Kommentar: Claudia Roth kann einpacken

Kommentar
Claudia Roth kann einpacken

Das Experiment der innerparteilichen Demokratie, das die Grünen als erste Partei gewagt haben, hat funktioniert. Politisch ändert sich zwar nicht viel. Für Chefin Claudia Roth ist es jedoch ein eindeutiges Fanal.
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Die Basis der Grünen hat den Bundestagswahlkampf mit einem Paukenschlag eingeleitet. Dass statt Renate Künast nun Katrin Göring-Eckardt neben Jürgen Trittin Spitzenkandidatin wird, damit hatte kaum jemand gerechnet. Der Triumph gehört auch dem Baden-Württemberg Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann – dem mächtigsten Unterstützer der Bundestagsvizepräsidentin.

Das Experiment der innerparteilichen Demokratie, das die Grünen als erste Partei gewagt haben, hat also funktioniert: Fast zwei Drittel der knapp 60.000 Mitglieder haben sich dem Willen der Mächtigen an der Spitze von Partei und Fraktion entgegengestellt. Anfangs war diese Urwahl nur ein Notbehelf, weil sich die vielen Halb-Mächtigen an der Spitze nicht einigen konnten. Nun kann die Partei stolz ihre zuvor fast vergessene Tradition der Basisdemokratie feiern. Das ist auch für die Volksparteien eine Herausforderung, die bleibt.

Politisch ändert sich an der Marschrichtung der Grünen damit jedoch erst einmal nichts. Göring-Eckardt war zwar wie Künast in der Vergangenheit prinzipiell offen für Experimente mit Schwarz-Grün – anders als Trittin und Roth. Für die Wahl 2013 jedoch hat auch sie diese Option bis zum Wahltag ad acta gelegt, und damit die frühere Unabhängigkeitsstrategie der Partei. Sollte die Kanzlerin jedoch die Wahl zwischen einer großen Koalition und Schwarz-Grün bekommen, könnte eine neue Dynamik in der Ökopartei entstehen, die etwa bei einem Spitzenduo Trittin-Roth nicht denkbar wäre.

Für die unterlegenen grünen Spitzenfrauen ist das Ergebnis der Urwahl sehr wohl eine Niederlage. Fraktionschefin Renate Künast hat es nicht geschafft, nach ihrer Niederlage im Kampf ums Berliner Rathaus wieder den alten Einfluss zurück zu gewinnen.

Dramatisch ist das Ergebnis von Claudia Roth. Eine Parteichefin, die gerademal ein Viertel der Basis als Spitzenkandidatin will, kann einpacken. Würden die Delegierten sie am kommenden Wochenende erneut neben Cem Özdemir zur Vorsitzenden wählen, es wäre der letzte Beweis dafür, dass es egal ist, wer diese Partei führt. Roth muss ihre Kandidatur aufgeben.

Kommentare zu " Kommentar: Claudia Roth kann einpacken"

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  • Ich habe Sie einmal Live erlebt,das hat mir gereicht.
    Sie ist der Prototyp derer Politiker,die alles von der Gemeinschaft verlangen,aber selber außer dem Abitur und einem abgebrochenem Studium nichts vorzuweisen haben.

  • Ein_Sparsamer
    sehr gut beschrieben
    ABer mal ehrlich, sie wird uns fehlen, die ständig neue Haarfarbe, die Klamotten, als wäre das ganze Jahr Karneval, das Gehabe als wäre sie gerade mal 20.
    An all das waren wir doch so gewöhnt

  • Die Revolution frisst Ihre Kinder.

    Ihr Grünen werdet auch noch merken, daß Basisdemokratien langfristiger Strategie schadet.

  • Zeitzeug
    ich glaube, Sie ahben Recht.
    Die Göring-Eckardt verschleiert ihren Sozialismus und ihr Anti-Deutsch-Sein nur besser als Roth

  • Otto-Wilhelm. Wohl niemand hat ernsthaft geglaubt, der Paradiesvogel würde die Sachen packen.Nun versucht Frau Roth die Mitleidstour. Die Frage ist doch letzlich,warum hat die Abstimmung überhaupt stattgefunden, wenn die alten Parteikader gleich wieder kungeln. Ich denke,verloren ist verloren! Schade, diesmal hatte ich ernsthaft vor, die Partei zu wählen. Nun werde ich wohl zum großen Haufen der Nichtwähler wechseln !

  • Auch Grüne kleben wie Blei an Ihren Sesseln! Nach den Stuttgartern (mit mir wird Stuttgart 21 nie gebaut) nun Claudia Roth - wie verlogen ist das denn?
    Ein Aufschrei ginge durchs Land wenn das Politker aus den "bürgerlichen" Parteien "gemacht hätten - aber bei grünem Wahlvolk ist wohl Verlogenheit ein anderes Wort für Flexibilität.

  • Ohne diese Flowerpower-Tante hat Grün wesentlich mehr Chancen. Denn sie ist ja auch nicht davon abzuhalten, ihre reichlich abwegigen Vorstellungen auch nöch öffentlich kundzugeben!

  • @brainman: die Basis hat über die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl entschieden, und nicht darüber, ob irgendjemand seine Position räumen soll. Das gilt für Claudia Roth und für Renate Künast.

    Daher macht meiner Meinung nach auch ein Rücktritt keinen Sinn. Nächste Woche sollte sie sich um den Parteivorsitz bewerben, und man wird dann sehen, dass (!) die Mitglieder hinter ihr stehen. Aber für die Wahl 2013 ist sie eben nicht gewählt worden. Wie sie selber schrieb: "Das ist Demokratie."

    Und ja, ich würde mir in Unternehmen auch gerne mehr Demokratie wünschen, aber irgendwie ist das in unserem System nicht möglich. Ob es am Kapitalismus liegt, oder an der 'Marktwirtschaft'? Wer weiss.

    Seinen Vhef negativ zu beurteilen ist erfahrungsgemäß der kürzeste Weg ins Abseits. Auch wenn er eine Pfeiffe ist, halten die 'Manager' alle zusammen. Sie könnten ja als nächste beurteilt werden. ;-)

  • Lerchenzunge: Die Basis hat entschieden. So einfach ist das Leben. Ich wünschte mir diese Prozesse auch in Unternehmen. Dann würden wir nicht von Krise reden, versprochen.

  • Brauchst wohl eine dominante Scheinmutti - aber nur in der Politik, zum jederzeitigen Anklicken im Netz und dann wieder abklicken. Die aufgeplusterte, vorlaute, immer mehr stutenhaft hustende, zickenlastige Dame hast Du wohl noch nie realtime erlebt.

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