Kommentar: Der optimistische Herr Blessing

Kommentar
Der optimistische Herr Blessing

Die Commerzbank will ohne Staatshilfe ihr Eigenkapital regelgerecht aufpolstern. Um das zu schaffen braucht sie vor allem eines: den festen Glauben daran, dass alles besser läuft als gedacht. Ein Kommentar.
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Was wäre Deutschland ohne Optimisten? Wir würden glauben, mit dem Schnee wird dieses Jahr im Norden gar nichts mehr, wir würden den Euro längst verloren geben, und wir hätten keine Hoffnung, dass das Ansehen des Bundespräsidenten jemals wieder zu reparieren wäre.

Zum Glück gibt es aber eben Optimisten. Wie zum Beispiel Martin Blessing von der Commerzbank. Er glaubt, dass die Commerzbank ohne Staatshilfe die strengen Eigenkapitalanforderungen der Bankenaufseher erfüllen kann.

Seine Rechnung geht so: 5,3 Milliarden Euro braucht er bis zum Sommer. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 2,7 Milliarden Euro will er durch den Abbau von Risiken erwirtschaften. Das heißt: Risiken wie Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 30 Milliarden Euro werden aus den Büchern getilgt. Sie werden beispielsweise weiterverkauft oder schlicht nicht verlängert.

Der nächste große Batzen sind 1,1 Milliarden Euro, die Blessing im ersten Halbjahr als Gewinn erzielen möchte und dann zur Seite legen will. Dazu kommen 750 Millionen Euro von der Allianz, die auch kein Interesse an einem Straucheln der Commerzbank hat und deswegen ihre Investition in die Bank von einer stillen Einlage in Aktien umwandelt, die dann zum Kernkapital der Bank zählen. 700 Millionen hat bereits der Rückkauf von Anleihen gebracht. Mit ein bisschen Kleinvieh, was durch weitere Verkäufe hereinkommt, ist der Kittel geflickt. Glaubt Blessing. Sollen wir ihm das glauben?

Das Risiko liegt im Gewinn, der kräftiger sprudeln soll, als er in der kurzen Geschichte der aus Dresdner und alter Commerzbank hervorgegangener neuer Commerzbank jemals gesprudelt hat. Und das, obwohl auf der anderen Seite das Risiko zurückgefahren werden muss, und die Bank damit gar nicht anders kann, als potenzielle Gewinnbringer auszusortieren.

Nicht eingerechnet sind die Risiken, die der Markt so mit sich bringt. Der Schuldenschnitt in Griechenland zum Beispiel kostete und kostet die Commerzbank Geld und dürfte sich auch noch im ersten Quartal dieses Jahres in der Bilanz niederschlagen.

Unterm Strich ist klar: Schon Deutschland braucht seine Optimisten. Die Commerzbank aber braucht besonders kühne Exemplare dieser Sorte.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • Der Gewinn wurde nicht erzielt sondern das Geld aus Reserven gekommen ist, weil waerend der Krise 2008-2009 sehr grosse Reserven geschaffen wurden. Dann hat sich die Situation in 2010-2011 verbessert und die Reserven wurden reduziert. So hat die Bank diesen Gewinn erzielt. Dieses Jahr ist die Situation eher 2008 aehnlich. Also es kommt noch zu groesseren Verlusten.

  • "Der nächste große Batzen sind 1,1 Milliarden Euro, die Blessing im ersten Halbjahr als Gewinn erzielen möchte und dann zur Seite legen will. [...] Das Risiko liegt im Gewinn, der kräftiger sprudeln soll, als er in der kurzen Geschichte der aus Dresdner und alter Commerzbank hervorgegangener neuer Commerzbank jemals gesprudelt hat."

    Ein Blick in den Zwischenbericht Q2 2011 verrät, dass die CoBa im 1.Halbjahr 2010 ca. 1Mrd Gewinn und im 1.HJ 2011 1,1 Mrd. Gewinn generiert hat. Da muss man kein großer Optimist sein, um dassauch für 2012 für möglich zu halten.

  • Ich kann noch sagen dass Verkauf von Krediten noch mehr als eine Milliarde Verluste bringt. Es ist unmoeglich in gegemwaertiger Situation Kredite ohne Abschlag zu verkaufen. Es ist noch ganz zu schweigen ob es ueberhaupt moeglich ist 30 Mlrd an Krediten im Laufe von 6 Monaten zu verkaufen/

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