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Kommentar: Bitteres Ende für Siemens-Chef Löscher

Seit es Peter Löscher als erster Externer an die Spitze des Siemens-Konzerns geschafft hatte, schlugen ihm intern wie extern Misstrauen und Ablehnung entgegen. Sein Scheitern werden nun viele als Bestätigung sehen. Doch auch, wenn sein vorzeitiger Abgang unvermeidlich war: So einfach ist die Sache nicht.

Dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher fehlte ein Konzept für seine zweite Amtszeit. Quelle: dpa
Dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher fehlte ein Konzept für seine zweite Amtszeit. Quelle: dpa

In seiner ersten Amtszeit hat sich Löscher Verdienste erworben. Als Externer konnte er nach dem Schmiergeldskandal gründlich aufräumen. Siemens gilt heute weltweit als Vorbild in der Korruptionsbekämpfung. Auch verpasste er dem Konzern mit der Bündelung des Umweltportfolios ein grünes Image. Und rechtzeitig vor dem damaligen Abschwung verschlankte er die Strukturen und führte Siemens in Sachen Profitabilität an das große Vorbild General Electric heran.

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Axel Höpner ist Handelsblatt-Korrespondent und Leiter des Büros in München. Quelle: Pablo Castagnola
Axel Höpner ist Handelsblatt-Korrespondent und Leiter des Büros in München. Quelle: Pablo Castagnola

Erst dann kippt das Bild. Löscher fehlte ein Konzept für seine zweite Amtszeit. Zunächst gab er als Devise ein „weiter so“ aus. Um einen Großkonzern wie Siemens unter Spannung zu halten, reicht das nicht. Es folgte ein Schlingerkurs: Löscher gab das Ziel von 100 Milliarden Euro Umsatz aus, investierte in den Abschwung hinein, um dann mit dem Sparprogramm die Notbremse zu ziehen. Hinzu kamen Pleiten, Pech und Pannen: von der Fehlinvestition in die Solarsparte über die Verspätungen bei den ICEs bis zum Debakel bei der Anbindung der Offshore-Windparks. Löscher führte präsidial, arbeitete sich nicht bis in die letzten technischen Details ein. Das rächte sich nun.

Löscher ließ Visionen vermissen und führte über Zahlen – als die nicht mehr stimmten, blieb da nicht mehr viel. Das Unternehmensprogramm Siemens 2014 war seine zweite Chance. Die hat er nicht genutzt. Ein starker Chef hätte diese Schwächephase überstanden. Doch Löscher hatte im schwierig zu führenden Siemens-Konzern einen schweren Stand. Das Unternehmen braucht vor allem Ruhe. Die gibt es aber – bitter für Löscher angesichts der Verdienste, die er sich auch erworben hat – nur ohne Löscher. Sonst hätte ein heißer Herbst gedroht. Daher ist seine Ablösung konsequent.

Doch die Löscher-Kritiker sollten sich nicht täuschen: Auch ohne Löscher ist der Konzern längst nicht aller Sorgen ledig. Alle Entscheidungen wurden vom gesamten Vorstand getroffen, und für Renditeziele ist insbesondere der Finanzvorstand mitverantwortlich, der nun Chef werden könnte. Und auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ist Teil des Führungsproblems.

  • 28.07.2013, 08:02 Uhrmondahu

    "Siemens-Chef Löscher muss gehen"

    Kommentar zum Schlußkommentar im Parallelartikel:

    Soweit mußte es kommen, wenn man das Gesabbere in den Kommentarspalten zu lange durchgehen läßt. Gute Besserung, liebes HB.

  • 28.07.2013, 09:33 UhrCharly

    Deutschland wird mittlerweile von solchen Typen ohne Visionen abgewrackt.
    Sein Nachfolger dürfte es auch kaum besser machen.
    Siemens ist da nur exemplarisch.
    BWL-er und Rechtsverdreher und andere abgehobene Pseudowissenschafler taugen allenfalls für die Buchhaltung und die Verwaltung des Niedergangs.

  • 28.07.2013, 09:34 UhrG.Fuerst

    es kam wie es kommen musste. Allein das Problem mit den Lieferverzögerungen der ICE und den daraus resultierenden Strafzahlungen hatte Herr Löscher wohl nicht primär auf seiner Agenda. Es bleibt nur zu hoffen, dass im Rahmen dieser Bereinigung auch der
    AR Vorsitzende Herr Cromme - nach seiner Thyssen Affäre - ersetzt wird.

    GÜFÜ

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