Kommentar

Das absurde Aus des heimeligen Lichts

Wer anderen das Licht abdreht, ist selbst nicht erleuchtet. Die Idee der EU, Glühbirnen ab zehn Watt zu verbieten, ist reine Symbolpolitik. Das ärgert die Bürger nicht zu sehr, aber erweckt den Anschein, man täte was.
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Frank Wiebe
Der Autor

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

DüsseldorfIch schlage vor, Autos mit mehr als 70 PS zu verbieten, um den wertvollen Rohstoff Öl zu sparen und den Ausstoß von CO2 zu vermindern. Außerdem sollten wir in Deutschland alle Gebäude mit einer dicken Schicht aus Styropor überziehen, wegen der Heizungswärme, die sonst verloren geht. Zwingend vorzuschreiben wäre eine vegetarische Lebensweise, die enorm zur Schonung von Ressourcen und zur Energieeinsparung beiträgt.

Falls das nicht durchsetzbar ist, wäre auf jeden Fall ein Verbot von Rindfleisch angesagt, dazu setzt man am besten auch Hartkäse auf den Index, denn das Methan in der "Abluft" von Kühen ist bekanntlich einer der schlimmsten Klimakiller.

Ach ja, und wer gedacht hat, er kann seinen Urlaub wieder in Salvador de Bahia verbringen, für den haben wir auch eine ganz schlechte Nachricht: Eine Fernreise pro Jahr zerstört jede persönliche Ökobilanz so gründlich, dass jeder passionierte, vegetarische Radfahrer damit immer noch schlechter aussieht als der Steakliebhaber, der jeden Meter mit dem Auto zurücklegt und so auch in Urlaub fährt. Fernreisen sind also zwingend zu verbieten, ebenso wie Kreuzfahrten, bei denen sinnlos die Überreste von verbranntem Schweröl in die Luft geblasen werden.

Haben wir noch was vergessen? Klar doch, die Liste ist unerschöpflich. Schon mal was vom Thema "Feinstaub" gehört? Wenn ja, dann verzichten Sie sicher auf das nächste Osterfeuer, am besten auch auf die Kerzen an Weihnachten, und haben ihren Kamin längst zum Bücherregal umgewandelt. Auch mit Ihrem Pellet-Ofen, wenn es nicht gerade das neueste Modell ist, dürfen Sie sich nicht mehr rundum ökologisch fühlen.

Dass Elektroautos ein Schmu sind, wissen Sie wahrscheinlich schon längst, schließlich fahren die mit Strom, der zum großen Teil aus schmutziger Braunkohle erzeugt wird. Ich finde ohnehin, wir sollten die ganze Energiewende rückgängig machen. Schließlich wird, seit es diese Wende gibt, ständig vom Bau neuer Gaskraftwerke geredet: In denen wird dann auch ein wertvoller Rohstoff verbrannt, und es entsteht eine Menge CO2.

Krieg der Glühbirne nur Symbolpolitik
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26 Kommentare zu "Kommentar: Das absurde Aus des heimeligen Lichts"

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  • Stimmt, Total Symbolpolitik:
    http://tonn.ie : Gründe warum die Argumente für Verbot nicht bestehen, 14 Punkte, ausfürlich.

    Man muss nicht verwechseln, Austausch von einzige Lampen in Haus etwas zu sparen, mit etwas zu tun für Gemeinschaftliche Elektricität Versorgung:
    zB Cambridge University Network, Scientific Alliance uber EU Verbot Gluhbirnen:
    " The total reduction in EU energy use 0.54 x 0.8 x 0.76% = 0.33%
    This figure is almost certainly an overestimate...
    Which begs the question: is it really worth it?
    The problem is that legislators are unable to tackle the big issues of energy use effectively, so go for the soft target of a high profile domestic use of energy
    ...this is gesture politics."

    Regierung oder EU Bürokraten haben nichts zu machen mit "welche Gluhbirne Hans brauchen wunscht in sein Schlafzimmer" - nur mit Gemeinschaftliche Gunst!

  • Es fehlt noch ein Begriff zur Unterscheidung gegenüber der Diktatur der Sowjetunion: Finanzkapitalismus statt Sozialismus.

    Sonst kann man nur sagen: In Brüssel herrscht das Zentralkommittee des EU/Euro-Finanzkapitalismus, allerdings wesentlich dilettantischer als das Vorbild in Moskau.

    In Moskau haben sie wenigstens noch geplant, die 5-Jahrespläne waren in den Anfangszeiten vorbildlich für die Entwicklung der SU. In der EU/Eurozone hangeln sie sich von heut auf morgen weiter, wie eine Affenhorde von Gipfel zu Gipfel im (Finanz-)Dschungel. Seit Mai 2010 schon 23 Krisengipfel. Reif fürs Guinessbuch der Rekorde !

    Oder wie Shakespeare schon vorhersagte: Much Ado About Nothing ! Ob das ein Grund ist, dass seine Nachfahren diesem Euro-Affentheater ferngeblieben sind ?

    Das Vorbild Sowjet-Diktatur hat immerhin 70 Jahre gedauert.
    Das Ende der EU/Euro-Diktatur ist bereits seit Mai 2010 durch den Bruch des Euro-Stabilitätsvertrages von 1992 Maastricht in Art.123 AEUV betr. 'EZB' und in Art.125 AEUV betr. 'Keine Vergemeinschaftung von Schulden / No-Bailout' mit der rechtswidrigen Gründung der EFSF eingeleitet worden. Kurz zuvor hat der Franzose Trichet rechtswidrig mit unseren EZB-Geldern seine französischen Großbanken refinanziert.

    Mit Ratifizierung der Schäuble-ESM würde der Zerfallsprozess sogar beschleunigt werden. Warum verlängert man nicht die EFS-Fazilität, wenn überhaupt sinnvoll ?

    Übrigens finden noch Demos STOP-ESM statt am Sa.08.09.2012 ab 11:30 vor dem BVerfG in Karlsruhe, am 10.09.2102 in München.

    www.stop-esm.org gegen den Ewigen-Schuldner-Mechanismus

  • Paternalismus? Ich nenne es Totalitarismus oder Diktatur.

  • Stinksauer:
    Glühbirne? Ja, ich erinnere mich, und ich glaube, im Keller steckt so ein technischer Anachronismus auch noch in der Fassung. Die schicke ich Ihnen gerne in die Redaktion, sobald wir auf LED umgestellt haben.


    Echt_Stinksauer:
    Ihr Lobby-Beitrag hat eine gewaltige Lücke: Im Keller haben Sie eine technisch ausgereifte, zeitlose Glühbirne in der Fassung gelassen. Sie unterschlagen den technischen Anachronismus 'Quecksilber-Lampe' in Ihrem Haus, denn auf LED haben Sie offensichtlich noch nicht umgestellt.

    P.S.: Oder beleuchten Sie notgedrungen mit Kerzen oder Öllampe ? Also was ?

  • @Tigon
    Ihr Lob für den Beitrag von Frank Wiebe teile ich überhaupt nicht. Es ist geschickte Agitprop für den EU/Euro-Kapitalismus, indem er an der Oberfläche plätschert, um ein kritisches Nachdenken zu verhindern.

    Schon der Untertitel ist verniedlichend
    „Die Idee der EU, Glühbirnen ab zehn Watt zu verbieten, ist reine Symbolpolitik. Das ärgert die Bürger nicht zu sehr, ...“

    Es ist keine Symbolpolitik, sondern reine knallharte Lobby-Politik um Milliarden, um die der EU-Bürger ohne Gegenwert gebracht wird.

    Natürlich ärgert es den mitdenkenden Bürger maßlos. Lesen Sie doch nur die Kommentare, insbesondere ärgert es den Geldbeutel der Bürger und die Umwelt. Die ungelöste Entsorgung, wie bei der Kernkraft wird sie sozialisiert.

    Nicht erwähnt wird der unselige Beitrag der GRÜNEN, voran der inzwischen zum Bilderberger gekürte Trittin, wie bei E10 und und und.

    Und die Flaggschiffe des Euro-Kapitalismus, die Euro-STOXX-Hersteller als Profiteure,
    nämlich PHILIPS und SIEMENS/Osram.

    SIEMENS ist ja weltberühmt für seine schwarzen Kassen für 'Nützliche Aufwendungen (Schmieren von Politikern)'.

    Der EURO STOXX 50 ist ein Aktienindex, der 50 große börsennotierte Unternehmen der Eurozone beinhaltet.

    Die 'Klimakatastrophe' ist ein Billionen-Projekt der GLOBAL FINANCE.

  • Schon mal was vom Sinn und Zweck einer Titelzeile gehört

  • @ opsat: sehr gut kommentiert (und argumentiert)-> 100 % d´accord!

    @ Frank Wiebe: Danke für diesen guten Beitrag zu einem leider von den Medien schon abgehakten Thema. Dabei ist in dem Glühlampenverbot alles enthalten, was einen gegen das EU-Monster auf die Palme bringt und zugleich in die innere Kündigung treibt. Bevormundung, Verbot (mit fraglicher demokratischer Legitimation und -falls man diese doch irgendwie "herleitet" fehlender Nähe zu den Entscheidern, mit der Folge, daß man für vernünftige Argumente gar keinen Adressaten findet), ökologischer Unsinn, gesundheitlich bedenklich (blau-betontes Lichtspektrum mit potentieller Wirkung auf den Schlaf-Wach-Rhythmus, Quecksilberproblematik), wirtschaftlich vermutlich ebenfalls ungünstig (höhere Produktions-/Anschaffungskosten, mehr Heizkosten, teurere Entsorgung, Quecksilber-Sanierungs-Folgekosten etc.), sektoraler Industrieprotektionismus, vorgeschobener politischer Aktionismus, Verdummung des Wahlvolks etc.
    Ich persönlich habe keine Energiesparlampen. Falls ich sie hätte, wüßte ich nicht, wo ich sie ordnungsgemäß entsorgen sollte. Sie vielleicht? Ja, ich habe dank der tollen, kostspieligen Kampagnen auch gehört, sie müssen zum Recyclinghof gebracht werden. Nur wo ist einer? Und wie handhabe ich das praktisch? Fahre ich wegen jeder einzelnen abzugebenden Lampe dorthin (was die "tolle Energie- und Ökobilanz" mit einem Schlag ad absurdum führen dürfte oder sammele ich diese? Was, wenn in meiner Sammeltüte eine Lampe dann doch kaputtgeht ->Quecksilber?

    Und: werden auch alle Zyprioten, Bulgaren, Sizilianer, Polen, Griechen ihre ausgedienten Sondermüll-Lampen auch brav zum Recyklinghof bringen? Und falls ja: Was geschied dort wohl mit den Dingern? Werden diese dort auch - wie angegeben - fein säuberlich in ihre Bestandteile zerlegt, einschließlich der ordnungsgemäßen Quecksilberentsorgung? Und wer bezahlt das alles???

    Fazit: Das ist alles irre!

  • Hallo Herr Wiebe,
    ich verstehe ja Ihre Verzweiflung! Technologiefolgenab-schätzung war noch selten eine Stärke der, ja, wessen?? Aus meiner Sammlung zur Atomkraft( s.Wackersdorf) sende ich gerne zu!! Auch Günther Anders, E.F.Schumacher oder F.Cramer (Fortschritt durch Verzicht, 1975) seien empfohlen. Selbst F.-J.- Wagner(BILD v.22.8.2012)dämmert, dass unser Mobilitätssystem längst an seine Grenzen gekommen ist - nicht in China usf. selbstredend. Aber unsere FREIHEIT hört ja bekanntlich dort auf, wo die MANIPULATION vorherrscht: die beste M. ist doch diejenige, die man nicht merkt! Übrigens: 1985(!)
    verkaufte ich (Jg. 1947) meinen letzten DS 23 Pallas und konnte mir so einen Jahresurlaub finanzieren - (Alaska bis Feuerland). Kein Verzicht also, sondern Gewinn.

    Herzliche Grüße

    Ulrich Amediek (St.rat i.R.)

  • "ärgert zwar viele Bürger, aber auch nicht allzu sehr"

    Das glaube ich nicht. Ob des allgegenwärtigen Ökoterrorismus boykottiere ich mittlerweile alles, was auch nur entfernt damit zu tun, angefangen bei E10, Energeisparlampen bis hin zu gedämmten und damit verschimmelten Häusern. Sollte sich mein Vermieter zu eienr entsprechenden Sanierung entschließen, werde ich umziehen.

  • "Normal wäre offener Widerstand."

    Wenn die Bürger konsequent ihre alten Energiesparlampen sammeln und in die Regierungsgebäude schmeissen würden wäre mit dem Unsinn schnell Schluß.

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