Kommentar
Cromme kehrt sich am Ende selbst aus

Als Chefkontrolleur bei Thyssen-Krupp wollte Cromme strikt mit Skandalen und Fehlentwicklungen aufräumen. Kritik an seiner Amtsführung wischte er stets beiseite. Die von ihm selbst propagierte Härte holt ihn nun ein.
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Härte propagierte Gerhard Cromme bei der Aufklärung der Korruptionsfälle, in die Thyssen-Krupp und Siemens verwickelt waren. Ausgerechnet über die tief in Schmiergeldzahlungen und Kartellabsprachen verwickelten deutschen Traditionskonzerne wachte der langjährige Vorsitzende der Regierungskommission Corporate Governance als Chefkontrolleur.

Radikal wollte Cromme die Affären bei Siemens aufklären. Mit eisernem Besen wollte Cromme bei Thyssen-Krupp die Kultur von Korruption und Gefälligkeiten auskehren. Doch am Ende holt ihn die propagierte Härte ein.

Denn hart war Cromme gegenüber anderen, aber nicht gegenüber sich selbst. Kritik an seiner Amtsführung wischte er stets harsch beiseite. Daher ist sein Abgang bei Thyssen-Krupp überfällig - sei er selbst gewählt, oder vom Chef der mächtigen Familienstiftung, Berthold Beitz, erzwungen. Vielleicht wurde der Druck am Ende einfach auch zu groß.

Immerhin war Cromme seit 2001 Aufsichtsratschef des angeschlagenen Stahlkonzerns. Die lange Liste der Verfehlungen – Schienenkartell, Schmiergeldzahlungen in der Aufzugsparte und Milliardenabschreibungen wegen der gescheiterten Investitionen in Stahlwerke in Brasilien und den USA – fallen zweifellos in die Amtszeit von Cromme.

Während um ihn herum Korruption wucherte und das Management schwerwiegende Fehlentscheidungen traf, will der Chefaufseher nichts bemerkt haben – aber doch genau genug hingeschaut haben. So zog Cromme auf der Hauptversammlung Gutachten aus dem Köcher, die ihm und dem Aufsichtsrat bescheinigten, ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen zu sein.

Doch allein den Pflichten nachzukommen konnte die vielen Desaster bei Thyssen-Krupp nicht verhindern. So ist es nur richtig, dass der 70-Jährige nicht nur seine Pflichten wahrnimmt, sondern den Posten beim Konzern wie auch bei der einflussreichen Krupp-Stiftung aufgibt.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

Kommentare zu " Kommentar: Cromme kehrt sich am Ende selbst aus"

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  • Was für ein unerträglicher Heuchler. Wieso können sich solche Versager in der deutschen Wirtschaft so lange oben halten?

  • This is but part of an appropriate end for a highly-compensated manager who is more Heiligschein than sein.

    Ultimately, Die Firma should claw-back his bonuses and definitely not award him a Golden-Parachute-Parting-Gift-Abfindung. Then with him as the vorbild as to how such a clean-up should proceed, the procedure should be repeated for every manager, whether still employed by TK or elsewhere, or retired, in the line between Chromme and the lowly operative functionaries who participated in these crimes.

    This would put the proper teeth in Zero Tolerance.

  • Da haben wir ihn wieder, den dümmlichen angloamerikanischen Dummschwätzer. Keine Ahnung aber hier mitreden wollen. Seine letzte Prognose war, TK geht den Bach runter und die arroganten Standard & Poors sind oberschlau.
    Ami, go home.

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