Kommentar
Das blinde Vertrauen der Bundesbank

Goldbarren im Wert von 133 Milliarden Euro lagern für den Bund in New York. Nie hat man sie richtig nachgezählt - und auch jetzt weigert sich die Bundesbank und widersetzt sich der Forderung des Rechnungshofs.
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FrankfurtDie Deutsche Bundesbank lässt die wertvolle deutsche Goldreserve, die sie für das deutsche Volk verwaltet, zum Großteil in New York verwahren, wo sie sie in der Zeit des Festkurssystems nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hat. Dagegen spricht zunächst einmal nicht viel. Die Tatsache aber, dass sie offenbar noch nie die Goldbarren kontrolliert und gezählt hat und sich hartnäckig weigert, dies zu tun, ist Wasser auf die Mühlen derer, die bezweifeln, dass die Bundesbank tatsächlich über dieses Gold verfügen kann. Da die Barren angeblich in separaten Räumen einzeln nummeriert für sie verwahrt werden, wäre eine Inventur kein Problem.

Mit ihrer Weigerung, die Goldbestände zu inventarisieren und in ihrer Bilanz genauere Auskunft darüber zu geben, ob das Gold verliehen wurde, befindet sich die Bundesbank in schlechter Gesellschaft. Auch die US-Notenbank und die meisten europäischen Notenbanken betreiben eine Geheimniskrämerei um das Gold, das ihnen als Volksvermögen anvertraut ist, die sachlich kaum zu rechtfertigen ist.

Wer einer Institution Vermögen im Wert von 133 Milliarden Euro zur Verwaltung anvertraut, hat einen Anspruch darauf, dass diese Institution ausführlich und genau über die Verwaltung Rechenschaft ablegt. Wenn sich die Bundesbank dem verweigert, leistet sie dem Misstrauen gegen jegliche Papiergeldwährung und damit auch gegen den Euro Vorschub, das in der Bevölkerung ohnehin schon grassiert. Es ist ja nicht vor allem die Angst vor der Inflation, die derzeit die Menschen in Sachwerte treibt, sondern die Angst davor, dass das Papiergeld an sich bald nichts mehr wert sein könnte.

Die Griechen könnten bald erleben, wie ihre noch nicht ins Ausland oder unter die Matratze verbrachten Ersparnisse mit einem Federstrich entwertet werden können. Die Hauptfunktion der Goldreserve der Bundesbank besteht darin, den deutschen das Vertrauen zu geben, dass ihnen das nicht passieren kann. Wenn Zweifel bestehen, dass die Goldreserve tatsächlich zur Verfügung steht, ist es Pflicht der Bundesbank, diesen entgegenzutreten. Wenn sie sich jahrzehntelang ohne eigene Prüfungen auf geduldiges Papier verlässt, während jedes normale Unternehmen jährlich die Anzahl der Bleistifte im Vermögensbestand per Inventur nachprüfen muss, verletzt sie diese Pflicht. Die US-Notenbank Federal Reserve, die unser Gold zum Großteil verwaltet, sollte gegen normales Geschäftsgebaren nichts einzuwenden haben. Wenn doch, dann haben wir tatsächlich ein Problem.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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  • Kryptische Orakel?

    Gold! „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ Wozu die Aufregung um schlappe einhundert Milliarden? Die Peanut- grenze beginnt neuerdings erst über der Billionengrenze.

    Das Dilemma erinnert an Erwin Schrödinger‘s Gedankenexperiment mit einer Katze die statistisch gleichzeitig lebendig und tot ist, solange die Katze nicht sichtbar in ihrem Experiment- Kasten sitzt.

    Das Gold in den amerikanischen Tresoren existiert dort und gleichzeitig existiert es dort nicht mehr, solange nicht nachgeprüft wird. Erst bei einer Überprüfung stellt sich eines der Optionen ein.

    Sinnvoll erscheint die schwerwiegendere Option - eventuell gleichzeitig auch die zweite Option als gegeben anzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, solange Unklarheit besteht.

    Erweitert lässt sich der Gedankengang auf Iran übertragen, bauen sie die Atombombe und wenden diese an - oder nicht? Objektiv beweisen lässt es sich erst, wenn die Atombombe (z.B. über Israel) explodiert ist.

    Wie auch immer, es liegt nicht an der schärfe des Schwerts, sondern an der Dünne des Fadens. Der extreme existentielle Druck wird sich so oder so entladen.
    Die Tragödie ließe sich lediglich mit umfassenden Überprüfungen und kompletten Verzicht auflösen.

  • Es stimmt, dass Deutschland noch nie über ihre Goldreserven verfügen konnte. Es ist auch ein absoluter Unsinn zu glauben, dass Deutschland noch über ca. 133 Milliarden Euro an Goldreserven verfügt. Warum verweigert sich die Bundesbank der Überprüfung der tatsächlichen Goldbestände? Weil das Gold nicht mehr da ist. Der Haushaltsausschuss ist sogar verpflichtet, Einsicht in die Bilanzen der Bundesbank zu nehmen. Da steht aber nichts von einer Aktiva "Gold". Die Bundesbank widersetzt sich der Forderung des Rechnungshofs, eine Inventur durchzuführen. Der Rechnungshof ist sogar verpflichtet, eine jähliche Inventur durchzuführen. Deutschland hat seit der 60er Jahre kein Gold mehr aufgekauft. Alle Regierungen, die über ernorme Goldreserven verfügen, haben bereits damit begonnen, ihre Bestände zu verkleinern. Man sollte sich die asiatischen Börsen ansehen, welche Mengen an Gold dort seit November 2011 im Handel waren. Der Goldpreis wird noch in diesem Jahr die $ 900,00 Grenze erreichen.

  • 1. Das Buba-Gold ist mitnichten "Volksvermögen", sondern aufgrund der Mechanismen des Bretton-Woods Währungssystems der Buba in den 1950er und 1960er Jahren "übertragen" worden. Das sind auch keine Zahlungen für Exporte, sondern ein Clearingverfahren des damaligen Währungssystems (Das ist auch der eigentliche Grund, warum Blessing das System im Einklang mit den Amis erhalten wollte)
    2. Der Bund (Staat, Souverän, Volk) hat KEINEN Anspruch auf mehr als das "Startkapital" der Bundesbank. (Siehe Bundesbankgesetz)
    3. Für die Bundesbank gelten nicht die "normalen" Gesetze (etwa BGB oder HGB) was Bilanzpflicht etc. angeht (Siehe Bundesbankgesetz). Sie "hält und verwaltet" die Währungsreserven Deutschlands ... in ihrem Besitz (so wie früher private Notenbanken; die es z.B. in Griechenland auch noch gibt)

    Fazit: Wir können und sollten uns über die Vernebelung aufregen ... aber SO verfehlt man das Ziel (zum Gaudium der Handelnden) meilenweit!

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