Kommentar
Der ohnmächtige Geldregen

Die EZB versucht mit einer historischen Zinssenkung, die Euro-Krise in den Griff zu bekommen. Doch so lange das Vertrauen nicht zurückkehrt, bleibt die Zukunft des Euros unsicher.
  • 2

Auf Milton Friedman geht der Vorschlag zurück, in Zeiten der Depression Geld mit dem Hubschrauber auf die Wirtschaft abzuwerfen, um die Konjunktur wieder in Gang zu bringen. US-Notenbankchef Ben Bernanke hat das Bild aufgegriffen und kreist mit seinem „Dollar-Helikopter" schon lange über Amerika. Jetzt schickt auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre „Euro-Bomber" in die Luft, um für einen Geldregen zu sorgen.

Es ist noch nicht das letzte Aufgebot der Notenbanker, aber es ist ein Akt der Ohnmacht. Mit ihrer historischen Zinssenkung auf 0,75 Prozent kann die EZB allenfalls kosmetische Korrekturen am düsteren Erscheinungsbild der Weltwirtschaft vornehmen. Solange die Zukunft des Euros unsicher ist, wird keine Notenbank das lähmende Misstrauen aus der Weltwirtschaft vertreiben können.

Dennoch ist es richtig, dass EZB-Chef Mario Draghi die Zinsschraube weiter gelockert hat. Die Euro-Wirtschaft befindet sich auf dem Weg in die Rezession, die Wachstumsmotoren in den Schwellenländern stottern, die US-Wirtschaft findet nicht auf ihren alten Wachstumspfad zurück. Gleichzeitig lässt der Inflationsdruck nach.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass nach der Fed in Washington, der Bank of England und der chinesischen Notenbank jetzt auch die EZB ihre geldpolitischen Zügel weiter lockert. Dass man mit solchen Zinsschritten nicht aus der Liquiditätsfalle kommt, weiß man auch in Frankfurt.

Seite 1:

Der ohnmächtige Geldregen

Seite 2:

Das Vertrauen muss zurückkehren

Kommentare zu " Kommentar: Der ohnmächtige Geldregen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zitat aus Artikel: "Nur die Politik kann dafür sorgen, dass der Geldregen auf fruchtbaren Boden fällt. Wenn das Vertrauen in den Euro zurückkehrt, wächst auch die Wirtschaft wieder".

    Bisher ist die Rechnung, dass die Politik für Vertrauen sorgen kann, nicht aufgegangen. Alle "Rettungspakete" haben nicht gefruchtet. Selbst das geplante bzw. angekündigte "Paket" für spanische Banken (welche auch immer) haben das Vertrauen nicht gestärkt. Spanische 10-jährige Staatsanleihen gestern wieder bei etwa 7%, italienische bei etwa 6%.

    Gleich nebenan gibt es den Link zu einem Artikel bzw. zur Presseschau: "Spanische Tage sind gezählt." -- Artikelübersicht: "Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle".

    Was soll die Politik denn machen außer Umverteilungstöpfe, Geldschöpfungstöpfe, Schuldentilgungsfonds, Bankenunion oder was auch immer sie (bzw. EU-Kommission + €-Länder-Regierungen) auf der Agenda haben? Investoren aus aller Welt schauen sich alles genau an, lesen jeden Buchstaben der Verträge/Verlautbarungen/Absichten und klopfen den Wahnsinn des Dickichts ab, der da jeden Tag aufs Neue aufs Tapet kommt.

    Italien verharrt in der Rezession, Spanien in der wirtschaftlichen Depression: wie soll dort die Wirtschaft wieder wachsen? Indem das Vertrauen in den € wieder hergestellt wird. Das dauert noch Jahre, falls überhaupt. Ein paar Rezepte mittels Banken- und Fiskalunion können ja noch ausprobiert werden. Vielleicht auch die haß-geliebten €-Bonds.

    Die Frage ist nur: wenn alles auf Mittelmaß eingeebnet ist,
    wird dann das Vertrauen in die Politik und die Kunstwährung Euro wieder hergestellt sein?

  • Man hat Vertrauen zu Menschen, die sich an Regeln, Recht, Gesetz und Verträge halten. Wird das nicht gemacht, dann wird das Vertrauen entzogen und kehrt auch nicht mehr zurück.

    Wenn ein Bankangestellter Geld mitgehen lässt, redet die Bank auch nicht davon, dass das vertrauen wieder hergestellt werden soll. Er wird fristlos entlassen, weil das Vertrauen nachhaltig gestört ist. Genauso verhält es sich mit unseren EUdSSR-Politikern, EZB, IWF und was sonst noch so jeden Tag die Regeln, Verträge und Gesetze (vor allem das Grundgesetz) bricht. Die 160 Professoren haben recht. Wir werden von Verbrechern beherrscht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%