Kommentar
Buhrow bringt gute Voraussetzungen mit

Der neue Intendant des WDR übernimmt ein schweres Amt. Nach bleiernen Jahren muss Tom Buhrow die Anstalt modernisieren. Von der Selbstgefälligkeit seiner Vorgängerin kann er lernen, sollte sich aber nichts abschauen.
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Die Würfel im Rundfunkrat sind gefallen. Tom Buhrow wird den WDR künftig als Intendant führen. Der Moderator der „Tagesthema“ im Ersten übernimmt in Köln ein schweres Amt. Denn die größte ARD-Anstalt ist seit langem gelähmt. Die Jahre unter seiner Vorgängerin Monika Piel waren bleiern. Misstrauen und Missgunst beherrschte den Sender. Innovationen im Programm fehlten. Zu echter Selbstkritik war die selbstgefällige Intendantin ohnehin nie in der Lage.

Der Rundfunkrat hat sich mit seiner Entscheidung Zeit gelassen. Das ist gut so. Zum ersten Mal gab es einen breiten Ausleseprozess mit höchst unterschiedlichen Kandidaten, auch wenn in der Endrunde kein einziger Kandidat aus der Wirtschaft zur Diskussion stand. Dennoch, es ist eine gute Nachricht, dass wieder ein ausgewiesener Journalist an der Spitze des WDR steht.

Buhrow kennt das Fernsehgeschäft von die Pieke auf. Der bescheiden auftretende Redakteur arbeitete an der Lokalfront in Düsseldorf ebenso gut wie als ARD-Korrespondent in Washington – kompetent, unaufgeregt, kritisch. Mit solchen Journalisten hat der WDR schon einmal eine gute Erfahrung gemacht. Fritz Pleitgen führte die Kölner Anstalt in schwierigen Zeiten durch eine stürmische See. Ein Vorbild.

Auch Buhrow hat es nicht leicht. Der 54-Jährige wird auch viel lernen müssen. Denn mit dem Führen eines milliardenschweren Unternehmens hat der ausgleichende Nachrichtenmann keine Erfahrung. Er ist deshalb gut beraten, einige Führungskräfte auszutauschen und sich Wirtschafts- und Finanzexperten von außen zu holen, um die Anstalt endlich zu modernisieren. Noch immer gibt es eine opulente Verwaltung, umständliche Entscheidungsprozesse und anachronistische Hierarchien, die eine betriebswirtschaftliche Effizienz verhindern.

Buhrow muss vor allem dafür sorgen, dass der WDR journalistisch und programmlich wieder zu einer ersten Adresse in der Republik wird. Eines seiner Hauptziele wird es sein, die völlig überalterte Zuschauerschaft zu verjüngen. Denn das Durchschnittsalter im Regionalprogramm liegt jenseits der 60 Jahre. Öffentlich-rechtliches Fernsehen kann aber nur funktionieren, wenn der drohende Generationenabriss verhindert wird. Denn sonst verliert der öffentlich-rechtliche Rundfunk weiter an Rückhalt.

Vor allem muss Buhrow zu einem Dialog mit den Bürgern zurückkehren. Die neue Rundfunkgebühr, die alle Bürger zum Zahlen verpflichtet, unabhängig ob sie die Angebote im Fernsehen, Radio oder Internet tatsächlich nutzen, wird in weiten Teilen der Gesellschaft und der Wirtschaft als zutiefst unfair empfunden. Seine Vorgängerin Piel erwies sich im Streit um die Rundfunkfinanzierung als ein führender Betonkopf. Mit ihrer selbstgerechten Position ist sie gescheitert. Daraus kann Buhrow viel lernen.

Der neue WDR-Intendant hat ein Talent, das nicht viele seiner Kollegen haben. Er kann aufmerksam zuhören. Zudem neigt er nicht zu dogmatischen, engstirnigen Ansichten. Das sind gute Voraussetzungen die Kölner Anstalt in eine bessere Zukunft führen zu können. Qualität, Fairness und Unabhängigkeit sind Tugenden, die in den vergangenen Jahren beim WDR unter die Räder gekommen sind. Mit Buhrow besteht nun die Chance, dass diese Werte eine neue Renaissance erleben. Die Zuschauer, sprich Gebührenzahler, wären dankbar.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Kommentar: Buhrow bringt gute Voraussetzungen mit"

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  • Die guten Voraussetzungen:

    Er ist farblos, wie sonst keiner und liest abends Nachrichten vom Blatt, die schon morgens im Internet standen.

    Was für ein erbärmliches Mainstream-Medium ist doch die "Tagesschau", das sogenannte Flaggschiff der ARD.

    Es gibt allerdings etwas, das noch schlimmer ist, als die Tagesschau:

    Die unzähligen, katastrophal schlecht gemachten Tatort-Krimis, die schnellstens den Griff zur Fernbedienung erforderlich machen.

  • Was von den Staatssendern und deren Berichterstattung zu halten ist, zeigt unter anderem die Reaktion- um es höflich zu formulieren- eines Radio-Bremens Journalisten über einen türkischen Migranten, der es wagte Sympathie mit den Deutschen zu bekunden, und anders als RadioBremen rassistische und ordinäre Gewalt gegen Deutsche zu verurteilen:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/mit_mir_nicht_du_vollpfosten

  • Beim WDR muss man nichts können, man muss nur die Spielregeln kennen und mitspielen. Im Gegenzug bekommen die dann von unseren Volksverrätern so schöne Dinge wie "Haushaltsabgabe" und "Bürgerservice" abgenickt und Einwohnermeldeämter gleichen Daten von Bürgern mit einem Inkassounternehmen ab.

    Unsere Politker kann man nur verachten, wenn man bedenkt wie schwer das Leben für viele so schon ist.

    Aber Hauptsache die Glotze läuft....

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