Kommentar
Bilfinger und Koch – ein missglücktes Experiment

Der Abgang des Vorstandschefs kommt zwar zur Unzeit. Für Bilfinger ist es dennoch gut, dass Roland Koch seinen Chefposten bei dem Dienstleistungskonzern aufgibt. Wahre Größe muss er aber erst noch beweisen.
  • 4

Es war von Anfang an ein Experiment. Dass Politiker vom Stand weg eine derart hohe Position in einem großen Unternehmen einnehmen, ist in Deutschland kein Selbstgänger. Lothar Späth, Werner Müller - die Beispiele sind rar und nicht wirklich vergleichbar. Bilfinger versuchte es trotzdem mit Hessens ehemaligem Ministerpräsidenten Roland Koch als Chef. Nach zwei Gewinnwarnungen tritt er nun zurück.

Es hat sich gezeigt, dass es eben doch etwas anderes ist, ein Unternehmen zu führen als ein Bundesland. Aussitzen reicht nicht als Tugend . Auf Marktveränderungen reagieren zu müssen, Prognosen zu erstellen, Eventualitäten einzuberechnen, erfordert nicht nur Geschick und Überlebensinstinkt, sondern auch Erfahrung. Die hatte Koch als Unternehmenslenker nicht.

Bei einer Umstrukturierung in einem solchen Ausmaß wie sie Koch bei Bilfinger angegangen ist, wurde ihm diese fehlende Erfahrung zum Verhängnis. Mitarbeiter murrten, es herrschte Verwirrung über Standortkonzentrationen, die Sparprogramme empfanden einige weniger als notwendig, sondern vor allem als frustrierend. Manager des Unternehmens und der ehemalige Aufsichtsrat Holger Timmer warfen Koch gravierende Managementfehler vor. Der Hauptinvestor wurde nervös.

Und dann auch noch die zwei Gewinnwarnungen hintereinander – kein Wunder, dass die Anleger das Vertrauen verloren und die Aktie in die Tiefe stürzte.

Kochs Abgang kommt natürlich zur Unzeit, er verlässt das Unternehmen mitten in einer großen Umstrukturierung, die er selbst angezettelt hat. Herbert Bodner, sein Nachfolger, wird die Probleme nicht lösen. Er ist nur ein Übergangskandidat. Bodner war bis 2011 Chef des Unternehmens und seitdem Mitglied des Aufsichtsrates. Auch unter Bodner hatte Bilfinger schwere Zeiten erlebt, musste etwa Pfusch-Vorwürfe beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs einstecken.

Dass Koch geht, obwohl kein echter Nachfolger bereit steht, zeugt immerhin von der Entschlossenheit aller Beteiligten, einen Neuanfang zu wagen. Die Investoren müssen nun eine bessere Lösung finden. Und Koch muss damit leben, dass er an dieser Aufgabe gescheitert ist. Wer ihn kennt, weiß, dass er die dazu geeigneten Mechanismen beherrscht: Intellektualität - und Sturheit. Spannend wird sein, ob Koch mit seinem Abgang auch auf sein Gehalt verzichtet. Jährlich 2,3 Millionen Euro - darauf hätte er eigentlich noch bis 2016 rechtlich einen Anspruch. Wenn Koch hier Bescheidenheit zeigt, ziehe ich vor ihm meinen Hut.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Kommentar: Bilfinger und Koch – ein missglücktes Experiment"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • das Scheitern Kochs ist für mich nur weiterer Beleg dafür, dass wir von lauter Nieten regiert werden, die sonst nichts gebacken bekommen!

  • Wenn ausgerechnet DER Verzicht übr, dann falle ich vom Glauben ab. Man nenne mir bitte EIN EINZIGES Beispiel, wo ein Politiker oder Manager auf irgendwas verzichtet hätte, wenn es im "rechtlich" zusteht. Wenn sie schon bewiesen haben, daß sie eigentlich NICHTS können, so verbleibt ihnen dennoch eine Fähigkeit: Sich die Taschen mit anderer Leute Geld zu füllen.

  • Koch wurde als Dilettant geboren. Da war der Weg in die Politik der einzigst mögliche.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%