Kommentar
Das absurde Aus des heimeligen Lichts

Wer anderen das Licht abdreht, ist selbst nicht erleuchtet. Die Idee der EU, Glühbirnen ab zehn Watt zu verbieten, ist reine Symbolpolitik. Das ärgert die Bürger nicht zu sehr, aber erweckt den Anschein, man täte was.
  • 26

DüsseldorfIch schlage vor, Autos mit mehr als 70 PS zu verbieten, um den wertvollen Rohstoff Öl zu sparen und den Ausstoß von CO2 zu vermindern. Außerdem sollten wir in Deutschland alle Gebäude mit einer dicken Schicht aus Styropor überziehen, wegen der Heizungswärme, die sonst verloren geht. Zwingend vorzuschreiben wäre eine vegetarische Lebensweise, die enorm zur Schonung von Ressourcen und zur Energieeinsparung beiträgt.

Falls das nicht durchsetzbar ist, wäre auf jeden Fall ein Verbot von Rindfleisch angesagt, dazu setzt man am besten auch Hartkäse auf den Index, denn das Methan in der "Abluft" von Kühen ist bekanntlich einer der schlimmsten Klimakiller.

Ach ja, und wer gedacht hat, er kann seinen Urlaub wieder in Salvador de Bahia verbringen, für den haben wir auch eine ganz schlechte Nachricht: Eine Fernreise pro Jahr zerstört jede persönliche Ökobilanz so gründlich, dass jeder passionierte, vegetarische Radfahrer damit immer noch schlechter aussieht als der Steakliebhaber, der jeden Meter mit dem Auto zurücklegt und so auch in Urlaub fährt. Fernreisen sind also zwingend zu verbieten, ebenso wie Kreuzfahrten, bei denen sinnlos die Überreste von verbranntem Schweröl in die Luft geblasen werden.

Haben wir noch was vergessen? Klar doch, die Liste ist unerschöpflich. Schon mal was vom Thema "Feinstaub" gehört? Wenn ja, dann verzichten Sie sicher auf das nächste Osterfeuer, am besten auch auf die Kerzen an Weihnachten, und haben ihren Kamin längst zum Bücherregal umgewandelt. Auch mit Ihrem Pellet-Ofen, wenn es nicht gerade das neueste Modell ist, dürfen Sie sich nicht mehr rundum ökologisch fühlen.

Dass Elektroautos ein Schmu sind, wissen Sie wahrscheinlich schon längst, schließlich fahren die mit Strom, der zum großen Teil aus schmutziger Braunkohle erzeugt wird. Ich finde ohnehin, wir sollten die ganze Energiewende rückgängig machen. Schließlich wird, seit es diese Wende gibt, ständig vom Bau neuer Gaskraftwerke geredet: In denen wird dann auch ein wertvoller Rohstoff verbrannt, und es entsteht eine Menge CO2.

Seite 1:

Das absurde Aus des heimeligen Lichts

Seite 2:

Krieg der Glühbirne nur Symbolpolitik

Kommentare zu " Kommentar: Das absurde Aus des heimeligen Lichts"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Stimmt, Total Symbolpolitik:
    http://tonn.ie : Gründe warum die Argumente für Verbot nicht bestehen, 14 Punkte, ausfürlich.

    Man muss nicht verwechseln, Austausch von einzige Lampen in Haus etwas zu sparen, mit etwas zu tun für Gemeinschaftliche Elektricität Versorgung:
    zB Cambridge University Network, Scientific Alliance uber EU Verbot Gluhbirnen:
    " The total reduction in EU energy use 0.54 x 0.8 x 0.76% = 0.33%
    This figure is almost certainly an overestimate...
    Which begs the question: is it really worth it?
    The problem is that legislators are unable to tackle the big issues of energy use effectively, so go for the soft target of a high profile domestic use of energy
    ...this is gesture politics."

    Regierung oder EU Bürokraten haben nichts zu machen mit "welche Gluhbirne Hans brauchen wunscht in sein Schlafzimmer" - nur mit Gemeinschaftliche Gunst!

  • Es fehlt noch ein Begriff zur Unterscheidung gegenüber der Diktatur der Sowjetunion: Finanzkapitalismus statt Sozialismus.

    Sonst kann man nur sagen: In Brüssel herrscht das Zentralkommittee des EU/Euro-Finanzkapitalismus, allerdings wesentlich dilettantischer als das Vorbild in Moskau.

    In Moskau haben sie wenigstens noch geplant, die 5-Jahrespläne waren in den Anfangszeiten vorbildlich für die Entwicklung der SU. In der EU/Eurozone hangeln sie sich von heut auf morgen weiter, wie eine Affenhorde von Gipfel zu Gipfel im (Finanz-)Dschungel. Seit Mai 2010 schon 23 Krisengipfel. Reif fürs Guinessbuch der Rekorde !

    Oder wie Shakespeare schon vorhersagte: Much Ado About Nothing ! Ob das ein Grund ist, dass seine Nachfahren diesem Euro-Affentheater ferngeblieben sind ?

    Das Vorbild Sowjet-Diktatur hat immerhin 70 Jahre gedauert.
    Das Ende der EU/Euro-Diktatur ist bereits seit Mai 2010 durch den Bruch des Euro-Stabilitätsvertrages von 1992 Maastricht in Art.123 AEUV betr. 'EZB' und in Art.125 AEUV betr. 'Keine Vergemeinschaftung von Schulden / No-Bailout' mit der rechtswidrigen Gründung der EFSF eingeleitet worden. Kurz zuvor hat der Franzose Trichet rechtswidrig mit unseren EZB-Geldern seine französischen Großbanken refinanziert.

    Mit Ratifizierung der Schäuble-ESM würde der Zerfallsprozess sogar beschleunigt werden. Warum verlängert man nicht die EFS-Fazilität, wenn überhaupt sinnvoll ?

    Übrigens finden noch Demos STOP-ESM statt am Sa.08.09.2012 ab 11:30 vor dem BVerfG in Karlsruhe, am 10.09.2102 in München.

    www.stop-esm.org gegen den Ewigen-Schuldner-Mechanismus

  • Paternalismus? Ich nenne es Totalitarismus oder Diktatur.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%