Kommentar
Der Buchmarkt steht vor einem Preiskrieg

In den USA klagte die Regierung wegen angeblicher Preisabsprachen bei E-Books. Und auch in Brüssel steht das Thema auf dem Plan. Dabei geht es für Verlage, Autoren und Händler um viel. Es droht ein Preisverfall.
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Auf den ersten Blick war es eine gute Nachricht. Die amerikanische Regierung geht gegen fünf Buchverlage und Apple wegen angeblicher Preisabsprachen bei elektronischen Büchern vor. Drei Buchverlage knickten bereits ein. Die mögliche Folge: Die Preise für E-Books könnten künftig dramatisch sinken. Der Marktführer Amazon will bereits mit Kampfpreisen von 9,99 Dollar die Wettbewerber in die Knie zwingen.

Die Preisspirale nach unten zu drehen ist ein gefährliches Spiel. Denn das US-Justizministerium könnte Amazon, Marktführer bei elektronischen Büchern, erlauben, viele E-Books mit Verlust zu verkaufen. Die Folgen wären verheerend. Der börsennotierte Handelsriese könnte seine Dominanz noch weiter ausbauen – womöglich bis hin zu einem Quasi-Monopol. Der Wettbewerb und die Vielfalt im ohnehin bereits konsolidierten Handel würden dann auf der Strecke bleiben. Die Leidtragenden wären die Verlage. Denn fallende Preise bedeutet nichts anderes als weniger Auswahl. Eine kulturelle Verarmung in der digitalen Informationsgesellschaft droht.

In Europa hält sich die Aufregung über das Kartellverfahren in den USA in Grenzen – allen voran in Deutschland. Noch schützt die Buchpreisbindung Buchhändler, Verlage und Autoren vor Wildwestmethoden. Sie gilt auch für elektronische Bücher. Das hat der Europäische Gerichtshof in Luxemburg bestätigt. Doch der Schein trügt. Denn die Brüsseler EU-Kommission hat längst auch ein Verfahren eingeleitet, um angebliche Preisabsprachen für E-Books zu überprüfen. Gespräche mit Verlagen laufen bereits auf Hochtouren.

Dabei geht es um alles oder nichts. Denn die Preisgestaltung und die Preishoheit für elektronische Bücher entscheiden in der digitalen Medienwelt über Aufstieg und Fall. Nur wenn verlässliche Rahmenbedingungen für faire Preise möglich sind, wird es auch weiter einen vielfältigen Buchmarkt in Europa geben. Alles andere höhlt quasi durch die Hintertür die Buchpreisbindung aus.

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Wachstumsraten für E-Books sind groß

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  • Ebooks sind sowieso viel zu teuer.
    Für die Preisbindung gibt es kein stichhaltiges Argument, solange Zigtausende von Neuerscheinungen das Format von Lore-Romanen haben und auch nicht durch garantierte Festpreise geschützt werden müssen.
    Ein wertvolles Buch braucht keine Preisbindung, auf den Rest kann man verzichten.

  • Grundsätzlich ist die Buchpreisbindung zur Sicherung fairer Preise eine gute Sachen, nur, dass ausgerechnet im Handelsblatt von "fairen Preisen" die Rede ist, ist lächerlich. Mit der FAZ und der Liberalen Depesche singt das Handelsblatt doch seit Jahren das Lied vom freien Wettbewerb und der Gefährlichkeit des Mindestlohns. Offensichtlich gilt das nur, solange nicht die Interessen der Content-Industrie betroffen sind, da wird plötzlich von "fairen Preisen" schwadroniert. Der Lohn ist der Preis der Arbeit und wenn Herr Siebenhaar sich hier für einen "fairen Preis" (=Mindestlohn) für Bücher ausspricht, dann soll er das künftig auch für alle Bereiche der Wirtschaft und alle Menschen tun. Ansonsten wäre es nämlich nur gerecht, wenn auch Journalisten zu den übliche Hilfsarbeiterlöhnen von 7,50 Euro/Stunde arbeiten.

  • @Johannes
    Das liegt an der Buchpreisbindung.
    wenn es die hier nicht gäbe, würde es ebooks auch sehr billig geben.
    Und wenn das passiert dann gehen alle Büchereien pleite.
    Du ließt doch viele Bücher oder nicht?
    Wenn die Preise runter gehen dann wird es auch weniger Verlage geben weil einige insolvent werden. Und dann wär der Büchermarkt nicht mehr so vielseitig!
    Also sei froh das es hier nicht so ist wie überallsonst!!!!

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