Kommentar: Das Erbgut der Konzerne

Kommentar
Das Erbgut der Konzerne

Wenn es so etwas wie eine DNS der Konzerne gibt, dann haben viele der Dax-Unternehmen ihr Erbgut mit der Zeit deutlich verändert. Sie müssen es sogar ständig weiterentwickeln, um überlebensfähig bleiben zu können.
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Trotz aller medizinischen Fortschritte kann ein Mensch niemals 150 Jahre alt werden. Das menschliche Erbgut ist für ein Leben als Methusalem einfach nicht gemacht, wie uns die Humanbiologen versichern. Aber wie sieht es mit Unternehmen aus? Gibt es eine Art DNS der Konzerne, die irgendwann auch ihr Sterben programmiert?

Unter den Dax 30 finden sich nur zwei Unternehmen, deren Wurzeln über mehrere Hundert Jahre zurückreichen: Fresenius (1462) und Merck (1668). Beide Unternehmen gehen auf Apotheken zurück, die sich im Laufe der Geschichte erst in kleine Manufakturen und dann in große Industriebetriebe verwandelten. Nicht ganz so alt, aber doch auch erstaunlich betagt ist der Maschinenbauer und Fahrzeughersteller MAN (1758), der aus einer Eisenhütte hervorgegangen ist.

Vor allem aber fällt beim Blick in die Dax-30-Liste auf: Eine erstaunlich große Zahl von Konzernen entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Also zu einer Zeit, als sich die Menschen noch mit der Kutsche in der Stadt fortbewegten, Preußen gerade das Deutsche Reich zusammenschmiedete und Karl Marx noch als Emigrant in London lebte. Die Spanne zwischen 1850 und 1890 war eine ganz besondere Gründerzeit in Deutschland: Insgesamt zwölf Konzerne erblickten in dieser Sturm-und-Drang-Periode des modernen Kapitalismus das Licht der Welt – von der Allianz bis zur Commerzbank, von der BASF bis zu Linde.

Einige der deutschen Dax-Konzerne, die bereits weit über hundert Jahre alt sind, gehören heute zur globalen Spitzengruppe ihrer jeweiligen Branche. Schaut man aber genauer hin, dann stellt man fest: Sie haben fast alle ihre DNS im Laufe der Jahrzehnte massiv verändert – durch Übernahmen anderer Konzerne, durch radikale Portfolio-Bereinigungen oder völlig neue Produktlinien. Anders als bisher der Mensch, konnten Konzerne schon immer ihr eigenes Erbgut ergänzen. Mehr noch: Sie müssen es sogar auffrischen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen.

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  • Und was ich noch zu fragen hätte

    Herr Ziesemer, welche Strategien können junge Unternehmer im Zeitalter des web 3.0 von großen Unternehmerpersönlichkeiten lernen?

    Warum ist in Deutschland die "Neidfalle" immer noch derart aktiv?

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