Kommentare

_

Kommentar: Claudia Roth kann einpacken

Das Experiment der innerparteilichen Demokratie, das die Grünen als erste Partei gewagt haben, hat funktioniert. Politisch ändert sich zwar nicht viel. Für Chefin Claudia Roth ist es jedoch ein eindeutiges Fanal.

Handelsblatt-Korrespondentin Barbara Gillmann.
Handelsblatt-Korrespondentin Barbara Gillmann.

Die Basis der Grünen hat den Bundestagswahlkampf mit einem Paukenschlag eingeleitet. Dass statt Renate Künast nun Katrin Göring-Eckardt neben Jürgen Trittin Spitzenkandidatin wird, damit hatte kaum jemand gerechnet. Der Triumph gehört auch dem Baden-Württemberg Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann – dem mächtigsten Unterstützer der Bundestagsvizepräsidentin.

Anzeige

Das Experiment der innerparteilichen Demokratie, das die Grünen als erste Partei gewagt haben, hat also funktioniert: Fast zwei Drittel der knapp 60.000 Mitglieder haben sich dem Willen der Mächtigen an der Spitze von Partei und Fraktion entgegengestellt. Anfangs war diese Urwahl nur ein Notbehelf, weil sich die vielen Halb-Mächtigen an der Spitze nicht einigen konnten. Nun kann die Partei stolz ihre zuvor fast vergessene Tradition der Basisdemokratie feiern. Das ist auch für die Volksparteien eine Herausforderung, die bleibt.

Politisch ändert sich an der Marschrichtung der Grünen damit jedoch erst einmal nichts. Göring-Eckardt war zwar wie Künast in der Vergangenheit prinzipiell offen für Experimente mit Schwarz-Grün – anders als Trittin und Roth. Für die Wahl 2013 jedoch hat auch sie diese Option bis zum Wahltag ad acta gelegt, und damit die frühere Unabhängigkeitsstrategie der Partei. Sollte die Kanzlerin jedoch die Wahl zwischen einer großen Koalition und Schwarz-Grün bekommen, könnte eine neue Dynamik in der Ökopartei entstehen, die etwa bei einem Spitzenduo Trittin-Roth nicht denkbar wäre.

Für die unterlegenen grünen Spitzenfrauen ist das Ergebnis der Urwahl sehr wohl eine Niederlage. Fraktionschefin Renate Künast hat es nicht geschafft, nach ihrer Niederlage im Kampf ums Berliner Rathaus wieder den alten Einfluss zurück zu gewinnen.

Dramatisch ist das Ergebnis von Claudia Roth. Eine Parteichefin, die gerademal ein Viertel der Basis als Spitzenkandidatin will, kann einpacken. Würden die Delegierten sie am kommenden Wochenende erneut neben Cem Özdemir zur Vorsitzenden wählen, es wäre der letzte Beweis dafür, dass es egal ist, wer diese Partei führt. Roth muss ihre Kandidatur aufgeben.

  • 13.11.2012, 17:36 Uhrpollopollo

    Ich habe Sie einmal Live erlebt,das hat mir gereicht.
    Sie ist der Prototyp derer Politiker,die alles von der Gemeinschaft verlangen,aber selber außer dem Abitur und einem abgebrochenem Studium nichts vorzuweisen haben.

  • 12.11.2012, 18:09 Uhrmargrit117888

    Lerchenzunge
    Sind bei Ihnen alle die nicht Links und stramm links sind, schon rechtslastig?
    Was kommt als Steigerung? Dass wir alle, die wir links nicht mögen, Nazis sind?

  • 12.11.2012, 18:06 Uhrmargrit117888

    Ein_Sparsamer
    sehr gut beschrieben
    ABer mal ehrlich, sie wird uns fehlen, die ständig neue Haarfarbe, die Klamotten, als wäre das ganze Jahr Karneval, das Gehabe als wäre sie gerade mal 20.
    An all das waren wir doch so gewöhnt

  • Kommentare
Kommentar: Die Attacken auf Google sind ein Ablenkmanöver

Die Attacken auf Google sind ein Ablenkmanöver

Politiker sehen Google als das Böse in bunter Gestalt. Doch eine Zerschlagung des Konzerns, wie das EU-Parlament sie nun fordert, ist Populismus – schon jetzt könnte man seine Macht begrenzen. Es tut nur niemand.

Lahmer Bundesparteitag: Reizlose Grüne

Reizlose Grüne

Statt neue Wirtschaftskonzepte vorzulegen, besinnen sich die Grünen bei ihrem Bundesparteitag lieber auf alte Feindbilder. Das mag intern für Einigkeit sorgen, doch voran kommt die Partei so nicht.

  • Kolumnen
Der Werber-Rat: Work-Life-Glühwein

Work-Life-Glühwein

Unsere Arbeitskultur ist geprägt vom Effizienzgedanken, von Leistung und einer grenzenlosen Erreichbarkeit. Das ist der Preis der Globalisierung. Auf der Strecke bleibt die vielgepriesene Work-Life-Balance.

Der moderne Mann: Wie man eine politisch korrekte Weihnachtsfeier plant

Wie man eine politisch korrekte Weihnachtsfeier plant

Schon wieder Weihnachten und Herr K. muss eine Feier planen. Schwierig, wenn man dabei auch an die Umwelt denken muss. Und die Vegetarier. Und die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. Ob das noch eine Feier wird?

Was vom Tage bleibt: Es lebe die Inflation

Es lebe die Inflation

Draghi kämpft für die Inflation. Die AfD spekuliert sich irgendwann in die Pleite. Die „lahme Ente“ Obama ist putzmunter. Russland eröffnet eine Propagandamaschine am Potsdamer Platz. Das sollten Sie heute gelesen haben.

  • Gastbeiträge
Steuerpolitik: Neid essen Verstand auf

Neid essen Verstand auf

Der Ruf nach einer Erhöhung der Kapitalertragsteuer wird lauter. Ein Plädoyer für eine investitionsfreundliche Besteuerung in zehn Thesen. Aktionäre dürfen nicht länger bestraft werden.

Gastbeitrag zur Rollenverteilung: „Ich habe es nie bereut, Hausmann zu werden“

„Ich habe es nie bereut, Hausmann zu werden“

„Klar ist man noch ein Exot“: Ein Hausmann und Vater berichtet darüber, wie es ist, die traditionelle Rollenverteilung umzukehren, und warum er es trotz gemischter Reaktionen immer wieder tun würde.

Gastbeitrag: Über kluge Machtpolitik

Über kluge Machtpolitik

Kluger Machtpolitik geht es nicht nur um den richtigen Mix harter und weicher Mittel. Vielmehr antizipiert sie ihre Wirkung auf Beziehungsgeflechte und die außenpolitische Identität der Staaten, meint Hanns W. Maull.

  • Presseschau
Presseschau: Ups, die RBS hat sich verrechnet

Ups, die RBS hat sich verrechnet

Die Royal Bank of Scotland hat den jüngsten europäischen Bankenstresstest knapper bestanden als gedacht: Die Bank hat sich nach eigenen Angaben verrechnet – und zwar um Milliarden. Das könnte jetzt teuer werden.