Kommentar
Der ewige Finger am Alarmknopf

Der Klimawandel ist real – das belegt einmal mehr der aktuelle Bericht des Weltklimarats IPCC. Doch trotz immer aussagekräftigerer Datensammlungen hat die Gemeinde der Klimaforscher ein ernstes Kommunikationsproblem.
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Der neuste Weltklimabericht war noch nicht veröffentlicht, da hatte die Gemeinde der weltweiten Klimaschützer bereits ihren neuen Skandal: Der Niederländer Richard Tol, Klimaökonom mit Lehrstühlen an der University of Sussex und der Vrije Universiteit Amsterdam, bezichtigte die im Weltklimarat IPCC versammelten Experten der übertriebenen Schwarzmalerei.

Passagen in einem ersten Entwurf, wonach die Risiken des Klimawandels durch Anpassung und kluge Entwicklung beherrschbar wären, tauchten in der endgültigen Fassung nicht mehr auf, beklagte der Wissenschaftler im Gespräch mit der BBC. Als Konsequenz zog Tol, der die ökonomischen Folgen des Klimawandels für deutlich geringer hält als die meisten seiner Kollegen, seinen Namen von dem Bericht zurück.

Unabhängig davon, ob man dem Niederländer in seiner Einschätzung folgen mag oder nicht, verdeutlicht der Fall ein Grundproblem der aktuellen Diskussion: Seit Jahren hält, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Zunft der Klimaforscher den Finger permanent auf dem Alarmknopf – mit der Folge, dass sich viele Menschen an den Ton der Sirene gewöhnt haben und ihn nur noch als nervend empfinden.

Dabei ist das Anliegen der Forscher aller Ehren wert: Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist real, kaum ein anderes von Wissenschaftlern erforschtes Phänomen ist so gut dokumentiert. Und die Auswirkungen von globaler Erwärmung, Übersäuerung der Ozeane oder klimabedingten Naturkatastrophen auf Millionen Menschen zu beherrschen, ist die große humanitäre und ökonomische Herausforderung unserer Zeit.

Doch ob das mit einer Kommunikationsstrategie gelingt, die sich in der Aneinanderreihung von Negativszenarien erschöpft, darf bezweifelt werden. Dass auch eine noch so drastische Schilderung der Folgen letztlich keine signifikante Verbesserung der Situation herbeiführt, ist die traurige Lehre der zurückliegenden Jahre. So wichtig die Aufklärung über das Phänomen Klimawandel auch ist, die aktuelle Situation verlangt vor allem nach konstruktiven Lösungswegen.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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  • unsägliche Überschrift auf der Handelsblatt Seite. Unter dem Kapitel "Energie + Umwelt" gibt es eine Unterrubrik "Klima - Orakel". Diese Überschrift soll wohl suggerieren das das Erdklima eine Orakel ist und bleibt. Damit soll wohl weiter suggeriert werden, dass die Menschen da keinen Einfluss ausüben können und es auch nicht verstehen - ein Orakel eben.

  • unqualifizierter Artikel mit fraglicher Intention. Die Auswirkungen durch die einfache Verbrennung von fossilen Energieträgern welche über ca. 200 Mio Jahre durch die Sonne erzeugt wurden innerhalb von nur ca. 300 Jahren ist logisch. Die Atmosphäre ist eine sehr dünne Hülle um unsere Erde und schon deshalb leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Veränderungen der Wärmeabstrahlung von der Erde in den Weltraum durch CO2 und anderer Gase wie Flourkohlenwasserstoffen führt zu einem sich selbst immer weiter verstärkenden Vorgang. Dieser Treibhauseffekt verstärkt sich selbst da immer mehr Wasser verdunstet und damit die Wärmeabstrahlung immer weiter behindert wird und so noch mehr Wasser verdampft. Leider versuchen viele Politiker und Entscheider in der Industrie ohne Rücksicht auf den fossilen Energieverbrauch weiterhin maximalen Gewinn zu erwirtschaften.

  • Es wird sie nicht geben, die konstruktiven Lösungswege.

    Für mich läuft das alles ab, wie in jedem Thriller á la "Der Weiße Hai". Der Sheriff macht Panik, der Bürgermeister hat Schiß um seine Wiederwahl und um die Tourismus-Saison und macht den Chef-Beschwichtiger.

    Es muss erst massiv Tote geben, und zwar in den Industrie-Ländern, bevor wirklich was passiert.

    Sonst sind wir immer in der Sheriff-Phase, also mit der Hand auf dem Alarmknopf. Denn eines ist klar: Die Konsequenzen aus dem dokumentierten Klimawandel erfordern von uns allen eine Änderung des Verhaltens, weniger Konsum und mehr Geld. Nicht wirklich sexy - auf den ersten Blick!

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