Kommentar
Bei Ultrabooks spielt die Marke keine Rolle

Die Ultrabooks sind im Vergleich zu den klassischen Laptops ein echter Fortschritt und die Hoffnung der PC-Hersteller. Doch sie ähneln sich zu sehr, die Marke wird zur Nebensache.
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Sie sind federleicht, hauchdünn, und sie sind ohne lästiges Hochfahren sofort einsatzbereit: Es ist eine wahre Freude, mit Ultrabooks zu arbeiten. Die neueste Generation von Laptops ist eine echte Verbesserung gegenüber den Geräten der vergangenen zwei Jahrzehnte. Da ist es kein Wunder, dass die Hersteller mit einem regelrechten Ansturm der Kunden in den nächsten Monaten rechnen.

Doch ob sich gute Verkaufszahlen auch in steigenden Gewinnen niederschlagen, das ist fraglich. Denn schon ein halbes Jahr nachdem die ersten Ultrabooks in die Läden gekommen sind, zeigt sich: Die einzelnen Anbieter tun sich schwer damit, eigene Akzente zu setzen. Für die Verbraucher sind die meisten Geräte wie Klone - sie sind selbst bei näherem Hinsehen kaum zu unterscheiden. Der Branche droht damit der nächste Preiskampf.

Es hat seinen Grund, dass sich die meisten Ultrabooks verblüffend ähnlich sind: Die mobilen Rechner sind inzwischen nicht viel dicker als eine Ausgabe des Handelsblatts. Da bleiben den Designern nicht mehr allzu viele Optionen. Im Inneren haben die Hersteller auch nur sehr begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten. Sie nutzen alle dieselben Prozessoren von Intel.

Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Rechners. Und sie setzen allesamt die Software von Microsoft ein. Nur mit kleinen, eher nebensächlichen Features können sich Branchengrößen wie Hewlett-Packard, Acer, Lenovo, Dell oder Asus voneinander differenzieren. Bei einem Ultrabook ist ein spezielles Stromspar-Programm installiert, das andere hat eine besonders hochwertige Tastatur, beim nächsten ist das Gehäuse aus Aluminium.

Die Konsequenz: Für die Kunden spielt es auch bei den Ultrabooks eigentlich keine Rolle, welche Marke sie kaufen. Es reicht, wenn sie die Ausstattung der kleinen, tragbaren Rechner vergleichen und sich dann für das günstigste Gerät einer bestimmten Leistungsklasse entscheiden. Das gilt umso mehr, als es die PC-Produzenten verpasst haben, ihre Marken emotional aufzuladen. Bei Autos oder Mode sind viele Kunden gerne bereit, für ein begehrtes Label einen Aufschlag zu bezahlen. Nicht so in der PC-Industrie. Da zählt für viele Kunden, sowohl für Privatleute als auch für die Einkäufer von Unternehmen, vor allem der Preis.

Für die Hersteller ist das eine Katastrophe, die sich in dünnen Margen bemerkbar macht. Nur einem Produzenten ist es bisher gelungen, sich dem Preiskampf über alle Gerätekategorien hinweg weitgehend zu entziehen: Apple. Dafür leistet sich der US-Konzern allerdings auch eigene Betriebssysteme, einen eigenen App-Store sowie einige selbst entwickelte Komponenten. Doch der Aufwand lohnt sich, denn das Kultlabel aus dem Silicon Valley kann damit ein Paket anbieten, das die Konkurrenz nicht hat.

Dafür sind die Käufer seit Jahren bereit, deutlich mehr hinzulegen als für alle anderen Apparate. Den Wettbewerbern bleibt einstweilen nur ein Trost: Womöglich akzeptieren die Kunden erst einmal höhere Preise für Ultrabooks als für herkömmliche Notebooks, weil die Vorteile so offensichtlich sind. Viele Modelle kosten momentan noch 1.000 Euro und mehr - für Laptops ist das ungewöhnlich viel. Doch wehe, wenn ein Anbieter die Nerven verliert und den Rotstift ansetzt.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

Kommentare zu " Kommentar: Bei Ultrabooks spielt die Marke keine Rolle"

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  • Ja, ich habe mir einen Ultrabook über so eine Kaufberatung gekauft und bin sehr zufrieden.
    Dass die alle gleich sind, kann ich nicht unbedingt unterschreiben. Habe mich einige Zeit mit dem Thema beschäftigt und bin dann in einem Blog auf den Kaufberater hier gestoßen: http://ultrabooknews.com/ultrathin-buying-advisor/
    Habe dann das Gerät auf Platz 1 gekauft und bin bisher nicht enttäuscht worden.

  • mal eine praktische Frage: Hat jemand ein Ultrabook gekauft und ist damit zufrieden? Habe insbesondere Sorge vor den Lüftergeräuschen

    Für Antworten wäre ich dankbar

  • Mehr als €500 gebe ich auch für einen Laptop niemals aus! Weil, die sind alle viel zu schwachbrüstig, um einem billigen €300 PC auch nur im Entferntesten das Wasser zu reichen... Liebe Leut, der Hype um diese Klappdeckelkisten ist nicht nachvollziehbar, genauso wenig wie der um die schwachbrüstigen, ARM-gepowerten Pads.

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