Kommentar
Das große Problem der Autobranche

Gestern hat Volkswagen mit seinen Geschäftszahlen geglänzt, heute BMW und Porsche. Doch die Rekordbilanzen der deutschen Autobauer überstrahlen ein grundlegendes Problem, das die Branche hat.
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Da gibt es nicht zu deuteln: Die Bilanzen der deutschen Autobauer können sich sehen lassen. Doch so lichtvoll die Zahlen sind, so überschattet fallen die Ergebniss mit Blick auf den europäischen Markt aus. Selbst Europas erfolgsverwöhnter Autobauer Volkswagen und der führende Premiumhersteller BMW haben diese Woche eingeräumt, dass ihnen das europäische Umfeld Probleme bereitet. Zusammengenommen mit den jüngst wieder aufkeimenden Spekulationen über eine mögliche Werksschließung bei Opel macht das eines deutlich: Die Branche leidet vor allem in Europa unter gewaltigen Überkapazitäten.

Seit 2007 ist der Markt hier um 14 Prozent geschrumpft, und die Negativentwicklung wird sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Unter den Volumenherstellern arbeiten auf dem Alten Kontinent wohl nur noch VW und Hyundai profitabel.

Schon als die Branche infolge der Finanzkrise 2008 in Schwierigkeiten geriet, war das wesentlich durch die Überkapazitäten verursacht. Und seitdem haben gerade einmal zwei Autobauer gehandelt: General Motors hat sein Werk in Antwerpen geschlossen und Fiat hat sich von einer Fabrik auf Sizilien getrennt.

Mehr ist nicht passiert. Die Autobauer verhalten sich, als ob die Regeln des Spiels Mikado gelten würden: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Doch früher oder später wird der ruinöse Preiswettkampf dafür sorgen, dass es einem Spieler so schlecht geht, dass er die Starre beenden muss.

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In Europa gibt es fünf Werke zu viel

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  • Die fünf Werke könnten andere Produktionen aufnehmen:

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • @nachdenken

    In letzter Konsequenz haben Sie recht, daß es eine Schließung des eigenen Betriebes bedeuten kann. Aber auch hier ein Beispiel: Ein Zulieferer fertigt Kurbelwellen für einen namhaften Hersteller, er verpflichtet sich pro Tag 300 Stck. zu liefern in vorgegebener Qualität. Die Konventionalstrafe ist so hoch, daß sein Betrieb eine Nichterfüllung der Lieferung nicht eine Woche lang durchhalten würde. Der Autohersteller seinerseits hat sich das Recht eingeräumt, jederzeit keine Kurbelwellen mehr abzunehmen und innerhalb der Vertragszeit (8 Jahre) von heute auf morgen wieder die Lieferung von 300 Kurbelwellen pro Tag zu verlangen. Der Zulieferer muß also seine Belegschaft komplett vorhalten und hat keine Abnahmegarantie für seine Produkte.
    Wer einen solchen "Knebelvertrag" unterzeichnet, fährt mit seinem Unternehmen einen sehr riskanten Kurs. Und genau diese Unternehmer habe ich gemeint. Heute übrigens produziert dieser Betrieb nicht mehr für die Automobilindustrie.
    Man sollte eins nicht vergessen. Die Autobilproduzenten brauchen Produkte eines gewissen Qualitätsniveaus. Auch in Deutschland ist bei weitem nicht jeder Metallbetrieb in der Lage diese zu liefern. Von daher ist die Situation für viele Zulieferer, die im oberen Qualitätssegment fertigen können, gar nicht einmal so übel. Sie müssen sich nur trauen, auch einmal NEIN zu einer Forderung zu sagen. Anders sieht die Situation im Niedrigqualitätssegment aus. Aber mal ehrlich, diese Teile werden so oder so in absehbarer Zeit aus China oder Indien kommen. Entweder diese Betriebe stellen sich neu auf oder sie werden vermutlich nicht mehr lange am Markt aktiv sein. So traurig dies für Eigentümer und Mitarbeiter auch sein mag.

  • Sehr gut gebrüllt Löwe. Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Jeder Geschäftsführer muss auch auf Abhängigkeiten achten. Nur ist es leider so, dass die Methoden der Automobiler in vielen anderen Bereichen übernommen werden. Da wird es dann schwierig, eine Alternative zu suchen.
    Weiterhin ist problematisch, dass die Abhängigkeitsprozesse und auch die Einführung unlauterer Geschäftsbedingungen schleichend sind. Dies passiert nicht schlagartig. Und wenn man Verantwortung für das Unternehmen und die Mitarbeiter ernst nimmt, dann unterschreibt man solche Verträge und hofft, dass es gut geht. Also wohin. Nach Ihrer Meinung müßte man in letzter Konsequenz das Unternehmen dann schließen oder ist der vom Kunden abhängige Geschäftsführer jetzt immer noch blöd.
    Ihre Antwort bedeutet für alle berufstätigen in Deutschland, öffentlicher Dienst.

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