Kommentar
Der globale Markt

Westeuropas Unternehmen melden Rekordgewinne. Gleichzeitig springt die Konjunktur in Euro-Land nur verhalten an. Wer darin einen Widerspruch sieht, verkennt die wirkliche Lage.

Denn immer mehr Unternehmen ist es inzwischen gleichgültig, ob es Europa gut oder schlecht geht. Sie machen ihre Gewinne ohnehin andernorts. Was ihre Profite mehrt, sind Kostensenkungen, indem sie ganze Produktionszweige ins Ausland verlagern. Die oft als Billiglohnländer bezeichneten Regionen bieten nämlich inzwischen nicht nur niedrigere Löhne, sondern auch immer bessere Absatzmärkte. Heimische Konzerne folgen also den Zukunftsmärkten, wozu Euro-Land eben nicht gehört.

Am stärksten profitiert die klassische Industrie wie Metall, Elektro und Maschinenbau von der Globalisierung. Hier denkt jedes zweite Unternehmen darüber nach, seine Auslandsaktivitäten zu verstärken. Continental liefert ein Paradebeispiel. Seitdem der Reifenspezialist ein Werk nach dem anderen in Osteuropa eröffnet, sprudeln die Gewinne wieder. Und zwar in einem atemberaubenden Tempo.

Doch das Kostenargument ist nicht alles. Es verliert zudem an Kraft, wenn sich die Löhne annähern, weil sie in Euro-Land sinken. In den Fokus rückt deshalb, dass immer mehr zusammenhängende Regionen wie Osteuropa und Asien stärker wachsen als Euro-Land. Und vor allem auch nachhaltiger.

Siemens verdient inzwischen wieder fast so viel wie im Rekordjahr 1999/2000 und verweist auf die boomende Nachfrage in China. Alcatel schreibt nach schweren Verlusten insbesondere deshalb wieder Gewinne, weil Investitionen und Nachfrage von Telekommunikationsdiensten steigen – im Fernen Osten. Der Trend, Standorte zu verlagern, wird sich sogar noch verstärken.

Verlierer sind in Deutschland jene Unternehmen, die den Trend verschlafen, sich zu sehr an den wachstumsschwachen Heimatmarkt koppeln. Dazu gehört klar der Einzelhandel. So lange zu warten, bis sich Deutschland fit für die Globalisierung gemacht hat, ist jedoch fatal. Das zeigen die Schwierigkeiten bei Karstadt-Quelle, bei Tui und den deutschen Kreditinstituten. Ihnen laufen die europäischen Wettbewerber davon. Denn diese haben die Spielregeln der Globalisierung gelernt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%