Kommentar: Bitteres Ende für Siemens-Chef Löscher

Kommentar
Bitteres Ende für Siemens-Chef Löscher

Seit es Peter Löscher als erster Externer an die Spitze des Siemens-Konzerns geschafft hatte, schlugen ihm intern wie extern Misstrauen und Ablehnung entgegen. Sein Scheitern werden nun viele als Bestätigung sehen. Doch auch, wenn sein vorzeitiger Abgang unvermeidlich war: So einfach ist die Sache nicht.
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In seiner ersten Amtszeit hat sich Löscher Verdienste erworben. Als Externer konnte er nach dem Schmiergeldskandal gründlich aufräumen. Siemens gilt heute weltweit als Vorbild in der Korruptionsbekämpfung. Auch verpasste er dem Konzern mit der Bündelung des Umweltportfolios ein grünes Image. Und rechtzeitig vor dem damaligen Abschwung verschlankte er die Strukturen und führte Siemens in Sachen Profitabilität an das große Vorbild General Electric heran.

Erst dann kippt das Bild. Löscher fehlte ein Konzept für seine zweite Amtszeit. Zunächst gab er als Devise ein „weiter so“ aus. Um einen Großkonzern wie Siemens unter Spannung zu halten, reicht das nicht. Es folgte ein Schlingerkurs: Löscher gab das Ziel von 100 Milliarden Euro Umsatz aus, investierte in den Abschwung hinein, um dann mit dem Sparprogramm die Notbremse zu ziehen. Hinzu kamen Pleiten, Pech und Pannen: von der Fehlinvestition in die Solarsparte über die Verspätungen bei den ICEs bis zum Debakel bei der Anbindung der Offshore-Windparks. Löscher führte präsidial, arbeitete sich nicht bis in die letzten technischen Details ein. Das rächte sich nun.

Löscher ließ Visionen vermissen und führte über Zahlen – als die nicht mehr stimmten, blieb da nicht mehr viel. Das Unternehmensprogramm Siemens 2014 war seine zweite Chance. Die hat er nicht genutzt. Ein starker Chef hätte diese Schwächephase überstanden. Doch Löscher hatte im schwierig zu führenden Siemens-Konzern einen schweren Stand. Das Unternehmen braucht vor allem Ruhe. Die gibt es aber – bitter für Löscher angesichts der Verdienste, die er sich auch erworben hat – nur ohne Löscher. Sonst hätte ein heißer Herbst gedroht. Daher ist seine Ablösung konsequent.

Doch die Löscher-Kritiker sollten sich nicht täuschen: Auch ohne Löscher ist der Konzern längst nicht aller Sorgen ledig. Alle Entscheidungen wurden vom gesamten Vorstand getroffen, und für Renditeziele ist insbesondere der Finanzvorstand mitverantwortlich, der nun Chef werden könnte. Und auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ist Teil des Führungsproblems.

Kommentare zu " Kommentar: Bitteres Ende für Siemens-Chef Löscher"

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  • "gute menschliche Kundenbindungen" rechtswidrig in Milliardenhöhe? Die Verfremdung des Begriffes "menschlich" hier ist schon etwas gewagt.

    Corrige la Fortune klingt nicht so befremdend.

  • Und Phrasendrescher sind das falsche Heilkraut.

  • Sie haben bestimmt ein paar Aktien um derart mit kläffen zu können?

  • Bei dem Zerschlagen der Hoechst AG hat Herr Löscher auch sehr bestimmmend mitgewirkt. Da hat er auch viel mit Zahlen gemacht, aber vom Geschäft keine Ahnung. Man sollte sich eben vorsehen wenn bestimmte Menschen in Unternehmen auftauchen. Chef eines Weltunternehmens sollte man eben mit der Qualifikation Controller nicht werden dürfen. In Frankfurt fließen noch immer die Tränen wenn wir an Löscher und seinen damaligen Chef denken, in München haben sie es hoffentlich früh genug gemerkt mit wem sie es zu tun hatten.

  • 9 Millionen Euro (und noch 15 Mio. Altersversorgung hinterher) sind ein äußerst bitteres Ende!
    Wer wäre da nicht am Boden zerstört und zutiefst deprimiert.

  • Alles Gute Herr Löscher
    mit etwas Wehmut denke ich an Ihre üppige Abfindung, von der Sie sicher als ein Geschenk
    Gottes, oder der Besserwisserei Ihres Förderers Cromme, eine saftige Spende zu einem sozialen Zweck abzweigen werden.
    Vielen Dank im Voraus !

    Desweiteren alles Gute auf Ihrem beruflichen Weg.

    Für Siemens kann das zu einem wirklichen Neuanfang werden.
    Die Übergabe der Verantwortung an Herrn Kaeser - einem der guten Siemensgewächse - und die
    konsequente Bereinigung des Löscher Umfeldes mit karismatischen Führungsperönlichkeiten aus dem weltweiten Siemensumfeld, wird aus der heutigen Dürrelandschaft, entstanden durch Löschers hau - ruck Management - willfährig geduldet - wahrscheinlich wider besseren Wissens -
    durch sein Umfeld, erneut ein Siemens entstehen mit den Werten die notwendig sind,um in der globalen Konkurrenzsituation Schritt zu halten.
    Sicher war die damalige Auswahl der obersten Führung um Löscher angepasst an seine Qualität und Fähigkeiten, die wie sich jetzt - viel zu spät - zeigt, den Anforderungen eines Weltunternehmens Siemens nicht angemessen war.
    Gegen GE und Konsorten sind die Besten an der Führungsspitze von Siemens gerade gut genug.
    Siemens hat - Gott sei Dank - noch einige der Besten behalten.

    Wünschen wir im Interesse aller Siemensmitarbeiter und der weltweiten Kundenlandschaft
    dem zukünftigen Management und Aufsichtsrat, nach der 6 jährigen Odyssee unter Löscher und Cromme, eine glücklichere Hand in die Zukunft!
    WKD am 28.7.2013

  • Siemens-Hauptversammlung vom 26.1.2010; 5000 Aktionäre in der Olympiahalle, München

    Eine Stimme, ehemaliger Siemens-Mitarbeiter, Dipl.-Ing, und Aktionär:

    = Siemens macht derweil große Geschäfte mit grüner Technik, grünen Produkten, grünen Lösungen, 23 Milliarden € Umsatz. Das zwar heute schön, aber mit Zukunftsfähigkeit hat das ganze nichts zu tun. Die grüne Technik ist unrentabel, die gibt es nur, weil sie von anderen rentablen Techniken am Leben erhalten wird. Und daher muss Siemens den anderen sie erhaltenden Techniken dankbar sein. Sagen wir es deutlich, nur solange KE-Strom noch da ist, und solange jemand anderes die Subventionen für unrentable Technik verdienen kann, bleibt diese am Leben. Wir wissen, als Dänemark seine Unterstützung für Windräder einstellte, seitdem wurde dort keines mehr aufgestellt. Und Zapatero in Spanien hat der bei der Förderung des Solarstromes doch auch schon die Bremse angezogen. Mit Siemens wird es ganz plötzlich vorbei sein, wenn von der Politik die grüne Technik nicht mehr künstlich am Leben erhalten wird. Dann ist es mit dem Wachstum vorbei, dann geht es in den Keller, mit den Aufträgen, mit den Arbeitsplätzen, mit den Siemensaktien. =

    Buhrufe von den versammelten Kleinaktionären.


    Merke:
    Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen

  • Herr Löscher war und ist sicherlich eine integre Persönlichkeit, der politische "Korrektness" ausstrahlte. Leider brauchen wir im derzeitigen Umfeld keine "korrekten" Manager, sondern Führungspersönlichkeiten mit geerdeten Visionen. Herr Kleinfeld wurde wg. dieser fehlenden "Korrektness" aus der Führung gemobbt und macht heute in schwierigstem Umfeld bei ALCOA einen guten Job. Unter Kleinfeld musste mE. das mittlere Management um seine Daseinsberechtigung fürchten. Deshalb war man sich bald einig, den unbequemen Kleinfeld abzuservieren. Jetzt hat man den Salat. Aufgabe eines Managers ist es, die Interessen der durch ihn vertretenen Unternehmung wahr zu nehmen und nicht übergeordneten politisch/wirtschaftlichen Göttern. Energiewende ja, aber nur wenn auf absehbare Zeit damit richtig Geld verdient werden kann und es nicht zu viele Mgt.kapazität bindet. Das gilt vor allem für Vorzeigeprojekte. Siemens braucht scheinbar auch zu lange um bestimmte Entwicklungsprozesse abzuschließen: Erst wenn man ein gutes Produkt hat, kann man ans Verkaufen denken. Die Kennziffern sind dann automatisch gut. Es darf auch gefragt werden, wie Siemens seine übergroßen Finanzmittel nutzt um bei vielversprechenden Startups dabei zu sein, bzw. warum Siemens sich nicht einen Speckgürtel von innovativen mittelständischen Firmen zulegt, die Innovationen antreiben können. Aus diesen dezentral geführren, kleinen Firmen kann man größere machen und irgendwann gut verkaufen oder sie zu Cashkühen ausbauen. Das Patentmanagement bei Siemens soll schon seit Jahren verbesserungsbedürftig sein.

  • Löscher ist Geschichte. Schauen wir nach vorne. Die ursprünglich von seinem Vorgänger - Kleinfeld- neustrukturierte Siemens AG ist auch heute noch so schlecht nicht aufgestellt. Gemacht werden sollte:
    1. Straffung des Managements. Wildwuchs, wo man hinschaut. Insbesondere im Mittelmgmt sitzen viel zu viele, die die bis zu 200 T€ Jahreseinkünfte in ihren Eckzimmern gar nicht verdienen.
    2. Delegation der Verantwortung in die Bereiche. Das lief bisher richtig schlecht. Zielentfaltungsprozess NACHHALTEN
    3. vorerst keine Milliardenzukäufe und langwierige Integrationen mehr
    4. Aufhören mit dem Portfoliomgmt. Da hat Siemens seit Jahrzehnten kein gutes Licht abgegeben. Das kann man getrost GE überlassen. Merke: Siemens prüfte Ende der 90er Jahre den Verkauf der Medizinsparte und man war nahe dran. Der Aktionärswind wechselt schneller als der Geschäftswind.

  • Genau das war bzw. ist doch das Problem von Siemens.
    Löscher hat Siemens "als weltweites Vorbild in Sachen Korruptions-Wettbewerbs-Vorteilnahme" jeden Spielraum für gute menschliche Kundenbindungen genommen. Hr. Löscher hat mit seiner strikten Regulierung die Auftrags-Beschaffungs-Lebensader von Siemens abgewürgt. Für den Vertrieb war keine Luft mehr zum Atmen/Akquise vorhanden. Das hat Hr. Löscher einfach nicht verstanden. Weltweit beruht ein Geschäft auch immer auf gute/bevorzugenden Kundenpflege. Das macht GE, ABB, Alstom und alle anderen weltweit aktiven Konzerne so!
    Weiterhin hat Löscher nie verstand, auf welchen Fuss der Erfolg von Siemens basiert. Das war schon immer das Kraftwerksgeschäft und hier vor allem nach technischen wie auch wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Diese Gesichtspunkte waren bei den Erneuerbaren Energien nie gegeben. Hier hatte der Löscher der deutschen ökosozialistischen Kanzlern im schwarzen Gewand, Fr. Merkel, komplett nachgegeben. Wie übrigends viele andere deutsche Großkonzerne auch. z.b. RWE, EON, BASF, Bayer, VW, BMW usw.
    Das böse Erwachen kommt für alle Großkonzerne in Deutschland noch. EEG/Energiewende = Wohlstands-Industrievernichtung im großen Stil. Und das war und ist politisch so gewollt!

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