Kommentar
Bei Investoren nur zweite Wahl

Die Commerzbank hat nach wie vor mehr Probleme als Lösungen. Darüber kann auch ein besser als erwartet ausgefallenes Ergebnis nicht hinwegtäuschen. Ein Kommentar
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Es gibt eine Faustformel und die lautet: Wenn es Deutschland gut geht, dann geht es auch der Commerzbank nicht schlecht. Das solideste an dieser Bank ist nämlich ihr Mittelstandsgeschäft. Das solideste an Deutschland ist auch der Mittelstand. Beides ergänzt sich, beide leben auskömmlich miteinander. Das boomende Deutschland hat der Commerzbank im vergangenen Jahr gerade noch so helfen können, die Bilanz in die positiven Zahlen zu drehen.

Denn es gibt eine andere Seite dieser Bank. Es ist die unschöne, die größere, die, die regelmäßig Schwierigkeiten macht. Da ist die Tochter Eurohypo, ein Immobilienfinanzierer, dessen Geschäftsmodell mit Ausbruch der Finanzkrise 2008 zusammengebrochen ist. Die Commerzbank schleppt sie durch, müsste sie eigentlich laut EU-Vorgabe verkaufen, kann das aber nicht, weil allen Käufern das Risiko bisher zu groß ist, als dass sie nur einen Cent für die hässliche Tochter bezahlen würden.

Da ist aber auch das Geschäft mit dem Ausland, - Stichwort griechische Staatsanleihen - das bei der Commerzbank eine Dimension hat, die wesentlich dazu beigetragen hat, dass sie ihren Gewinn im Boomjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr halbierte.

Weil die Commerzbank deswegen nach wie vor keine Lichtgestalt ist, gehört die Bank zu einem Viertel dem Staat. Dieser Zustand ist nicht gewollt, sondern erzwungen. Und bislang macht der Steuerzahler ein schlechtes Geschäft mit dieser Beteiligung, weil ihm die Bank seinen Anteil nicht einmal angemessen verzinst. Ein Ausstieg ist auch deswegen nicht in Sicht, weil die Bank schon unter den jetzigen Bedingungen alle Mühe hat, die vom Regulierer geforderte Eigenkapitalsumme bis zum Sommer aufzubringen.

Die langfristigen Folgen der Immobilienkrise, die Abhängigkeit von der Entwicklung der Schuldenkrise und die Staatsbeteiligung - all das macht die Bank bei Investoren nicht zur ersten Wahl. Daran ändert auch ein leicht über den Erwartungen liegendes Ergebnis wie das von heute nichts.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • Zu: Commerz-Bank

    Der Titel im besten Fall die gestempelte Anweisung zur Harmonisierung der Bedürfnisse.
    Der Drucker mag nicht verstehen daß der Unterschied zwischen Headquarter und Text zu groß und die Redakteure zu klein sind.

    Auf wiedersehen

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