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Kommentar: Der Fluch der deutschen Solarförderung

Die üppige deutsche Solarförderung sollte ein Segen sein für die Solarbranche. Doch das Gegenteil ist inzwischen der Fall: Sie erweist sich für die deutschen Hersteller von Solarzellen und -modulen immer mehr als Fluch.

Handelsblatt-Autor Georg Weisshaupt Quelle: Pablo Castagnola
Handelsblatt-Autor Georg Weisshaupt Quelle: Pablo Castagnola

Diesen Fluch bekommt die Berliner Solon AG als Erste zu spüren. Die einstige Vorzeigefirma der weltweiten Solarbranche hat vergangene Woche den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Heute traf es Solar Millennium. Weitere Unternehmen dürften folgen, denn vielen geht es finanziell schlecht, sehr schlecht.

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Schuld ist nicht zuletzt die deutsche Solarförderung. Jeder, der in Deutschland eine Photovoltaik-Anlage kauft und ans Stromnetz anschließt, erhält für jede Kilowattstunde einen festen Betrag - die sogenannte Einspeisevergütung. Diese Summe ist trotz zahlreicher Kürzungen immer noch recht üppig: Sie beträgt für eine kleinere Anlage 28,74 Cent pro Kilowattstunde - und das 20 Jahre lang garantiert.

Diese Förderung hat viele Unternehmen träge gemacht. Sie brauchten sich jahrelang keine großen Gedanken über den Verkauf ihrer Solarmodule und -zellen zu machen. Sie hatten lediglich ein Problem: Sie mussten nur schnell genug produzieren. Denn das Geschäft lief fast von allein. Es war ein regelrechter Verkäufermarkt. "Die Hersteller saßen auf einem hohen Thron und teilten ihre Solarmodule quasi zu", erinnert sich ein Projektierer, der Solarparks baut.

Solarbranche

Die paradiesischen Zustände verleiteten manchen, ein großes Rad zu drehen. So gönnte sich der Solarmodulproduzent Solon in Berlin ein schickes Firmengebäude mit riesigem Lichthof und üppigen Rankpflanzen. Sein übersteigertes Selbstbewusstsein teilte er auch seinen Kunden und der gesamten Öffentlichkeit in seinem Slogan mit: „Don't leave the planet to the stupid“ - dumm sind die anderen.

Die Höhe der Produktionskosten spielte nur eine Nebenrolle. Schließlich sicherte die luxuriöse Förderung einen wachsenden Absatz. Die internationale Konkurrenz war noch klein und lieferte zum Teil nur minderwertige Billigmodule. Das brachte ihnen den Spott ihrer deutschen Konkurrenten ein.

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Doch während sich Solon, Q-Cells und die anderen noch im Paradies wähnten, veränderte sich die Sonnenwelt radikal. Der für die deutschen Hersteller so wichtige Auslandsmarkt Spanien brach ein, weil die Regierung die Förderung kürzte. Hinzu kam Ende 2008 die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, die viele Hersteller in existenzielle Schwierigkeiten brachte.

Außerdem blieben die deutschen Vorzeigefirmen nicht alleine auf dieser Welt. Immer mehr chinesische Unternehmen drängen in den Markt. Sie wollen von der immer noch satten Solarförderung profitieren. Konzerne wie Yingli oder Trina Solar haben riesige Fertigungskapazitäten aufgebaut und sind zu den Topanbietern auf dem Weltmarkt aufgestiegen. Sie produzieren etwa ein Fünftel billiger als ihre deutschen Wettbewerber. Entsprechend günstig verkaufen sie ihre Solaranlagen.

Solarmodulhersteller Solon hofft trotz Insolvenz auf Rettung

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So nehmen chinesische und andere asiatische Hersteller den einstigen deutschen Elite-Unternehmen immer mehr Marktanteile in Deutschland ab. Denn die deutschen Häuslebauer und Betreiber von Solarparks greifen lieber zu den billigeren China-Modulen und sichern sich gleichzeitig die noch hohe Solarförderung. Kein Wunder, dass diese auch in Berlin immer mehr in die Kritik gerät. Zumal sie von allen Stromkunden getragen werden muss. Sie hat sich für alle bis Ende vergangenen Jahres installierten Anlagen auf einen gigantischen Betrag aufgetürmt: rund 82 Milliarden Euro. Ein Geldsegen für die Kunden. Ein Fluch für die deutsche Solarbranche.

  • 23.12.2011, 21:10 UhrAnonymer Benutzer: doc_johnny

    82 Milliarden für 4 Stunden
    Sollten die "Klimamodelles stimmen", dann bewirken die 82 Milliarden für die Photovoltaik eine Verzögerung des Klimawandels um ca. 4 Stunden. Dieser Vergleich zeigt die Absurdität des Einsatzes einer Technologie, die dazu da ist in einer Berghütte auf Niederspannungsniveau ein paar Glühbirnchen zum Leuchten zu bringen.

  • 23.12.2011, 19:45 UhrAnonymer Benutzer: Neckardealer

    Heinrich ...
    Das ist schon lange überholt. Es wird Wert gelegt, zuerst den Strom selber zu verbrauchen. Denn der wird besser gefördert !!! Warum? Weil das für den Staat billiger ist. Denn was subventioniert er den Energieriesen? Die stellen den Strom im Kraftwerk zu 6-8 Cent her. Der Rest zu dem, was wir bezahlen, ist deren Kostenpaket nebst Marge. Und wenn jetzt die Förderung kommt, dann subventioniert der Staat die Differenz von der Vergütung zu den Kosten, also 2011 ca. 20 Cent pro KW. Deshalb fördert er lieber (zum Leidwesen von ENBW, RWE etc)den Eigenverbrauch mit einem geringeren Betrag. Du verbrauchst also deinen Strom und bekommst noch Geld dafür.

    Und der Eigenverbrauch, das ist die Zukunft, während die Industrie mit Hochdruck an bezahlbaren Speichermedien arbeitet.

  • 23.12.2011, 19:36 UhrAnonymer Benutzer: Neckardealer

    Wie so oft werden auch hier Halbwahrheiten zum Besten gegeben. Während die Überschrift eine Verhöhnung ist, treffen gewisse Beurteilungen den Nagel auf den Kopf.

    Ohne Förderung hätte es die Branche nie dorthin gebracht, wo sie heute steht. Also unbedingt ein Segen. Nur dass sich eben viele auf dieser Förderung ausruhen, das ist der Fluch. Nur liegt das nicht an der Förderung, sondern an der Denkweise der Menschen.

    Die Chinesen machen es uns vor. Fördern auf Teufel komm raus, bis alle Wettbewerber insolvent sind. Ordentliche Technik und Produkte gehören dazu. Dann, wen man endlich allein ist, kann man wieder Geld verdienen.

    Nur dass eben die Chinesen anders subvensionieren. Die lassen die Vorteile nur den eigenen Firmen zukommen, während wir alle fördern, auch die sich ob so viel Blödheit ins Fäustchen lachenden Chinesen.

    Also Modell gut gedacht mit der Förderung, aber stümperhaft umgesetzt.

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