Kommentar
Der Preis des Wettbewerbs

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke macht in diesen Tagen die Ackermann-Erfahrung. Wie der Vorstandssprecher der Deutschen Bank bezieht er Prügel in der Öffentlichkeit, weil er trotz steigender Gewinne Zehntausende Arbeitsplätze streichen will. Wie passt das zusammen? Wo bleibt da die soziale Verantwortung?

Kritiker, die derlei Fragen stellen, machen es sich zu leicht. Die Telekom als Ex-Monopolist hat keine sozialstaatlichen Aufgaben mehr zu erfüllen. Und auf Gewinne, wie sie heute erzielt werden, gibt es keine Garantie, sie müssen immer wieder aufs Neue verdient werden. Weil die Telekom keine Bundesbehörde mehr ist, muss sie genau wie andere Unternehmen im scharfen Wind des internationalen Wettbewerbs arbeiten. Die zahlreichen Übernahmen, die in diesen Wochen den europäischen Telekommunikationsmarkt bewegen, sind ein wichtiges Indiz für den wachsenden Wettbewerbsdruck. Darauf muss sich die Telekom einstellen: mit besseren Serviceleistungen, aber auch mit gesünderen Kostenstrukturen.

Bei genauerem Hinsehen wird aber deutlich, dass die Wachstums- und Gewinntreiber der Zukunft für den Konzern erstens im Ausland und zweitens in den neuen Technologien wie dem schnellen Internet liegen. Mit der traditionellen Festnetztelefonie auf dem Heimatmarkt hat das nichts mehr zu tun.

Deshalb braucht die Telekom immer weniger Mitarbeiter in den alten Geschäftsfeldern und mehr in den boomenden neuen. Das zu beweinen ähnelt dem Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten Lamento über das Ende der Kutsche und den Aufstieg des Automobils. Und es ignoriert völlig die Erfolgsgeschichte der Marktliberalisierung. Per saldo sind kaum Arbeitsplätze verloren gegangen, Konkurrenten haben Tausende neue Jobs geschaffen. Vor allem: Bürger und Unternehmen erhalten für viel weniger Geld weit bessere Leistungen.

Das ist das Ergebnis des Wettbewerbs, dem die Telekom sich auch künftig stellen muss. Deshalb braucht sie Spielraum für Personalanpassungen, aber keinen Schutz vor Konkurrenz, wie sie ihn selber verlangt.

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