Kommentar
Das Vorgehen der USA in Syrien ist brandgefährlich

Nun greift auch die CIA an der Seite der Opposition ein. Das wirft kritische Fragen der Einmischung auf.
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Schattenkrieg nannte man die teilweise brutalen Auseinandersetzungen in weit von der Sowjetunion und den USA entfernten Staaten zu Zeiten von Blockkonfrontation und Eisernem Vorhang. Und auch Syrien wird immer mehr zum Schauplatz eines Stellvertreterkrieges. Nicht erst seit bekannt wurde, dass US-Präsident Barack Obama seinen Geheimdienst CIA aufseiten der Opposition gegen den Diktator Baschar el Assad operieren lässt. Vor allem ist Syrien längst zum Schlachtfeld eines verdeckten geopolitischen Kampfs geworden - im Krieg zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran. Teheran unterstützt bisher das Assad-Regime massiv, die Saudis wollen es stürzen und einen weiteren sunnitischen Staat errichten.

Vor diesem Hintergrund ist das CIA-Engagement brandgefährlich. Zwar steht Obama unter wachsendem Druck, endlich etwas gegen Assads Abschlachten des eigenen Volks zu tun. Und da wegen Russlands und Chinas Veto im Weltsicherheitsrat sowie einer wachsenden Nato-Müdigkeit eine internationale Intervention undenkbar erscheint, wirkt der CIA-Einsatz als probates Mittel. Washingtons Schlapphüte sollen mit ihren nachrichtendienstlichen Erkenntnissen, logistischen Hilfen und Kommunikationstechnik die syrische Opposition unterstützen. Offiziell sollen sie nicht an der Seite der Free Syrian Army kämpfen und sie auch nicht militärisch hochrüsten.

Problematisch ist das Engagement dennoch: Denn kann Obama wirklich sicherstellen, dass sich seine Agenten nicht im verwirrenden Netz der stark zerstrittenen syrischen Opposition verheddern? Am Ende könnte es werden wie zu jenen Zeiten, als die Sowjetunion das kommunistische Regime in Afghanistan stützte und die CIA via Pakistan die antikommunistischen Taliban hochrüstete. Spätestens seit den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA muss man über derartige Aktionen anders nachgedenken: Denn die Taliban terrorisierten später das eigene Volk und unterstützten auch den internationalen Terror von El Kaida. Und El-Kaida-Islamisten sind auch in Syrien längst wieder aktiv.

Dabei stellt sich auch die viel weiter gehende Frage: Was wird eigentlich aus den Waffen, mit denen die USA die Taliban ausgerüstet haben oder die Saudi-Arabien, Katar und andere an Rebellen in Syrien und Libyen geliefert haben? So verständlich das Drängen auf ein Ende des unerträglichen Blutvergießens in Syrien ist, sind dennoch nicht international abgestimmte Einmischungen aus dem Ausland in den Konflikt verheerend.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Wer hat denn geglaubt, dass hinter dem Aufstand nicht eine ausländische Macht von Anfang an stand?
    Der CIA, das ist ja nun und das wird wohl keiner bestreiten, eine kriminelle terroistische Organisation. Wer glaubt denn im Ernst, dass die Amis denen keine Waffen liefern? Haben sich die Aufständigen die Uranmunition selber gebastelt? Und da sieht man auch wie deppert die Amis sind, die unterstützen bewußt oder unbewußt ihren besten "Freund" Al Kaida.
    Die vernünftigen Führer sind gibt es offenbar nur in Moskau und Bejing. Die sind gegen jede Einmischung von außen. Nur, wie lange werden die diese Haltung noch einnehmen können? Gegen eine militärische Unterstützung wäre eigentlich nichts einzuwenden wenn damit nicht eine Ausweitung des Konflikts aus andere Länder bestehen würde.

  • An mcxsv,

    schämen Sie sich dafür Ihre Mitkommentatoren in die braune Ecke zu stellen, nur weil diese eine andere Meinung zum USA Einsatz in Syrien haben als Sie. Und wo ist in den Leserkommentatoren ein Prise Antisemitismus? Dass der israelische Mossad in Syrien zumindestens bei der Informationsbeschaffung mit dabei ist, wie in einem vorherigen Leserkommentar behauptet wurde, liegt ja wohl auf der Hand. Im Mossad Hauptquartier lacht man sich über solche wie Sie, die naiv das Gegenteil annehmen, die Seele aus dem Leib. Im übrigen sind Sie mit ihrer Forderung nach Zensur und Meinungs-gleichschaltung dem Faschismus von allen Leserkommentatoren wohl noch am nächsten. Duchklopfen Sie Ihre eigene Seele folglich erst einmal nach faschistoiden Gedankengut.

  • Wohin man schaut, man wird kategorisiert. Wer Kritik an dem amerikanischen Imperialismus übt wird mit brauner Sauce übergossen.
    mcxsv ruft zu noch mehr Zensur auf. Natürlich darf die Wahrheit die Propaganda nicht gefährden. Schon klar aus welcher Ecke der Schreiber kommt.
    Annan wurde von Assad, China und Russland unterstützt und seine Vorschläge angenommen. Nun wird sogar offiziell die Unterstützung der CIA zugegeben, die von Anfang an die Terroristen unterstützt hat.
    Ich kann dem Handelsblatt nur raten diese Foren offen zu lassen, sonst laufen die verbliebenen Leser noch davon.

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