Kommentar
Dämpfer für Ackermann

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres die Finanzmärkte und Analysten enttäuscht. Die Aktie brach um über drei Prozent ein. Auf den zweiten Blick sieht das Quartalsergebnis zwar nicht ganz so finster aus, aber überzeugend ist es keineswegs. Die Zahlen sind nur solide - nicht mehr und nicht weniger.

Das Ergebnis zeigt deutlich die Schwachpunkte, an denen Konzernchef Josef Ackermann ansetzen muss. Die Kapitalmarktabhängigkeit der Deutschen Bank ist immer noch zu groß. Dem deutschen Branchenprimus ist es in den zurückliegenden Monaten nicht, wie in der Vergangenheit, gelungen, den schwierigen Marktbedingungen zu trotzen. Das Ergebnis im Kerngeschäft Investmentbanking ist rund ein Drittel niedriger ausgefallen als noch im ersten Quartal. Das trifft die Deutsche zweifelsfrei härter als ihre internationale Konkurrenz. Denn anders als den amerikanischen Bankriesen Citigroup oder JP Morgan Chase fehlt der Deutschen Bank immer noch der Ausgleich auf der deutlich weniger sachwankungsanfälligen Privatkundenseite. Diese liegt mit einem Halbjahresergebnis von 500 Mill. Euro zwar voll in ihrem ausgesprochen ambitionierten Plan, im Gesamtjahr einen Ergebnisbeitrag im Konzern von einer Milliarde Euro abzuliefern. Aber eben auch nicht mehr: Die Rückgänge im Kapitalmarktgeschäft kann sie jedenfalls nicht auffangen.

Die ambitionierten Hoffnungen von Konzernchef Josef Ackermann, schon im laufenden Jahr mit einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern zu den internationalen Wettbewerbern aufzuschließen, erhalten mit diesem Quartalsergebnis einem Dämpfer. Der Schweizer, der mit seinem Haus dem heimischen Markt und der heimischen Konkurrenz längst entwachsen ist und sein Heil in Europa sucht, kann nur hoffen, das die erwartete Konsolidierungswelle nicht in den nächsten Monaten über Europa rollt. Denn noch kann er nicht auf Augenhöhe mit möglichen Fusionspartnern verhandeln. Dafür braucht die Deutsche Bank noch Zeit. Zeit, die sie nutzen muss, die Schwankungsanfälligkeit ihrer Ergebnisse zu verringern. Denn die liebt die Börse nicht.

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