Kommentar: Berlins neuer Flughafenchef hat nichts zu verlieren

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Berlins neuer Flughafenchef hat nichts zu verlieren

Die Suche geht weiter: Wilhelm Bender wird nur Berater und nicht Chef des Pannen-Airports. Es gibt offenbar keinen unbeliebteren Posten als den des Flughafenchefs von Berlin. Dabei kann der neue Boss doch nur gewinnen.
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Wenn Fußballvereine in scheinbar ausweglosen Situationen stecken, verpflichten sie in der Regel einen so genannten Feuerwehrmann. Einen Trainer, der genug Autorität hat, um eine demoralisierten Truppe wieder aufzurichten, doch meistens nicht zu den ganz Großen gehört. Auch bei der Hertha BSC wäre vergangene Saison wohl niemand auf die Idee gekommen, sich im Abstiegskampf um Startrainer Josep Guardiola zu bemühen. Die Wahl fiel deshalb auf Otto Rehhagel.

Am Flughafen Berlin scheint die Erkenntnis vom eigenen Niedergang noch nicht angekommen zu sein. Denn noch immer bemüht sich die Flughafengesellschaft bei der Suche nach einem Nachfolge für Flughafenchef Schwarz um die Großen der Branche – und kassiert eine Absage nach der anderen.

Drei namhafte Manager haben der Flughafengesellschaft bereits einen Korb gegeben. Nach dem Kölner Airport-Chef Michael Garvens und dem Münchener Flughafenchef Thomas Weyer wollte auch der ehemalige Fraport-Vorstandsvorsitzende Wilhelm Bender nicht die Verantwortung am Chaos-Flughafen übernehmen. Nun wird er immerhin Berater.

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, als gäbe es deutschlandweit keinen undankbareren Posten als den des Flughafenchefs von Berlin.

Dabei hat der Neue eigentlich nichts zu verlieren. Ihm steht ein Expertengremium zur Seite, das ihm die Arbeit erleichtert. Jeder weitere Rückschlag würde seinen Vorgängern angelastet, jeden Fortschritt könnte er für sich beanspruchen. Denn schlimmer kann es kaum kommen: Aus kalkulierten Kosten von zwei Milliarden Euro sind mittlerweile 4,3 Milliarden Euro geworden. Gesellschafterkreise rechnen damit, dass die Kosten bald die Marke von fünf Milliarden Euro überschreiten werden. Der letzte veröffentlichte Eröffnungstermin, Oktober 2013, ist längst Makulatur. Nun ist nicht mal mit einer Eröffnung im Jahr 2014 zu rechnen.

Es ist keine leichte Aufgabe, sich im Gestrüpp von Interessen und Schuld nicht zu verirren. Ein wenig diplomatisches Geschick sollte darum auch der neue Geschäftsführer mitbringen. Immerhin gehört der Flughafen den Ländern Berlin, Brandenburg und dem Bund. Doch aus der Politik muss der Neue nicht mit weiteren Querschüssen rechnen. Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider hat bereits betont, dass die drei Gesellschafter nun „real und nicht nur verbal“ an einem Strang ziehen wollen. 300 Änderungsvorschläge hatte die Flughafengesellschaft vorher zu berücksichtigen.

Der neue Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) will seine Einflussnahme darauf beschränken, die Blamage in Grenzen zu halten. Ihm bleibt nichts anderes übrig: Er hat sein politisches Schicksal mit dem Gelingen des Flughafenbaus verbunden. Dem neuen Geschäftsführer will er sogar ein Weisungsrecht einräumen, das Vorgänger Schwarz nicht besaß.

Nach etlichen Absagen ist dennoch nicht mehr damit zu rechnen, dass ein Topmanager für den Job verpflichtet werden kann. Mit einer halben Million Euro im Jahr 2012 war der Posten bisher auch nicht gerade hoch dotiert. Nun soll eine Personalberatung bei der Suche helfen. Berlin sucht einen Feuerwehrmann. Nicht nur um die Probleme mit dem Brandschutz zu beheben.

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  • viele Köche verderben den Brei!
    Und obendrein das Kompetenzgerangel, mit der Schauspieltruppe mit ner Partypuppe,
    und dem Super-Mehdorn beim Tanz, wer führt denn den - "Schieber" -
    wie Super-AirBerlin mit Super-FlughafenBER.

    "und er schiebt die Dame nett - übers glänzende Parkett, und manche Damen ist schon ganz naß - in den Augen und um die Nase blass"(Udo Lindenberg)

    was ist denn mit den stalinistischen Kontrolleuren und Denunzianten, aus der Universitäten(anerkannt versteht sich) Ecke? Oder sind die schon wieder im Einsatz, die Wissenschaft & Forschung immer noch nicht Sicher in eigener Hand? (der, das eigene System implementierten Freunde ,die den Übungsraum der Massenkontrolle überwachten)
    Also wenn mein geistig behindertes Kind, jetzt in der Regelschule sein Abitur machen kann, dann muss es auch Politologe oder Journalismus studieren können, wenn nicht, liegt die Diskriminierung ja bereits im Berufsbild fest.
    Wie mit der Solarzellentechnologie aus Ostdeutschland ne Mitteldeutschland, die den Weltmarkt aufmischen wollten, mal endlich zeigen wollte was man kann, mit einer modernen Fabrikanlage neuester Strand, Patente/Konkurrenz ist was für Gestrige, wir bauen die genauesten Solarzellen der Welt.

    Frage an Radio Eriwan:
    stimmt es das unter der Planwirtschaft, die besten Mikrochips in der Technologie, gebaut werden?
    im Prinzip ja,
    nur nicht die besten, sondern die größten Mikrochips der Welt.

  • Wer sich mit dem Aufsichtsrat von BER einläßt, hat alles zu verlieren. Die bisherigen Absagen sind keineswegs unbegründet - die Höflichkeit verbietet es mir, noch mehr über den AR zu sagen.

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