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Kommentar: Daimlers EADS-Brocken

Der Stuttgarter Autobauer ist größter Einzelaktionär des Luftfahrtkonzerns EADS. Durch die Fusionspläne von EADS und BAE Systems bietet sich nun die ersehnte Verkaufsoption. Ein Erfolg wird daraus nur mit kluger Taktik.

Ein EADS-Eurocopter landet am 12. September 2012 auf dem Gelände der Luftfahrtmesse ILA in Berlin. Quelle: AFP
Ein EADS-Eurocopter landet am 12. September 2012 auf dem Gelände der Luftfahrtmesse ILA in Berlin. Quelle: AFP

Die Anekdote ist natürlich nicht verbürgt, aber alte Daimler-Veteranen erzählen sie immer noch gerne. Als Daimler-Chef Jürgen Schrempp und Chrysler-Chef Bob Eaton eine ihrer ersten gemeinsame Vorstandssitzungen hielten, referierte auch das für MTU zuständige Vorstandsmitglied über sein Geschäft. „Jürgen“, soll Eaton erstaunt gefragt haben, „baut ihr etwa auch Flugzeugtriebwerke?“ Ja, sogar ganze Flugzeuge, soll die Antwort gewesen sein.

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Fokker, Dasa, MTU - der Konzern mit dem Stern war in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein echter Faktor in der weltweiten Luftfahrtindustrie. Mehr als eine Dekade später wünscht sich Daimler nichts mehr, als wieder ein normaler Autokonzern zu sein. Dem Ziel ist man inzwischen sehr nah gekommen. MTU gehört der Börse wie Chrysler zu Fiat. Die einstigen Visionäre vom Schlage eines Edzard Reuter oder Jürgen Schrempp sind weg. Geblieben sind der Pragmatiker Dieter Zetsche und das Relikt einer vergangenen Ära: Mit 22,5 Prozent ist Daimler der größte Einzelaktionär der Airbus-Mutter EADS. Und diese Anteile sollen endlich aus der Bilanz verschwinden.

Markus Fasse ist Korrespondent in München. Quelle: Pablo Castagnola
Markus Fasse ist Korrespondent in München. Quelle: Pablo Castagnola

Die Gelegenheit ist da. EADS-Chef Tom Enders will den Luft- und Raumfahrtkonzern mit der britischen BAE Systems verschmelzen. Der bisher geltende Aktionärspakt, mit dem sich Daimler an die französischen Kernaktionäre Lagardère und den französischen Staat gekettet hat, würde aufgelöst. Eigentlich ein verlockender Plan, denn Daimler könnte über kurz oder lang seine Aktien verkaufen und wäre die Verantwortung für die fast 50 000 EADS-Beschäftigten in Deutschland los.

Doch die Stuttgarter zögern, sie stehen selber unter dem Druck der Kapitalmärkte. Daimler hat seine Anteile mit 2,68 Milliarden Euro in den Büchern bewertet, der Marktwert ist beinahe doppelt so hoch, doch er täuscht. Verkaufen ließe sich so ein Brocken wohl nur scheibchenweise. Zudem sind 7,5 Prozent der Aktien bereits bei Banken geparkt, und die müsste Daimler bei dem Deal schadlos halten. Und schließlich würden alle Daimler-Anteile an EADS stark verwässert, denn EADS-Chef Tom Enders ködert die kleinere BAE Systems mit einem großzügigen Anteil von 40 Prozent an dem neuen Unternehmen. Die Börse hat ihr Urteil schon gesprochen: Seit dem 12. September, dem Tag der Bekanntgabe der Fusionsgespräche, ist der Kurs der EADS-Aktie um rund 15 Prozent gefallen.

EADS

Es bleibt eine Rückfalloption. Denn die Stuttgarter haben bereits vor Bekanntgabe der Fusionspläne die Bundesregierung dazu gebracht, 15 Prozent ihrer bestehenden EADS-Anteile zu übernehmen. Diese Zusage hat Finanzchef Bodo Uebber in der Tasche, auch wenn die Fusion mit BAE Systems nicht klappt. Wie viel Steuergeld die Bundesregierung dem Stuttgarter Autobauer versprochen hat, ist nicht bekannt.

Am Ende wird Daimler eines mit ins Kalkül ziehen: Nach fast drei Jahrzehnten haben der Konzern und sein Management die Chance, sich endlich wieder nur um Autos, Lastwagen und Dieselmotoren kümmern zu dürfen. Auch das wäre ein Wert an sich.

Der Autor ist erreichbar unter:fasse@handelsblatt.com

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