Kommentar
Danke Bundesverfassungsgericht!

Das Karlsruher Urteil bringt gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften mehr als nur materiellen Vorteil: Jetzt werden wir ein bisschen mehr genauso gerecht oder ungerecht vom Staat behandelt, wie andere Menschen auch.

Yesssssss, Yessssss, Yessss. Das war meine erste Reaktion auf dieses unfassbar grandiose Urteil aus Karlsruhe. Ich glaube, ich habe mich noch nie so sehr über eine Gerichtsentscheidung gefreut. Es ist durch: Meine Frau und ich dürfen künftig vom Ehegattensplitting genauso profitieren, wie andere verheiratete Paare auch. Endlich. Danke Bundesverfassungsgericht! Das war nämlich all die Jahre ziemlich zum Heulen.

Ganz konkret heißt das in meinem Fall, dass ich mir dank der Ersparnis, die uns das Splitting für das Jahr 2011 ermöglicht, am Wochenende ein neues Rennrad kaufen kann. Soweit der materielle Aspekt. Aber der ist ja nicht der ganze Sinn der Sache.

Viel größer und sensationeller ist die Tatsache, dass wir dadurch wieder ein bisschen mehr genauso gerecht oder ungerecht vom Gesetzgeber behandelt werden, wie alle anderen Menschen auch. Und ich sage Menschen, denn was für ein Geschlecht einer hat oder wen er liebt, das ist schließlich völlig egal.

Entscheidend ist, was ich neulich in einem schwedischen Blog gelesen habe. Da heißt es, dass das große Problem unserer Gesellschaft einfach darin liegt, dass wir Anderssein nicht ertragen können.

„Dass Andersdenkende, Andersaussehende, Andersseiende verlacht und verhöhnt werden. Dass auch heute noch Menschen mit Fingern auf Menschen mit Down-Syndrom, Menschen mit Pickeln, rosa Haaren oder Hinkefüßen zeigen. Auf Schwule, auf Rothaarige, auf Behaarte oder Kahle. Auf Leute mit T-Shirts von den falschen Bands oder Hosen, die am Hintern zu eng, zu locker oder zu sonstwas sind. Dass bis heute kaum jemand seinen Kindern beibringt, dass man genau so sein darf wie man will und dass das so völlig ok ist. Dass das entscheidende Kriterium zur Beurteilung eines Menschen nicht “männlich” oder “weiblich” lautet. Sondern Arschloch oder Nicht-Arschloch.“

Jetzt habe ich auch die tolle Frau, die ich vor zwei Jahren geheiratet habe, angerufen. „Wow, lass uns heute Abend feiern“, sagt sie. Und ich: „Yes Baby, Rock n roll!“

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
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