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Kommentar: Der optimistische Herr Blessing

Die Commerzbank will ohne Staatshilfe ihr Eigenkapital regelgerecht aufpolstern. Um das zu schaffen braucht sie vor allem eines: den festen Glauben daran, dass alles besser läuft als gedacht. Ein Kommentar.

Commerzbank-Chef Martin Blessing ist ein Optimist. Quelle: AFP
Commerzbank-Chef Martin Blessing ist ein Optimist. Quelle: AFP

Was wäre Deutschland ohne Optimisten? Wir würden glauben, mit dem Schnee wird dieses Jahr im Norden gar nichts mehr, wir würden den Euro längst verloren geben, und wir hätten keine Hoffnung, dass das Ansehen des Bundespräsidenten jemals wieder zu reparieren wäre.

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Zum Glück gibt es aber eben Optimisten. Wie zum Beispiel Martin Blessing von der Commerzbank. Er glaubt, dass die Commerzbank ohne Staatshilfe die strengen Eigenkapitalanforderungen der Bankenaufseher erfüllen kann.

Seine Rechnung geht so: 5,3 Milliarden Euro braucht er bis zum Sommer. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 2,7 Milliarden Euro will er durch den Abbau von Risiken erwirtschaften. Das heißt: Risiken wie Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 30 Milliarden Euro werden aus den Büchern getilgt. Sie werden beispielsweise weiterverkauft oder schlicht nicht verlängert.

Kapitallücke Wie die Commerzbank ohne Staatshilfen auskommen will

Keine Staatshilfe, keine Kapitalerhöhung. Allein der Markt soll nach Handelsblatt-Informationen das Milliarden-Loch der Commerzbank schließen. Doch die recht eigenwilligen Pläne von Chef Blessing stoßen auch auf Skepsis.

Kapitallücke: Wie die Commerzbank ohne Staatshilfen auskommen will

Der nächste große Batzen sind 1,1 Milliarden Euro, die Blessing im ersten Halbjahr als Gewinn erzielen möchte und dann zur Seite legen will. Dazu kommen 750 Millionen Euro von der Allianz, die auch kein Interesse an einem Straucheln der Commerzbank hat und deswegen ihre Investition in die Bank von einer stillen Einlage in Aktien umwandelt, die dann zum Kernkapital der Bank zählen. 700 Millionen hat bereits der Rückkauf von Anleihen gebracht. Mit ein bisschen Kleinvieh, was durch weitere Verkäufe hereinkommt, ist der Kittel geflickt. Glaubt Blessing. Sollen wir ihm das glauben?

Das Risiko liegt im Gewinn, der kräftiger sprudeln soll, als er in der kurzen Geschichte der aus Dresdner und alter Commerzbank hervorgegangener neuer Commerzbank jemals gesprudelt hat. Und das, obwohl auf der anderen Seite das Risiko zurückgefahren werden muss, und die Bank damit gar nicht anders kann, als potenzielle Gewinnbringer auszusortieren.

Die Probleme der Commerzbank

  • Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

    Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

  • Die Kapitelerhöhung

    Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

  • „Weit aus dem Fenster gelehnt“

    Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

  • Die große Gefahr

    Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

  • Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

    Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

  • Soffin reaktivieren

    Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

  • Erneute Staatshilfe vermeiden

    Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

  • Sorgenkind Eurohypo

    Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

  • Hohen Verlust in Kauf nehmen

    Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

  • Verkauf strategischer Beteiligungen

    Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

  • Aktienkurs im Sinkflug

    Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Nicht eingerechnet sind die Risiken, die der Markt so mit sich bringt. Der Schuldenschnitt in Griechenland zum Beispiel kostete und kostet die Commerzbank Geld und dürfte sich auch noch im ersten Quartal dieses Jahres in der Bilanz niederschlagen.

Unterm Strich ist klar: Schon Deutschland braucht seine Optimisten. Die Commerzbank aber braucht besonders kühne Exemplare dieser Sorte.

  • 13.01.2012, 15:07 Uhrpaul13

    Der Gewinn wurde nicht erzielt sondern das Geld aus Reserven gekommen ist, weil waerend der Krise 2008-2009 sehr grosse Reserven geschaffen wurden. Dann hat sich die Situation in 2010-2011 verbessert und die Reserven wurden reduziert. So hat die Bank diesen Gewinn erzielt. Dieses Jahr ist die Situation eher 2008 aehnlich. Also es kommt noch zu groesseren Verlusten.

  • 13.01.2012, 14:33 UhrVolkswirt

    "Der nächste große Batzen sind 1,1 Milliarden Euro, die Blessing im ersten Halbjahr als Gewinn erzielen möchte und dann zur Seite legen will. [...] Das Risiko liegt im Gewinn, der kräftiger sprudeln soll, als er in der kurzen Geschichte der aus Dresdner und alter Commerzbank hervorgegangener neuer Commerzbank jemals gesprudelt hat."

    Ein Blick in den Zwischenbericht Q2 2011 verrät, dass die CoBa im 1.Halbjahr 2010 ca. 1Mrd Gewinn und im 1.HJ 2011 1,1 Mrd. Gewinn generiert hat. Da muss man kein großer Optimist sein, um dassauch für 2012 für möglich zu halten.

  • 13.01.2012, 13:48 Uhrpaul13

    Ich kann noch sagen dass Verkauf von Krediten noch mehr als eine Milliarde Verluste bringt. Es ist unmoeglich in gegemwaertiger Situation Kredite ohne Abschlag zu verkaufen. Es ist noch ganz zu schweigen ob es ueberhaupt moeglich ist 30 Mlrd an Krediten im Laufe von 6 Monaten zu verkaufen/

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