Kommentar Das Gift des Protektionismus wirkt noch immer

In Krisenzeiten wollen Politiker ihre Heimatmärkte beschützen. Doch das Gift Protektionismus hat oft eine entgegengesetzte Wirkung: Das Abschotten der Konkurrenz führt zu höheren Kosten für Konsument und Steuerzahler.
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WTO-Direktor Pascal Lamy muss gegen den Protektionismus in den Krisenstaaten vorgehen. Quelle: Reuters

WTO-Direktor Pascal Lamy muss gegen den Protektionismus in den Krisenstaaten vorgehen.

(Foto: Reuters)

Im Büro des Chefs der Welthandelsorganisation, Pascal Lamy, hängt ein Schwarz-Weiß-Bild: Es zeigt zwei zufrieden dreinblickende Gentlemen: die US-Politiker Reed Smoot und Willis C. Hawley. Sie gelten als Väter eines üblen Protektionismus: Die beiden trommelten im US-Kongress für ihren berüchtigten Smoot-Hawley-Tariff-Act.

Das Gesetz trat 1930 in Kraft, die ohnehin hohen US-Abgaben auf importierte Güter schossen in die Höhe. Viele Handelspartner revanchierten sich und erhöhten ihrerseits massiv die Zölle. Der Wettlauf der Protektionisten endete im Kollaps des Welthandels.

Jan Dirk Herbermann ist Korrespondent bei den Vereinten Nationen in Genf. Quelle: © Marcel Malherbe / laif/laif  für Handelsblatt

Jan Dirk Herbermann ist Korrespondent bei den Vereinten Nationen in Genf.

(Foto: © Marcel Malherbe / laif/laif für Handelsblatt)

Wenn immer der WTO-Boss Lamy heutzutage die beiden Erzprotektionisten auf dem Bild mustert, dürfte ihn Unwohlsein beschleichen. Denn das Gift der Abschottung, das Smoot und Hawley vor acht Jahrzehnten in die Adern der Weltwirtschaft injizierten, wirkt noch immer: In der Krise verfallen Regierungen rund um den Globus verstärkt auf dieses Mittel. Von Washington bis Buenos Aires, von Moskau bis Peking setzen die Mächtigen auf Isolierung ihrer Märkte, auf Barrieren für fremde Firmen und auf Finanzhilfen für ihre Wirtschaft.

Und das Arsenal der Protektionisten hat sich seit der Großen Depression noch verfeinert. Die sogenannten nichttarifären Handelshemmnisse erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit: So werden etwa Lebensmittelimporte verboten unter dem Vorwand, sie gefährdeten die Gesundheit der eigenen Bevölkerung.

Protektionismus vergiftet den eigenen Markt
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14 Kommentare zu "Kommentar: Das Gift des Protektionismus wirkt noch immer"

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  • Das Problem besteht doch längst in Leistungegefälle gegenüber den Bdedingungen der produktion. In China wird nicht produziert, weil deren Ingenieure schlauer wären, oder die Rohstoffe vor Ort sind, sondern schlicht weil sowohl Sozialstandards als auch Löhne niedriger sind. das sind künstluiche Wettbewerbsvorteile.
    Freihandel produziert dabei nur ein niedrigeres Niveau!
    Echter Freihandel würde Transport nur dort lohnend machen, wo trotz Transportkosten besseres entsteht.
    Deshalb sit Freihandel eine Schimäre, die ebenso unsinnig und utopisch ist, wie der reine Protektionismus, der allein auf nationale egoismen setzt.

    H.

  • Ein schwachsinnigr Artikel. Auf welchen schönen Stern lebt der Autor?

    Den besten Schutz gegen den Protektionismus aber bietet die Vernetzung der Weltwirtschaft selbst: Immer weniger Produkte werden ausschließlich in einem Land produziert. Vielmehr überqueren Halb- und Teilprodukte oft mehrere Grenzen, bis sie fertiggestellt sind.
    ---------------
    und geau das ist falsch und Blödsinn. Das hat mit Welthandel nichts mehr zu tun. Das ist Aufgabe und Ausplündern der eigenen Länder

  • zitat....=> Sie verstehen nichts von Ökonomie: Nehmen wir an, Land A und B verkaufen einen gleichwertigen Autotypen, beide produzieren ihn nach den selben technischen Maßstäben. Land A hat aber hohe Umwelt- und Sozialstandards, Land B gar keine. Dementsprechend mögen die Stückkosten im Land A bei 12.000 Euro liegen, im Land B bei 9.000 Euro. Vor diesem Hintergrund hat A keine faire Chance im Wettbewerb mit B - also werden B-Autos mit 3.000 Euro verzollt, und A Autos, die nach B geliefert werden, mit 3.000 Euro bezuschusst. Damit sind gleiche Bedingungen geschaffen......

    Das ist aber genau der Weg der ins Abgrund führt. Dann muss das Land A eben innovativ sein und bessere Autos liefern oder seine Stückkosten anpassen.

    Gerade in Deutschland erleben wir doch, dass der billige Euro Firmen träge macht. Oder durch die Subventionen, z.B. in der Solarindustrie.

    siehe auch
    http://www.youtube.com/watch?v=FqoJzcb6dxM

    Ökonomie ist nicht alles. Man sollte auch etwas über Wirtschaftspolitik verstehen.^^

  • Ergänzung: Die beschriebene Verfahrensweise wäre im Übrigen die einzige, aber wirksame Möglichkeit, moralisch verlodderten Ländern menschen- und umweltfreundliche Standards in der Produktion aufzuzwingen: Denn sehr schnell würde es im Beispiel der Regierung dämmern, dass lausige Standards seinen Produzenten keine Wettbewerbsvorteile bieten, aber das eigene Volk bedrücken und die eigene Umwelt versauen. Entsprechend würde sie sich sagen: "Besser, wir zahlen an unsere Arbeitnehmer und an unsere Umwelttechnik-Unternehmen, als Zölle an das Ausland."

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    http://belljangler.wordpress.com/zeugungsverweigerung-als-mittel-des-widerstandes/

  • Krosis schreibt:

    "Wenn Land A und B im Handelskontakt stehen und A plötzlich hohe Einfuhrzölle erhebt, schraubt B den Export nach A zurück, sind die Zölle zu hoch eben komplett zurück.
    Wie bringt das denn bitte Geld für A?"

    => Sie verstehen nichts von Ökonomie: Nehmen wir an, Land A und B verkaufen einen gleichwertigen Autotypen, beide produzieren ihn nach den selben technischen Maßstäben. Land A hat aber hohe Umwelt- und Sozialstandards, Land B gar keine. Dementsprechend mögen die Stückkosten im Land A bei 12.000 Euro liegen, im Land B bei 9.000 Euro. Vor diesem Hintergrund hat A keine faire Chance im Wettbewerb mit B - also werden B-Autos mit 3.000 Euro verzollt, und A Autos, die nach B geliefert werden, mit 3.000 Euro bezuschusst. Damit sind gleiche Bedingungen geschaffen.

    Diese Regelung führt überhaupt nicht dazu, dass B nicht mehr liefert - B wird solange liefern, wie der Verkauf seiner Autos im Land A einen positiven Deckungsbeitrag, d.h., mehr als die variablen Stückkosten, liefert, denn solange verbessert jeder Verkauf eines B-Autos im Land A den Gewinn des Autoproduzenten im
    Land B.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    http://belljangler.wordpress.com/zeugungsverweigerung-als-mittel-des-widerstandes/

  • Selten so einen einseitigen Artikel gelesen. Der Autor ist bewußt blind und fokusiert sich auf wenige Facetten, die ausgewalzt werden.

    "Absolut freier Handel" bedeutet für etliche Länder eine Zerstörung der eigenen Industrie, eine Zerstörung der Lebensgrundlage und eine massive Geldausgabe für staatl. Ersatzjobs. Letztere bedeutet eine massive Schuldenaufblähung um letzteres zu bezahlen. Kein Staat kann aber wie ein Konsumjunkie leben, und Geld drucken, um die Dinge kaufen zu können, die nicht mehr durch eigene Leistung hergestellt werden. Gleichzeitig wird das industrieschwache Land schlicht "dumm wie Brot", da es ein Zukaufen auch Wissensverlust bedeutet.

    Die Mechanismen alle zu ignorieren mit der Aussage, der Verbraucher kann so weniger billiger einkaufen, da Protektionismus die Dinge teurer macht, ist schon sehr einseitig. Gerade z.B. die USA und GB zeigt zunehmend auf, wohin eine Deindustrialiserung führt. Man kann Volkswirtschaften nicht ernsthaft mit Container auspacken und verkaufen, aber nicht mehr selbst machen betreiben. Es müssen Anreize geschaffen werden, um zu Investitionen in eigene Produktionsstätten im Land zu erzwingen. Wer das ablehnt amputiert sich selbst und beraubt sich selbst ein Stückchen Zukunft.

  • Protektionismus? - Klar gibt es den, und er ist nicht kleinzukriegen. Damit halten regionale Politiker ihre Wählerschaft bei der Stange.

    Die europäische Krise treibt genauso tolle Blüten. Blair stänkert gegen Merkel und fordert Deutschland auf, den Euro zu retten. Ausgerechnet Blair und die Briten. Lächerlich geradezu! Wo GB doch einen Riesenbogen um die Währungsunion gemacht hat. Das war Protektionismus der speziell britischen Art.
    Und nun auch Junckers, der mit brachialer Wortwahl Deutschland auffordert, die anderen europäischen Länder nicht als Filialen zu getrachten. Ich fordere ihn auf, Deutschland nicht als Europas Zentralkasse zu betrachten.
    Junckers war Mit-Architekt dieser mieserabel gemachten Währungsunion. Es ist an der Zeit, dass er sein Honorar für die Statik-Berechnung dieses europäischen Gebäudes rückerstattet. Das Gebäude ist eingestürzt und nun versucht er, die Schuld auf den Sturm zu schieben bzw. auf jene, die den Regentanz vollführt haben. Abdanken wäre die einzig konsequente Reaktion.

  • "Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand."
    Sehr interessantes Buch.

  • Natürlich hat der Autor recht.

    Dass ein Dipl.-Kfm Protektionismus als positiv ansieht, liegt vermutlich in der Natur seines Jobs. Angst vor Konkurrenz. ^^

    Das Japan sich bis in den 80ger extrem protektionistisch verhalten hat liegt an seiner Vergangenheit als Entwicklungsland. Und an Japans Entwicklung kann man auch gut erkennen, dass ein Land unter umständen Protektionismus braucht. Nur so konnte es sich rel. schnell entwickeln.

    Das Negativbeispiel ist Afrika. Die WHO und die Politik der Industrieländer verhindert Protektionismus mit der Folge, dass Afrika mit billigen Produkten aus den Industrieländern überschüttet wird. So ist z.B. eigener Lebensmittelanbau unter umständen teurer und verhindert Fortschritt. Eigene Produkte können sich nur sehr schwer entwickeln. Um überhaupt an Geld für Schulen, Infrastruktur etc. zu kommen, verkauft Afrika sich selbst. Sein Wasser, seine Rohstoffe, sein Land.

    Protektionismus hat für ein Entwicklungsland durchaus seine Berechtigung.

    Auf Augenhöhe der Länder, die in der Globalisierung mitmischen wollen, ist der Protektionismus natürlich schädlich. Deutschland als Exportnation vergisst allerdings, ähnlich wie China, das eine zu billige Währung auch eine Art des Protektionismus ist. Das wird Deutschland noch zu spüren bekommen.

  • "Auch ist es Unsinn, dass Protektionismus für den Steuerzahler teuer sein müsse: Einfuhrzölle bringen Geld in die Kasse, das man dann für Exportsubventionen einsetzen kann."

    Müssen?
    Nein, natürlich nicht müssen,
    ist es aber i.d.R. trotzdem.
    Wenn Land A und B im Handelskontakt stehen und A plötzlich hohe Einfuhrzölle erhebt, schraubt B den Export nach A zurück, sind die Zölle zu hoch eben komplett zurück.
    Wie bringt das denn bitte Geld für A?
    Und wenn B dann noch sauer ist auf A und seinerseits Einfuhrzölle für Waren aus dem Land erhebt, auf dem selben Niveau, dann gehen die Exporte der Firmen dort auch zurück.

    Dies geht solange gut, wie A und B nur für sich gegenseitig dies machen und C-Z nicht involviert sind.
    Was passiert denn wenn A diese Einfuhrzölle für B-Z erhebt, die wiederum ihrerseits Einfuhrzölle für A erheben?
    Genau...A ist am Arsch!

    Es kommt kein Wissenaustausch zustande, Rohstoffe die benötigt werden sind ebenfalls nicht vorhanden, bei so manchem Land wird es dann auch mit der Nahrung knapp weil sie sich nicht selbstversorgen können usw. usf.

    Ich stimme vollkommen zu:
    Der Artikel ist sehr stark vereinfacht und undifferenziert und mehr für Leute geschrieben die sich nicht mit Wirtschaft auseinandersetzen und nur mal schnell ein paar Infos suchen.
    Trotzdem sollte man nicht den Fehler machen Protektisonismus für was Gutes zu halten,
    denn wenn es auch nur ein Stück zu weit geht, reagieren Unternehmen i.d.R. sehr schnell und eine gut gemeinte, stellenweise vernünftige Maßnahme kann sich in ein hässliches Eigentor verwandeln.

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