Kommentar
Chinas Vize stellt sich vor

Der chinesische Vizepräsident Xi Jinping wird in Washington erwartet. Doch er kommt nicht für eine neue Ära der chinesisch-amerikanischen Beziehungen, sondern um sich als künftiger starker Mann vorzustellen.
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China macht den Amerikanern Angst. Und China fasziniert sie. Angst, weil das Riesenreich so schnell und unaufhaltsam wächst und dabei ein Selbstbewusstsein zeigt, das irritiert. Und China fasziniert, weil dieses Wachstum viele Amerikaner neidisch macht und sehnsüchtig. Denn so wie China war Amerika einmal selbst: immer vorwärtsstrebend, gelegentlich ruppig, stets erfolgreich. Die aktuelle China-Politik der USA ist ein Abbild dieser Ambivalenz. Washington hat endlos viele Wünsche an Peking. Aber gleichzeitig befestigt die US-Regierung ihren Schutzwall gegen Chinas Ambitionen.

Und ebendiese Botschaft ist es, die den chinesischen Thronfolger, Vizepräsident Xi Jinping, diese Woche in den USA erwartet. Einerseits werden enorme Hoffnungen in China gesetzt: Peking soll seine Währung aufwerten, seinen Exportüberschuss begrenzen, es soll in den USA investieren und die Menschenrechte achten. Gleichzeitig aber schmieden die USA neue Handelsbündnisse im pazifischen Raum, verstärken dort ihre Militärpräsenz und ermuntern die Menschen in Tibet, Taiwan und der Nordwestprovinz Xinjang, gegen die Obrigkeit in Peking Widerstand zu leisten.

Das Problem der beiden Mächte ist offensichtlich: Während China aufstrebt und ökonomisch wie politisch weit ausgreift, sind die USA in der Defensive. Amerika muss verteidigen, was es besitzt: die Dominanz im pazifischen Raum, die Attraktivität für viele asiatische Länder, die Stärke der eigenen Volkswirtschaft und ihres Symbols, des Dollars. Auf all diesen Feldern gab es schon lange keine Erfolge mehr. Vor wenigen Monaten erst begannen die USA damit, verlorene Machtpositionen im pazifischen Raum zurückzugewinnen. Und die Wirtschaft krankt inzwischen im vierten Jahr in Folge.

Die Position der Schwäche könnte in dieser Woche kaum augenfälliger sein: Wenn US-Präsident Barack Obama heute Xi Jinping begrüßt, dann hat er tags zuvor ein Budget für das Jahr 2013 vorgelegt, das mit 900 Milliarden Dollar wieder ein Riesendefizit ausweist. Ganz zu schweigen vom laufenden Haushalt 2012, dessen Fehlbetrag sich auf astronomische 1,33 Billionen Dollar beläuft. Zur Finanzierung brauchen die USA China dringend.

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Xi will, dass man ihn in Amerika kennt.

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