Kommentar
Chinesisches Fair Play

Amerika muss sich entscheiden: Nach dem Angebot der chinesischen Ölgesellschaft CNOOC zur Übernahme des kalifornischen Konzerns Unocal kann die US-Regierung nicht länger der Grundsatzfrage ausweichen, ob sie den wachsenden Großmachtansprüchen Chinas einen Riegel vorschieben soll.

Während es für die Eindämmung der politischen und militärischen Ansprüche Pekings gute Gründe geben mag, wäre eine Abriegelung der Wirtschaft aber höchst kontraproduktiv.

Die China-Kritiker begründen ihre Forderungen nach Handelssanktionen damit, dass sich das aufstrebende Reich der Mitte nicht an die Spielregeln des freien Welthandels halte. Ob Währungsmanipulation, Produktpiraterie oder die Behinderung von Auslandsinvestitionen – das Sündenregister ist lang. China würde nie die volle Übernahme einer heimischen Firma durch einen US-Konzern zulassen, bemängeln US-Senatoren.

Da kann Notenbankchef Alan Greenspan noch so laut vor den Gefahren protektionistischer Maßnahmen warnen, die Stimme der ökonomischen Vernunft erreicht die Kritiker nicht. Diese pochen auf Fairness und das Prinzip der Gegenseitigkeit. Wenn China das Fair Play ignoriere, müssten die USA ihre Wirtschaft eben schützen.

Doch fair ist nicht immer auch klug. Protektionismus hat auf lange Sicht seinen Protagonisten stets mehr geschadet als genutzt. Das gilt auch für den Umgang mit China. Dass Sanktionen Peking zu einer schnelleren Öffnung seiner Märkte bewegen könnten, ist unwahrscheinlich. Sicher ist je-doch, dass Strafzölle und Übernahmeverbote die Kosten der US-Wirtschaft erhöhen, ihre Effizienz mindern und den Lebensstandard senken.

Die Amerikaner sollten sich deshalb an ihre „Japan-Hysterie“ der 80er-Jahre erinnern. Auch damals wollten viele das Land zu einer Festung machen und die Zugbrücken hochziehen. Heute gehören japanische Firmen zu den größten Arbeitgebern der USA. Allerdings: Japan war für die USA damals bereits ein politischer Verbündeter und kein strategischer Konkurrent um die Vorherrschaft im 21. Jahrhundert.

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