Probleme sind unübersehbar: Der Anleihehandel – ein Feld in dem die Deutsche Bank traditionell stark ist – schwächelt. Das einst stolze Investmentbanking, das in den vergangenen Jahren einen Großteil der Gewinne erwirtschaftete, wird mehr und mehr zur Belastung. Niedrige Zinsen und der starke Wettbewerb sorgen zusätzlich für einen Rückgang bei der Vermögensverwaltung. Und das sind nur die Probleme auf der Ertragsseite.

Denn auch auf der Kostenseite bleiben die Risiken– etliche Rechtsstreitigkeiten machen Milliardenrückstellungen in der Bilanz notwendig, die aber immerhin nicht weiter angehoben werden mussten. Im ersten Quartal schlagen die Ausgaben für Rechtsstreitigkeiten sogar mit null Euro zu Buche. Doch Libor-Manipulationen und Devisenspekulationen könnten die Bank am Ende noch teuer zu stehen kommen.

Und als wäre das nicht genug, drängen auch die Bankenaufseher auf strengere Kapitalquoten, um die Banken für künftige Krisen zu wappnen. Die Deutsche Bank muss ihren Rückstand beim Eigenkapital aufholen – und braucht dafür frisches Geld. Bisher will sie das noch durch die Ausgabe von Wandelanleihen und eine Fortsetzung des Sparkurses stemmen. Doch längst wird auch auf Vorstandsebene eine Kapitalerhöhung diskutiert. Bei der Verkündigung lässt Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain verlauten: „Wir werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Kapitalquoten zu sichern. Wir schließen keine Option aus.“

Für die Aktionäre könnte das weitere Kurseinbußen zur Folge haben. Doch trotzdem besteht für langfristig orientierte Anleger eigentlich kein Grund zur Panik. Zwar ist das Institut auch weiterhin massiv abhängig von der Geldpolitik der EZB, doch auch nicht abhängiger als andere europäische Banken.  Und im Vergleich zu anderen Instituten - insbesondere in den Südländern - bleibt die Deutsche Bank stabil aufgestellt. Die Kapitalausstattung zu verbessern, wird sehr ernst genommen – wenn auch teilweise getrieben von den Aufsichtsbehörden.

Mit den höheren Kapitalquoten und der Konzentration auf lukrativere Geschäftsfelder, wie Jain und Fitschen sie propagieren, dürfte die Bank darum auch gegen künftige Krisen gewappnet sein. Auch wenn die Deutsche Bank nicht mehr im Konzert der ganz Großen mitspielen wird, und auch die Aktienkursentwicklung im Vergleich zu US-Banken zu wünschen übrig lässt:  Eine krisenfeste Bank könnte für Aktionäre am Ende wertvoller sein als schnelle Gewinne.

Kommentare zu " Kommentar: Bei der Deutschen Bank könnte sich Geduld lohnen"

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  • Wie lange sollen denn die Anleger noch Geduld haben ? Die Aktie kommt von 43 Euro in 1990.DAX damals 1870 Punkte-heute DAX 9600-DBK 31 Euro.

  • Danke, Herr Bay, fuer diesen Kommentar (der auch vom DB Investor Relations Team stammen koennte). Da Sie sich eine Meinung zur Aktie erlauben, wissen Sie sicher auch, wie hoch die Brutto-Position der DB bei Derivaten per Ende 2013 ist. A) 0.5x Deutsches Bruttosozialprodukt B) 1x BSP oder C) 2x BSP? (Nicht schummeln. Aufloesung im "Annual Review 2013", Seite 189, Englische Version). Tipp: Keine der oben angefuehrten Loesungen ist richtig.

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