Kommentar
Der Unberechenbare

Lange musste die Öffentlichkeit auf Wladimir Putin und sein Statement zur Ukraine warten. Mit einem Hang zur Überheblichkeit trat er nun vor die Presse. Ein Bekenntnis zum Frieden blieb aus. Seine Strategie: Verwirrung.
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Wladimir Putin kann die Aufregung nicht verstehen: Was wollt ihr denn alle? Diese Frage schwingt bei allen seinen Antworten mit. Der Tenor: Ist doch alles total logisch, was sich derzeit in der Ukraine abspielt. Könnt oder wollt ihr kleinen Fragesteller das denn nicht kapieren? In Kiew hat es einen Machtwechsel mit Waffengewalt gegeben, Menschen sind bedroht und müssen beschützt werden und Russland verteidigt seine Interessen – wie es die USA seit eh und je tun. So die Wahrnehmung Putins.

Überraschend hat Russlands Präsident zur Pressekonferenz in Moskau geladen. Seit Tagen diskutiert die Welt über das Verhalten Russlands in der Ukraine-Krise, nun schlägt der Präsident zurück. In der Rolle des Unberechenbaren. Seine Körpersprache: breitbeinig. Sein Auftreten: selbstbewusst mit dem Hang zur Überheblichkeit. Seine Aussagen: unentschieden.

Den Diplomaten sei eine Sprache gegeben, um Wahrheiten nicht sagen zu müssen, so sagt es Putin in einer seiner Antworten. Umso direkter kommt seine eigene Sprache daher. Nur drei Beispiele: „Es wird keinen Krieg geben“, sagt er. Oder: „Es gibt niemanden, mit dem ich in Kiew sprechen könnte.“ Oder: „Glauben Sie, dass im Westen immer alles legitim ist?“ Der Haken: Tatsächlich verraten auch Putins Worte nicht, welches Schicksal die Ukraine erwartet. Denn hinter jeder seiner doch so klaren Aussagen, verbirgt sich ein „aber“.

Beispiel 1: Die Kriegsfrage. „Beunruhigt es Sie, dass ein Krieg ausbrechen kann“, fragt eine Journalistin. „Nein, dass beunruhigt mich nicht, weil wir nicht gegen das ukrainische Volk kämpfen wollen.“ Etwas anderes sei es natürlich, wenn es einen Schießbefehl für Soldaten der ukrainischen Armee gebe. Außerdem behalte sich sein Land alle Optionen vor, sollte im Osten der Ukraine Anarchie ausbrechen. Ein klares Bekenntnis zu einer friedlichen Lösung klingt anders.

Beispiel 2: Die Regierungsfrage. An Verträge mit der Ukraine fühlt sich Putin juristisch nicht mehr gebunden. Schließlich spreche der Westen von einer Revolution, an deren Ende eine neue Regierung stehe. Eine Regierung, die nach Waffengewalt an die Macht gekommen sei. „Mit einer solchen Regierung habe ich keine Verträge, weil diese nicht legitim ist“, sagt Putin. Für ihn ist Janukowitsch – wenngleich politisch erledigt – der weiterhin rechtmäßige Präsident. Also eine Absage an alles, was sich in Kiew entwickelt? Soweit geht der Unberechenbare dann doch nicht: „Es gibt Kontakte auf der Regierungsebene mit den ukrainischen Ministerien, um sie zu beim Wiederaufbau der Wirtschaft unterstützen. Das ist mein Auftrag an die Regierung.“ Putin bleibt undurchsichtig.

Beispiel 3: Die Schuldfrage. Verantwortlich für die Zustände im Nachbarland macht Putin vor allem den Westen. Das von der EU angestrebte und der Ukraine abgelehnte Assoziierungsabkommen habe dem Chaos vorangestanden, den USA – die mit Sanktionen drohen – wirft er vor, mit zweierlei Maß zu messen. „Uns wird vorgeworfen, dass unsere Handlungen nicht legitim waren“, sagt Putin. „Glauben Sie, dass im Westen immer alles legitim ist?“ Putin verneint das im Hinblick auf den Einsatz der USA in Afghanistan und Libyen. Die USA verfolgten stets hartnäckig ihre eigenen geopolitischen Interessen. Was ihr könnt, können wir auch, lautet die Warnung an den Westen. Doch auch in diesem Punkt hält sich Putin einen zweiten Weg offen. Zum deutschen Vorschlag einer internationalen Kontaktgruppe im Ukraine-Konflikt sagt er: „Im Prinzip ist das möglich.“

Wladimir Putins Auftritt zeigt: Er sieht sich als der entscheidende Mann in der Krise – verzichtet allerdings auf konkrete Entscheidungen zur Entschärfung der Krise.

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  • Krisen haben als Ursachen meistens wirtschaftliche Gründe. Das ist in der Ukraine nicht anders.
    Auch dort werden im Packpapier namens Menschenrechte und Demokratie wirtschaftliche und zudem militärische Interessen eingewickelt.
    Nun werden insbesondere von den USA Sanktionen gegen Russland gefordert und da stellt sich dann die Frage nach den möglichen Gewinnern und Verlierern der Krise.
    Die USA haben in Russland nur geringe wirtschaftliche Interessen allerdings dürfte die US-Rüstungsindustrie von dieser Krise hoch erfreut sein. Ebenso die angloamerikanischen „Heuschrecken“, denen der IWF mit geforderten Reformen einen hübschen Futterplatz in der Ukraine bereiten wird..
    Verlieren wird – wie immer – Deutschland bzw. Europa.
    Am Russland-Geschäft hängen ca. 200.000 deutsche Arbeitsplätze und je nach Intensität der Sanktionen könnten Lieferengpässe bei Öl und Gas auftreten, die sich wiederum negativ auf die Konjunktur auswirken können. Von den wahrscheinlichen „Hilfszahlungen“ an die Ukraine in Milliardenhöhen ganz zu schweigen.
    Fazit : Aus der exakten Ortung der möglichen Krisengewinner und ihrer Interessen kann der Therapieansatz zur Lösung der Krise abgeleitet werden, wobei Russland sich konstruktiven Denkmodellen sicherlich nicht verschließen dürfte.
    Putin der Unberechenbare ?
    Mit der Ignoranz der westlichen Politiker konnte Putin tatsächlich nicht rechnen und das führt dann schon mal zu Gegenreaktionen, mit denen "Unberechenbarkeit" gekennzeichnet ist..

  • Es fehlte der Hinweis, dass zum Pressetermin lediglich russische Medienvertreter zugelassen wurden! Das nenn ich eine Inszenierung!

    Ansonsten war der Artikel im HB genau so wie sich Putin präsentierte und argumentierte. Seine Aussagen waren alles wischiwaschi und dann mit einer Mimik die aussagt, ihr könnt mich alle mal!

    Ach und wenn man dann noch aufzählen würde wo er schon überall einmarschiert ist...... die Liste wäre auch erheblich!

    All die Schreiber hier, die plötzlich so viel Zuneigung für das russische Regime empfinden wundern mich!

    Sicher ist bei uns auch nicht alles Gold was glänzt, trotzdem haben wir wenigstens das Gefühl von Freiheit!
    Wer will kann auf die Straße, wer will kann sich am politischen Geschehen beteiligen.......

    Wo bitte gibt es in Russland eine Demokratie?
    Wo kann der Einzelne seine Meinung frei äußern?
    Von der Verfolgung von Lesben und Schwulen ganz zu schweigen!

    Er redet von Nationalisten und Faschisten in der Ukraine!!!!

    Ja bitte was ist denn mit ihm und seinen gelenkten Medien?

    Wenn die Aufmärsche in einem "Bruderland" erfolgen um die Menschen zu schützen, dann frage ich, warum sperrt er sich gegen eine Lösung in Syrien?

    Wenn das kein Verbrechen ist was in Syrien passiert, was ist dann noch ein Verbrechen?

    Nein, Putin soll sich nicht so aufblustern und mit den Staaten in Ost und West reden und Lösungen erarbeiten!

  • (Fortsetzung) ...voranbringen könnte.
    Und zwar eine, bei der wirklich JEDER einzelne Bürger bei allen das politische Miteinanderleben betreffenden Fragen sowohl an der Entscheidungsfindung als auch an der Verantwortung für die Konsequenzen solcher Entscheidungen beteiligt ist. Es gibt keinen vernünftigen Grund für die Annahme, dass ein kleiner Kreis gewählter, meist von Sachzwängen oder Lobbys gesteuerter Politiker die besseren Entscheidungen treffen würde als alle Bürger zusammen. Ganz im Gegenteil!
    Dank der rasanten Entwicklung u.a. der IT-Technologien müsste das bald möglich sein (wenn man will).

    (Übrigens, oben hätte es heißen müssen: ... einen länderübergreifenden Konsens, DER eine (...) flexible Reaktion ermöglichT. Sorry.)

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